Fahrräder mitnehmen

Die Kombination aus Fahrrad und Bahn ist optimal, weil Sie komplett auf das Auto verzichten und umweltfreundlich und gesellig unterwegs sein können. Auch eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten, weil Sie nicht unbedingt an den Ausgangpunkt Ihrer Tour zurückkehren müssen, wo das Auto steht.

In Deutschland wurde in den letzten Jahren sehr viel dafür getan, den Fahrradtransport mit der Bahn zu verbessern oder erst zu ermöglichen. Das gilt sowohl für die touristisch geprägten Regionen im Freizeitverkehr wie in Bayern, als auch für Pendlerinnen und Pendler.

So ist es grundsätzlich möglich, sein Fahrrad in sehr vielen Zügen zu befördern. Das ist mit einigen Besonderheiten und Verhaltensregeln verbunden. Ziel dieser Regeln ist es immer,

  • Ihnen als Fahrgast mit Fahrrad den Transport zu erleichtern und zu ermöglichen;
  • die verfügbaren Kapazitäten möglichst optimal zu nutzen, aber auch keine irreführenden Informationen zu geben und Hoffnungen auf völlig unbegrenzte Radmitnahme zu machen;
  • einen guten Ausgleich zu schaffen zwischen den Anforderungen der Fahrradreisenden und der anderen Fahrgäste ohne Rad;
  • das wirtschaftlich und betrieblich Mögliche und Sinnvolle für das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen zu erreichen.

Die wichtigsten Spielregeln und Besonderheiten sind im folgenden Text erwähnt, ansonsten gibt es umfangreiche Hinweise auf den Webseiten der jeweiligen Verkehrsunternehmen und in den Beförderungsbestimmugen – hier zum Beispiel die Informationen der Deutsche Bahn, von agilis, der Vogtlandbahn oder der ODEG. Grundsätzlich gilt es, eine Radmitnahme ausgesprochen gut zu planen, weil die Voraussetzungen dafür je nach Region und Verkehrsmittel sehr unterschiedlich sind.

  • Sie benötigen – zumeist – eine Fahrradkarte. Diese gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, je nach Bundesland, Verkehrsverbund und Aufgabenträger. Fern- und Nahverkehrs-Fahrradkarten unterscheiden sich deutlich in ihren Konditionen. Teils ist in Verbünden eine Radmitnahme im Rahmen einer Tageskarte kostenfrei möglich, teils gibt es einzelne Landkreise und Bundesländer, in denen die Radmitnahme im Nahverkehr generell oder zu bestimmten Zeiten kostenlos ist (z. B. in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz). Die aktuellen Regelungen finden Sie auf einer Internetseite der DB zusammengefasst.
  • In Zügen des Fernverkehrs ist eine Reservierung für den Fahrradstellplatz nötig, in Nahverkehrszügen hingegen nicht.
  • Im Fernverkehr ist die Radmitnahme je nach Zugtyp möglich. Eine Reservierung und eine Fahrradkarte ist immer nötig. Die Buchung erfolgt über die Fahrplanauskunft www.bahn.de, dort wählen Sie in den Optionen „Fahrradmitnahme“ aus. Weitere Informationen und eine gute Übersicht über die Zugtypen, in denen die Radmitnahme möglich ist, bietet radfahren.de.
  • Es gibt in vielen Verbünden Ausschlusszeiten für die Radmitnahme, weil die Kapazitäten nicht reichen. Oft handelt es sich um die Ausschlusszeiten werktags zwischen 6 und 9 Uhr und nachmittags zwischen 16 und 18 Uhr im Berufsverkehr. Die konkreten Konditionen sollten Sie aber vor Ihrer Fahrt auf der Homepage des jeweiligen Verbundes auf ihre Aktualität hin überprüfen.
  • Das Fahrrad in der Bahn mitzunehmen erfordert eine sorgfältige Planung oder gute Kenntnisse, die auf langer Erfahrung beruhen. Im Zweifel schauen Sie in den Beförderungsbestimmungen nach – jedes Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und jeder Verkehrsverbund hat die Radmitnahme geregelt, oft bis ins letzte Detail. Für Anhänger, Radgröße, Tandems, Klappräder, E-Bikes und weitere Besonderheiten gibt es weitgehende Regelungen, die sich durchaus öfters ändern können.
  • In bestimmten touristischen Regionen (z. B. am Bodensee, im Alpenvorland, entlang großer Flusstäler mit bekannten Radwegen) sind die Züge an Wochenenden und in Ferienzeiten grundsätzlich sehr stark nachgefragt. Zwar sorgen Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und Aufgabenträger oft dafür, dass dort größere Kapazitäten zur Radmitnahme zur Verfügung stehen – beispielsweise gibt es vereinzelt richtige Fahrradzüge, dennoch ist in vielen Zügen in solchen Regionen zu wenig Platz, sodass manchmal nicht alle Radfahrer mitgenommen werden können. Folgende Empfehlungen deswegen:
    • Antizyklisch fahren: Zu anderen Zeiten anreisen und wieder zurückfahren, als es die meisten tun. Wer Sonntagvormittag bereits wieder mit dem Rad in der Bahn zurückfährt, wird sehr wahrscheinlich noch einen Platz finden, weil die meisten noch auf den Radwegen unterwegs sind.
    • Stark überlaufene Gegenden komplett meiden, stattdessen in aller Ruhe auf unbekannten Radwegen fahren.
    • Werktags fahren – aber nicht im Berufsverkehr auf eine Großstadt zu.
    • Kein Fahrrad mitnehmen, stattdessen eines am Zielort ausleihen.
    • Als Pendlerin oder Pendler Falt- oder Klappräder nutzen.

Nun zur konkreten Fahrradmitnahme: Die Wagen mit Mehrzweckabteilen für die Fahrradmitnahme sind außen gekennzeichnet. Dafür gibt es jedoch keinen Standard. Vom kleinen Piktogramm bis zur Beschriftung, die über den ganzen Wagen geht, gibt es alle Varianten.

  • Wichtig ist, das Fahrradabteil beim Einsteigen schnell zu finden, um keine Verspätungen zu verursachen. Am einfachsten und entspannendsten geht das an Orten, wo der Zug einige Minuten Aufenthalt hat. Oder wo er seine Fahrt beginnt. Ideal ist es, die Tour danach auszurichten.
  • Die genaue Lage des Fahrradabteils wird bei Nahverkehrszügen nur selten im Internet oder auf dem Bahnsteig kommuniziert. Im Zweifelsfall platzieren Sie sich mit dem Rad ungefähr in der Mitte der Bahnsteiglänge. Und zwar so weit vom Gleis entfernt, dass Sie eine gute Sicht auf den einfahrenden Zug und dessen Beschriftung an der Außenseite haben. Mit frühzeitigem Blick auf das Fahrradsymbol außen am Wagen ist eine schnelle Reaktion möglich.
  • Die Züge haben oft sehr unterschiedliche Kapazitäten. Es gibt Züge mit
    • mehreren Fahrradwagen (Fahrradzüge),
    • einem großen Mehrzweckbereich (oft in Doppelstockwagen),
    • einem kleinen Mehrzweckbereich für gerade mal zwei Räder (oft Neigetechnikzüge),
    • Züge mit Steuerwagen, in die über ein Dutzend Räder passen.
    • Und bedingt eignen sich die Einstiegsbereiche in bestimmten Triebfahrzeugen, wo zur Not jeweils noch ein oder zwei Räder hineinpassen. Allerdings besteht dort die Gefahr, Fluchtwege und Ein- und Aussteigenden den Weg zu versperren.
  • Auch wenn es zeitlich knapp ist, auf keinen Fall mit dem Fahrrad auf dem Bahnsteig entlangfahren. Zu groß ist das Risiko, mit dem Zug oder anderen Fahrgästen zu kollidieren. Oder ins Gleisbett zu stürzen.
  • Unter Radfahrerinnen und Radfahrern ist es guter Brauch, sich gegenseitig beim Ein- und Aussteigen zu unterstützen, damit es schneller, einfacher und gefahrloser geht.
  • Oft wird empfohlen, das Gepäck abzunehmen, bevor man mit dem Rad ein- oder aussteigt. Bei genauerem Betrachten fällt der Ratschlag etwas differenzierter aus: Bei schmalen Türen und Stufen Gepäck abnehmen und sich helfen lassen, bei breiten S-Bahntüren oder modernen Doppelstockwagen mit fast niveaugleichem Einstieg ist es besser, das Gepäck beim Ein- und Aussteigen am Rad zu lassen und erst innen abzunehmen. Weshalb? Weil es bei derartigen Türen mit Gepäck am Rad deutlich schneller geht, außerdem gibt es dann kein Problem wegen der Lichtschranken und der technikbasierten Abfertigung. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kraft reicht. Etwas Übung ist erforderlich, damit die Griffe klappen.
  • Im Zug: Rad gegen Umfallen sichern, in der Nähe des Rades bleiben, mit anderen Reisenden über die Reihenfolge beim Aussteigen einigen. In Einstiegsräumen die Türen nicht blockieren (Lichtschranken beachten!) und dafür sorgen, dass andere Reisende problemlos ein- und aussteigen können.

Es ist empfehlenswert, die Fahrradmitnahme richtiggehend zu üben. Einfach beginnen: Ohne Gepäck und mit Zügen, die breite Türen haben und niveaugleiche Einstiege. Idealerweise an Tagen und Zeiten und Strecken, wo nicht sehr viel Andrang ist und wo genug Zeit zum Ein- und Aussteigen ist. Wer sich damit sicher fühlt, kann den Schwierigkeitsgrad steigern bis hin zu Bedingungen mit schmaleren Türen, mit Stufen, mit Gepäck, kurzen Aufenthaltszeiten.

Insgesamt ist die Kombination Radfahren und Bahn fast immer eine sehr gute, wenn man vorher entsprechend geplant hat.

Und zum Abschluss noch ein Tipp: Radfahren auf stillgelegten Eisenbahntrassen ist oft ein unvergleichliches Erlebnis. Die Anreise mit der Bahn ist häufig problemlos möglich, die Fortsetzung mit dem Rad entspannend und interessant gleichzeitig, weil die Streckenführung oft abseits der Straßen verläuft und die Steigungen harmlos sind. Dazu ein entsprechender Bericht, der von einer Radfahrt auf einer alten Trasse handelt.

Fahrradsymbole am Zug weisen auf die Radabteile hin.
Derartige Hinweise gibt es auch in klein.
Oder am Fernverkehrszug.
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