Mobilitätseingeschränkte

Grundsätzlich kommt Barrierefreiheit allen Fahrgästen zugute: Wer mit Gepäck oder Kinderwagen unterwegs ist oder einfach nicht so gut zu Fuß ist, freut sich über jede Stufe oder Steigung weniger, über jeden Aufzug oder jede Rolltreppe.

Auch Mobilitätseingeschränkte können mit der Bahn grundsätzlich verreisen. Für alle Menschen, die auf Barrierefreiheit oder -armut beim Reisen angewiesen sind, gibt es spezielle Informationen, Hilfestellungen, Einrichtungen, technische und bauliche Hilfsmittel: für Gehbehinderte, Kleinwüchsige, Rollstuhlfahrer, Blinde, Gehörlose und Schwerhörige. Für Fahrgäste mit schwerem Gepäck, Gehhilfen, Kinderwagen und für ältere Menschen, die nicht mehr ganz so sicher auf den Beinen sind.

Zum Thema „Barrierefreies Reisen“ gäbe es wohl ein eigenes, umfangreiches Buch zu schreiben.  Hier finden Sie nun einige wichtige Aspekte und weiterführende Informationen.

Es werden seit Jahren umfangreiche Programme aufgelegt, um die Bedingungen für Mobilitätseingeschränkte zu verbessern.[i] Die Ausschreibungen der Aufgabenträger richten sich auch nach dem gesetzlich geforderten Ziel des Behindertengleichstellungsgesetzes,“ […] die Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen und zu verhindern sowie ihre gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen.“[iii]

Es gibt Arbeitsgruppen, Gesprächskreise, Veranstaltungen vor Ort, telefonische Auskünfte, Beauftragte, Mobilitätszentralen und vieles mehr, um die Belange dieser Fahrgastgruppe zu verstehen und in konkrete Handlungen und Verbesserungen bei der Eisenbahn insgesamt umzusetzen und um die Reise an sich zu ermöglichen und zu unterstützen. Barrierefreiheit ist bei Neubauten, Umbauten und Neuanschaffungen Standard geworden. Es findet ein intensiver Kontakt zwischen Bahn und den entsprechenden Verbänden statt, um schon bei der Planung die Bedürfnisse Mobilitätseingeschränkter möglichst vollständig zu verstehen und zu berücksichtigen.

Welche Möglichkeiten und Angebote gibt es also für Mobilitätseingeschränkte?

  • Bei der DB existiert eine Mobilitäts-Service-Zentrale, erreichbar u.a. unter 030 65 212 888 oder msz@deutschebahn.com. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter recherchieren die passenden Verbindungen, reservieren Plätze, Fahrkarten und senden Reiseunterlagen zu, organisieren Um- und Einsteigehilfen und klären die Rollstuhlmitnahme.[iv]
  • Es gibt ein umfangreiches Informationsangebot im Internet für die Deutsche Bahn, d. h. in diesem Falle für die Bahnhöfe, die DB Fern- und Nahverkehrszüge.[v] Andere Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und die Verkehrsverbünde bieten ebenfalls umfangreiche und oft gut strukturierte Informationen an.[vi]
  • Ein sehr informatives Internetportal bietet Seh-Netz e.V. an, über das Sie auf eine Fülle an Informationen über alle allgemeinen, besonderen und regionalen Aspekte des barrierefreien Reisens herankommen.
  • Laut Statista sind etwas über drei Viertel aller Bahnhöfe ohne Stufen erreichbar, bei gut der Hälfte sind Bahnsteig und Zug auf der gleichen Höhe. Deutlich über Hälfte aller Bahnsteige bietet für Blinde fühlbare Bodenindikatoren.
  • Viele Züge sind inzwischen unter Aspekten des barrierefreien Reisens angeschafft worden. Es geht kein Zug mehr in Betrieb, der nicht die allerneuesten Kriterien erfüllt.

Die Schwierigkeiten liegen in der Praxis:

  • Es ist nicht sicher, dass Rolltreppen und Aufzüge funktionieren.
  • Bei Betriebsstörungen fahren ggf. andere Zugtypen.
  • Viele, aber nicht alle Zugtypen sind barrierefrei gestaltet.
  • Bei Schienenersatzverkehr oder Busnotverkehr wird in den meisten Fällen keine Chance bestehen, mit den geplanten Umsteigezeiten klarzukommen oder es wird keinen barrierefreien Weg zum oder in den Bus geben.
  • Bei Zügen des Fernverkehrs, aber auch nicht selten bei Fahrzeugen im Nahverkehr, sind organisatorische Maßnahmen erforderlich, dass Rollstuhlfahrer diese nutzen können. Wenn der Lokführer/die Lokführerin die Rollstuhlrampe auslegen muss, dauert das seine Zeit, führt zu Verzögerungen und ist für alle Beteiligten unbefriedigend. Auch der an größeren Bahnhöfen eingesetzte Hublift kann zu deutlich verlängerten Aufenthaltszeiten führen.
  • Bei Fahrplanabweichungen kann es auch zu Gleiswechseln kommen, die einem Mobilitätseingeschränkten die Fahrt unmöglich oder sehr aufwendig machen können.

Jeder einzelne Punkt kann eine noch so sorgfältig geplante Reise unmöglich machen oder deutlich erschweren. Zwar versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in aller Regel, derartige Situationen zu vermeiden oder zu entschärfen und bestmöglich Hilfestellung zu leisten – dennoch ist ein einigermaßen unbeschwertes, selbstbestimmtes Reisen nicht garantiert.

Fazit: Das bisherige Ergebnis der Bemühungen um die Barrierefreiheit im Bahnbereich ist teils wirklich beachtlich, aber noch nicht durchgängig zufriedenstellend. In einigen Netzen, auf etlichen Linien ist ein selbstbestimmtes Reisen fast selbstverständlich und mit etwas Erfahrung beinahe ohne Planung möglich, doch in nicht wenigen Bereichen geht es derzeit nur mit großer Unterstützung oder fast gar nicht.

Realistisch betrachtet wird es auch noch viele Jahre dauern, bis eine weitgehende Barrierefreiheit in allen Bereichen erreicht ist, sodass Reisen mit der Bahn für Mobilitätseingeschränkte völlig ohne Hilfestellung anderer Menschen möglich ist. Bis dahin hilft nur gute Planung und Hilfe annehmen.

 

Anmerkungen

[i]         Die vier Programme der DB AG gemäß Behindertengleichstellungsgesetz umfassen rund 750 Seiten Text. Seite „Programme zur Barrierefreiheit der Deutschen Bahn AG“.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/gm1q+ (Stand 16.6.2020).

[iii]        Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen
(Behindertengleichstellungsgesetz – BGG), § 1 (1).

[v]         URL: https://www.bahn.de/p/view/service/barrierefrei/uebersicht.shtml (Stand 20.2.2020).

[vi]        Siehe bei den jeweiligen Unternehmen und Verbünden, beispielsweise die Eurobahn, Länderbahn, der Hamburger Verkehrsverbund, der Rhein-Main-Verkehrsverbund oder der Münchner Verkehrsverbund

Ein wichtiges Element barrierefrei zugänglicher Bahnhöfe: ein funktionierender Aufzug, kontrastreiche Beschriftung.

 

Der Umbau eines Bahnsteigs zur Herstellung der Barrierefreiheit: Zwischen dem Zustand vorher (vorne) und nach dem Umbau (hinten) liegen Welten:
Mit Blindenleitstreifen und einem erhöhten Bahnsteig erhalten mehrere Kundengruppen Zugang zum System Bahn.
Optimal: höhengleicher Zugang vom Bahnstieg ins Fahrzeug mit Spaltüberbrückung, kontrastreiche Türen.

 

 

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