Fahrkartenkontrolle

Beim Einkaufen bezahlt man an der Kasse und kein Kunde verlässt dieses System, ohne zu bezahlen – es ist ein geschlossenes System. Auch beim Schwimmbadbesuch bezahlen Sie vorher und können das Drehkreuz nur mit gültiger Eintrittskarte passieren.

Bei der Bahn ist das anders. Es handelt sich – in Deutschland – um ein offenes System, das grundsätzlich jeder vor oder nach der Nutzung ohne technische Schranke oder menschliche Kontrolle betreten und verlassen kann. Somit ist ein wesentliches Merkmal des Bahnsystems, dass dessen Nutzung zu einem guten Teil auf Vertrauen basiert. Kontrollen gibt es nur im Zug selbst:

  • Durch Kundenbetreuer, die durch den Zug gehen und nach dem Fahrausweis fragen. Kundenbetreuer sind im Fernverkehr in jedem Zug von Anfang bis Ende der Zugfahrt an Bord, im Nahverkehr hingegen nur auf bestimmten Linien oder zu bestimmten Zeiten.
  • Durch spezielles Prüfpersonal oder Sicherheitskräfte, die nur sporadisch und scheinbar zufällig unterwegs sind. Die Auswahl der Züge und die Prüfhäufigkeit richten sich nach internen Kriterien des Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmens oder nach Regelungen des Aufgabenträgers. Diese Art der Prüftätigkeit findet oft in S-Bahnen und auf kleineren Nebenstrecken statt.

Bei einer Kontrolle zeigen Sie Ihren Fahrausweis und händigen ihn ggf. auch aus. Auch die BahnCard, sofern vorhanden, gehört dazu und bei bestimmten Fahrausweisen auch der Personalausweis oder ein anderes Dokument.

Im DB-Fernverkehr gibt es den Service des Komfort Check-in. Dann erhält das Kontrollpersonal eine Information, dass Sie in Besitz eines gültigen Tickets sind, und die Kontrolle am Platz entfällt (zumeist).

 

Fahren ohne gültige Fahrausweis

Dieses Thema ist für viele Menschen wenig angenehm – und deswegen will ich es hier ansprechen und ein wenig die Ängste und Befürchtungen, aber auch sonstige Emotionen herausnehmen und Sicherheit vermitteln.

Im Strafgesetzbuch (StGB) § 265a mit der Überschrift „Erschleichen von Leistungen“ steht: „(1) Wer […] die Beförderung durch ein Verkehrsmittel […] in der Absicht erschleicht, das Entgelt nicht zu entrichten, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft […].“

In der Praxis ist es so: Wer bei der Kontrolle keine gültige Fahrkarte zeigen kann, bezahlt das Doppelte des normalen Fahrpreises, mindestens aber ein erhöhtes Beförderungsentgelt, das derzeit bei 60 Euro liegt. Dass das Strafgesetzbuch zur Anwendung kommt, ist in der Praxis erst ab dem dritten Mal relevant – dann nämlich erstatten die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen Anzeige. Aber auch das ist kein zwangsläufiger Mechanismus, sondern es gibt da durchaus unterschiedliche Praktiken.

Die Gründe, weshalb man als Fahrgast ohne gültigen Fahrschein unterwegs ist, sind zahlreich: Absicht, Armut, politisches Statement, Geld sparen, Risikofreude, Ärger über Verspätungen und Schlechtleistung. Und die vermutlich häufigsten Gründe: Unwissenheit und Unkenntnis in Bezug auf das Tarifsystem und schlichtes Vergessen der Fahrkarte. Glücklicherweise gibt es inzwischen recht brauchbare Techniken und Tickets, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, unabsichtlich schwarz zu fahren.

Für das Kontrollpersonal ist man in folgenden Fällen ohne gültigen Fahrausweis unterwegs:

  • Keine Fahrkarte vorhanden.
  • Die Gültigkeit des Tickets ist abgelaufen.
  • Die Fahrkarte ist nicht entwertet worden.
  • Der Fahrgast fährt außerhalb des Gültigkeitsbereichs.
  • Ein personalisiertes Ticket wird von einer anderen Person genutzt.
  • Die BahnCard oder das Identifikationsmedium sind nicht vorzeigbar.
  • Die Fahrkarte ist gefälscht oder wurde illegal erworben.[i]

Grundsätzlich gelten die Gründe Unwissenheit, Unkenntnis und Vergessen nicht. Kontrolleurinnen und Kontrolleure können nicht mit Sicherheit unterscheiden, ob jemand absichtlich oder versehentlich kein gültiges Ticket dabeihat. Das Kontrollpersonal hat keine Spielräume, es wird die Personalien aufnehmen und außer einem Fahrausweis auch eine schriftliche Aufforderung übergeben, die 60 Euro (oder das Doppelte des Fahrpreises) innerhalb einer bestimmten Frist zu zahlen oder den Fahrausweis nachträglich vorzuzeigen.

Das nachträgliche Vorzeigen ist beispielsweise in folgenden Fällen möglich:

  • Eine persönliche Fahrkarte vergessen;
  • das Smartphone funktionierte nicht, das Handyticket war jedoch gebucht.

In solchen Fällen ist eine Bearbeitungsgebühr zu bezahlen, Einzelheiten stehen dazu in den jeweiligen Beförderungsbedingungen. Ansonsten werden die 60 Euro oder das Doppelte des Fahrpreises fällig. Einspruch ist grundsätzlich möglich, die Erfolgschancen sind allerdings sehr fallabhängig.

Das Ganze ist oft ein hoch emotionales Thema, in das viele Aspekte mit hineinspielen. Die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen gehen recht deutlich gegen Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis vor, denn es  entgeht ihnen viel Geld. Dadurch, dass hinter jedem Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ein wirtschaftendes Unternehmen steht, das Geld verdienen will und muss, um weiterhin zu existieren, werden erhebliche Anstrengungen unternommen, dass die Quote der Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis möglichst gering ist. 2018 lag sie bei rund 3,5 %, und den Verkehrsunternehmen insgesamt entgehen dadurch jährlich rund 250 Mio. Euro an Fahrgeldeinnahmen.[ii]

Was können Sie also tun, um immer mit einem gültigen Fahrausweis unterwegs zu sein?

  • Vorher informieren und rechtzeitig kaufen.
  • Technische Hilfsmittel oder den Kundenservice nutzen: Das Ticket bevorzugt online oder per App, alternativ im Kundencenter kaufen.
  • Bevorzugt mit Pauschaltickets und Netzkarten reisen. Wenn das nicht möglich ist, dann – in Verkehrsverbünden – die Zielwahl nutzen, statt sich mit Tarifzonen herumzuplagen.
  • Den Fahrkartenautomaten nur mit Reiseerfahrung und ohne Zeitdruck nutzen. Auch sollten die Art des Tickets und das Reiseziel vorab klar sein.
  • Eindeutig und aktiv kommunizieren, wenn bei Fahrtantritt aus welchen Gründen auch immer das Ticket fehlt. Im Fernverkehr ist es möglich, den Fahrschein auch an Bord des Zuges zu kaufen. Das bedeutet allerdings: Unaufgefordert und rechtzeitig beim Personal melden.
  • Keine unklaren Situationen herbeiführen wie z. B.
    • Handyticket erst dann kaufen, wenn das Prüfpersonal kommt.
    • Nur große Geldscheine mit sich führen, die der Automat nicht annimmt.
    • Bei Automaten im Zug erst dann kaufen, wenn der Prüfer in Sicht ist.
    • Ohne Fahrausweis so lange im Bordrestaurant oder auf der Toilette bleiben, bis das Kontrollpersonal vorbeigegangen ist.
    • Ohne Fahrausweis bei der Aufforderung, die Fahrausweise zu zeigen, einfach nicht zu reagieren.

Sollten Sie dennoch unabsichtlich schwarzfahren, dann ist es empfehlenswert, zu kooperieren, die Fahrpreisnacherhebung ohne große Diskussion oder Eskalation entgegenzunehmen, und den Sachverhalt – bei Bedarf – im Nachgang in Ruhe mit der zuständigen Stelle zu klären. Dort werden auch Themen wie eine mögliche Kulanz verhandelt – aber nicht mit dem Personal im Zug, das praktisch keine Spielräume hat.

Weshalb dieser Tipp? Weil niemandem damit gedient ist, wenn sich eine Situation aufheizt und daraus ein Konflikt entsteht, der im Extremfall bis zu einem Polizeieinsatz führen kann. Es gehört mit zu den unangenehmsten Situationen einer Bahnfahrt, wenn so ein Vorfall lautstark vor allen Fahrgästen verhandelt wird.

Informationen zum Thema Fahrpreisnacherhebung stehen auf dem ausgehändigten Beleg, oder bei dem jeweiligen Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen auf der Website. Für die DB gibt es dafür eine eigene Internetpräsenz – die ermöglicht dann auch eine diskrete Abwicklung ohne persönlichen Kontakt.[iv]

 

Anmerkungen

[i]         Bei diesem Punkt handelt es sich dann nicht mehr um pures Schwarzfahren, sondern um andere Straftatbestände, die durchaus schwerer wiegen.

[ii]        Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (Hrsg.): Pressemitteilung vom 7.11.2018. URL: https://www.vdv.de/181107-pm-schwarzfahren-richterbund.pdfx?forced=false&forced=false (Stand: 29.03.2024).

[iv]        URL: https://www.db-fahrpreisnacherhebung.de (Stand 29.3.2024).

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