Kartografische Informationen

Es gibt drei kartografische Darstellungsformen, die eine Fülle an Informationen rund um jede Zugfahrt bieten:

  • Landkarten mit maßstabsgetreuer Darstellung, in denen auch der Verlauf der Bahnlinien eingezeichnet ist und die Lage und Namen der Bahnhöfe.
  • Liniennetzpläne stellen den Verlauf einer Linie oder eines ganzen Liniennetzes schematisch einschließlich der Bahnhöfe dar. Umsteigebahnhöfe und die Bezeichnung der Linien sind ebenfalls ablesbar.
  • Bahnhofspläne gibt es für größere Bahnhöfe. Dort sind Gleise und Zugänge abgebildet, ferner sämtliche Serviceeinrichtungen – vom Taxistand über die Toiletten bis hin zum Reisezentrum, auch die Lage der Bushaltestellen oder der U-Bahn ist zu erkennen.[i]

Was nützen derartige Pläne?

  • Sie bieten die Information, dass eine Linie, eine Bahnstrecke oder ein Bahnhof überhaupt existiert.
  • Auf einen Blick sind alle räumlichen Zusammenhänge erkennbar: wo eine Linie hinführt, welche Bahnhöfe an der Strecke liegen, deren Entfernung zueinander, ob sich ein bestimmter Bahnhof in der Nähe der City befindet oder wie weit es vom Bahnhof zu Ihrem Ziel in einer fremden Stadt ist.
  • Bei Unregelmäßigkeiten sind Situationen wesentlich besser einschätzbar und es ist möglich, eigene Entscheidungen treffen. Das ist wichtig, um alternative Fahrtwege herauszufinden, Umsteigebahnhöfe zu erkennen und ein Gefühl für Entfernungen zu bekommen.
  • Sie sind einfach besser orientiert und wissen, wo es lang geht.

Grundsätzlich ist es natürlich möglich, auch ohne jegliche kartografische Unterstützung Bahn zu fahren. Sie können alles – also den Weg zum Bahnhof, die Fahrt mit der Bahn und anschließend den Weg vom Bahnhof zum Ziel – vollständig Ihrer Fahrplanauskunft und der Navigationsfunktion Ihres Smartphones überlassen und werden problemlos ans Ziel kommen. Das wäre vergleichbar mit dem Navi beim Auto: Ziel eingeben und sich nach den Anweisungen richten.

Es ist dennoch hilfreich und empfehlenswert, Landkarten und Netzpläne lesen zu können und seine Orientierung damit zu verbessern (vgl. auch das zugehörige Praxiskapitel Netz- und Linienpläne nutzen). Das gilt ganz besonders für die folgenden Situationen:

  • An den Zügen und im Bahnhof sind in der Regel Liniennummern und die Endhaltestellen der jeweiligen Linie angegeben. Ein Blick auf den Netzplan, und Sie wissen sofort, welche Linien zu Ihrem Zielbahnhof führen.
  • An vielen Bahnsteigen, insbesondere bei kleineren Bahnhöfen, steht zur besseren Orientierung ein Hinweis, in welche Richtung die Züge auf diesem Gleis normalerweise fahren. Dort ist dann in der Regel die nächste größere Stadt, ein Linienendpunkt oder ein Bahnknotenpunkt angegeben. Wenn Ihnen bekannt ist, ob der Zielbahnhof in der einen oder in der entgegengesetzten Richtung liegt, brauchen Sie keine Gleisangabe und keinen Fahrplan zu beachten, sondern sind automatisch richtig.
  • Es gibt Züge, die das gleiche Ziel haben, aber sehr unterschiedliche Strecken fahren. Ohne einen Blick auf den Fahrplan können Sie mit einem Netzplan sofort erkennen, welche Strecke für Sie die richtige oder die bessere ist. Beispiel: In Nürnberg Hbf fährt (Fahrplanstand 2019) um 5.26 Uhr ein Intercity nach Hamburg, am Gleis gegenüber hat der ICE um 5.32 Uhr das gleiche Ziel. Jedoch: Der eine Zug fährt über Mainz, Köln und Bremen, der andere über Hannover. Der Zeitunterschied beträgt in der Ankunft fast vier Stunden – hier lohnt es sich, eine gewisse räumliche Orientierung zu haben.
  • Wer ein bestimmtes Ziel hat, aber keine Ortskenntnis, und wenn auch nicht klar ist, ob es dort überhaupt einen Bahnhof gibt, dann hilft die Landkarte, den nächsten geeigneten Bahnhof und dessen genaue Bezeichnung herausfinden.
  • Auch wenn Sie Ihren Weg von Ihrem Zielbahnhof mit einem Bus oder zu Fuß fortsetzen, hilft eine gute räumliche Orientierung.

Ferner vermitteln Karten einen guten Überblick, wie die Reise verläuft oder in welcher Umgebung der Zielbahnhof liegt. Sie bieten die nötige Orientierung auf einer übergeordneten Ebene: Sie wissen, wo Sie sich befinden und gerade entlangfahren und stellen Bezüge zur Umwelt her (z. B. Flüsse, Wälder, Landschaften, Straßen, andere Bahnstrecken, Städte).

Plötzlich wird klar, weshalb der Zug von Berlin nach Erfurt in Leipzig die Fahrtrichtung wechselt und dass er nicht irrtümlich wieder an Ihren Ausgangsbahnhof zurückfährt. Oder dass die Bahnstrecke von Koblenz nach Saarbrücken immer an Flüssen entlangführt und dabei viermal auf großen Brücken die Mosel überquert.

Eine geeignete Karte macht deutlich, dass der Bahnhof Bramsche in Niedersachsen an zwei unterschiedlichen Linien liegt, von denen die eine nach Bremen, die andere nach Oldenburg führt. Oder dass nach dem Bahnhof Walsrode direkt Fallingbostel kommt und dass im übernächsten Bahnhof namens Soltau dann vier Bahnstrecken aus allen Himmelsrichtungen zusammenlaufen: Bremen, Uelzen, Hannover, Hamburg.

Wer den Fahrtverlauf unterwegs auf einer Karte nachverfolgt, kann sich am Zielort besser zurechtfinden. Bei Umleitungen, Gleisänderungen und Ersatzverkehren wird besser verständlich, was gerade passiert. Dann ist es einfacher, eigene Entscheidungen zu treffen und Alternativen zu finden, wenn Reiseplan oder Lautsprecherdurchsagen nicht weiterhelfen sollten. Und vor allem machen Landkarten Lust auf das Bahnfahren und darauf, die nähere Umgebung, ganz Deutschland oder eine bestimmte Landschaft mit der Bahn zu entdecken.

Es gibt folgende kartografische Medien:

  • Schematische Liniendarstellungen für den Fernverkehr der DB und den Regionalverkehr aller Bundesländer sind exzellente und sehr inhaltsreiche Informationsquellen.[ii]
  • Die meisten Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen haben außerdem Liniennetzkarten ihres Netzes erstellt.[iii] Teils liegen diese auch gedruckt vor und sind in den jeweiligen Kundencentern vorrätig.
  • Eine maßstabsgetreue Darstellung der Bahnstrecken mit Kursbuchnummer bietet die interaktive Streckenkarte der DB.
  • Detailliert und maßstabsgetreu bilden die beiden folgenden Produkte den Verlauf der Bahnstrecken in der Natur ab, die es aber nur online gibt: das Infrastrukturregister der DB und die OpenRailwayMap. Beide bergen einen unglaublichen Schatz an Informationen wie beispielsweise Streckenführung, Lage der Gleise, Bahnsteige und Weichen, Höchstgeschwindigkeiten, Bahnübergänge, Elektrifizierung, Signale, Brücken und Tunnel.
  • Die ÖPNV-Karte konzentriert sich hingegen weniger auf die technischen Aspekte, stattdessen gibt es dort umfassende Informationen zu allen öffentlichen Verkehrsmitteln in einer maßstabsgetreuen Darstellung einschließlich der Liniennummern.
  • Es gibt einige wenige gedruckte Eisenbahn-Landkarten. Dazu gehören die Rail Travel Map Deutschland oder der Eisenbahnatlas Deutschland.
  • Auf Detailebene liegen außerdem noch die Lagepläne größerer Bahnhöfe als PDF vor.

Mit gutem Kartenmaterial ist es möglich, die Fahrt ganz bewusst nach landschaftlichen Merkmalen zu planen. Ein Beispiel dafür:

In Norddeutschland verläuft die Bahnstrecke Neumünster – Flensburg bei Rendburg auf einem langen, spektakulären Damm und geht dann in die Brückenkonstruktion der Rendsburger Hochbrücke über, die in etwa 50 m Höhe über den Nord-Ostsee-Kanal verläuft.

Diese Kartendarstellung kann neugierig machen, und wie die Realität aussieht, zeigt dann das entsprechende Foto.

In geeigneten Karten sind weitere interessante Bahnstrecken gut erkennbar:

  • Die Kursbuchstrecke 840 führt durch Frankenwald, Thüringer Wald und Saaletal, und nördlich verläuft die Strecke 570 durch den Thüringer Wald, parallel dazu die Hochgeschwindigkeitsstrecke 820.
  • Es gibt eine Bahnstrecke zum Schliersee in Oberbayern, auch der Tegernsee ist mit dem Zug gut von München aus erreichbar.
  • Den Bodensee entlang verlaufen mehrere Bahnstrecken, und zumeist am Ufer oder in Ufernähe. Nur in der Gegend um Meersburg herum gibt es keinen Bahnanschluss.
  • Es gibt zwei Bahnstrecken durch das UNESCO Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“. Wer auf der linken Rheinstrecke (Kursbuchstrecke 471) von Mainz nach Koblenz fährt, sollte auf der rechten Seite in Fahrtrichtung sitzen. Und auf der linken Seite, wer rechtsrheinisch von Wiesbaden nach Koblenz unterwegs ist (Kursbuchstrecke 466).
  • Auf der Kursbuchstrecke 690 können Sie eine schöne Bahnfahrt entlang der Mosel machen. Ab Koblenz Richtung Trier haben Sie bis Cochem auf der linken Seite in Fahrtrichtung eine gute Aussicht, danach auf der rechten Seite und ab Bullay wieder auf der linken Seite.
  • Eine Strecke mit schönem Blick auf die Alpen bietet unter anderem die Außerfern-Bahn (Kursbuchstrecke 973), die direkt unterhalb der Zugspitze verläuft. Von dieser Strecke aus zweigt dann auch die Zugspitzbahn ab.

Auch Pendlerinnen und Pendlern kann der Blick auf eine gute Karte neue Perspektiven eröffnen, insbesondere dort, wo mehrere Bahnlinien verlaufen. Sollte die bisher genutzte Strecke unzuverlässig sein oder chronisch überfüllt, gibt es vielleicht eine andere Strecke, eine andere Linie, einen anderen Bahnhof, die – vielleicht mit einmal Umsteigen oder etwas langsamer – unterm Strich besser geeignet sind als das Gewohnte. Möglicherweise finden Sie auch durch den Blick auf einen Lageplan heraus, dass ein großer Bahnhof mehrere Zugänge hat, von denen einer für Ihre Zwecke (z. B. verkehrsarme Anfahrt mit dem Fahrrad) gut geeignet ist.

Anmerkungen

[i]         Die App „DB Bahnhof live“ kann gute Dienste leisten: Kurzlink-URL https://t1p.de/ooph+ (Stand 21.3.2024).

[ii]        Kurzlink-URL https://t1p.de/osuu+ (Stand 21.3.2024).

[iii]        Liniendarstellungen beispielsweise von Keolis, alex (Länderbahn); Erfurter Bahn oder Go Ahead.

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