Liniennetzplan Regionalverkehr Baden-Württemberg

Das Land Baden-Württemberg ist mit seinem Nahverkehrs-Liniennetzplan neue Wege gegangen und hat die Grafik völlig überarbeitet und modernisiert.

Die Darstellung ist weniger schematisch und etwas mehr topografisch als der Plan von Mecklenburg-Vorpommern. Er bildet ebenfalls die Linien und Bahnhöfe ab, verzichtet auf die Darstellung der Landkreisgrenzen und auf Aussagen zur Barrierefreiheit.

Sie können aber weitere Informationen aus der Karte ablesen, die ggf. für Sie interessant sind:

  • Auf den ersten Blick erkennen Sie, wo in Baden-Württemberg in Bezug auf die Bahn die Zentren liegen:
    – In Stuttgart kommen 18 Linien zusammen, ergänzt um 7 S-Bahnlinien.
    – Um Karlsruhe herum ist ein dichtes Netz an Bahnlinien und – noch viel mehr – Bahnhöfen vorhanden. Hier fährt die Zweisystem-Stadtbahn.
    – Insgesamt erscheint der Norden und die Mitte des Bundeslandes deutlich besser erschlossen zu sein als der Süden. Der Grund dafür ist aus der Karte nicht ablesbar, den können Sie sich nur mit Blick auf andere Karten erschließen: im Süden liegen Schwarzwald bzw. Schwäbische Alb. Hier ist die Siedlungsdichte deutlich geringer und die Anforderungen an den Bahnbau sind wegen der Mittelgebirgssituation sehr groß.
  • Es gibt etliche Linien bzw. Strecken mit Museumszugbetrieb oder nur Einzelfahrten im Freizeitverkehr.
  • Es sind ergänzende Regiobuslinien eingezeichnet, die – vom Land bezahlte – Verbindungen mit hohen Qualitätsstandards zwischen Orten schaffen, wo es ein Mobilitätsbedürfnis gibt. Teils folgen diese Linien heute stillgelegten Eisenbahnstrecken, wie z.B. Schiltach – Schramberg (- Rottweil). Oder zwischen Calw und Weil der Stadt, wo die Reaktivierung der parallelen Bahnstrecke aktuell vorbereitet wird.

Im südlichen Schwarzwald (links unten in der Karte, im Südwesten also) sehen Sie nur wenige Bahnstrecken, die kaum eine echte Netzwirkung entfalten: Die Bahnstrecken stehen lediglich aus der Perspektive eines ganz großen Maßstabs miteinander in Verbindung, stattdessen gibt es etliche Stichstrecken. Wer beispielsweise mit dem Zug von Seebrugg nach Waldshut will, das lediglich 28 Straßenkilometer entfernt liegt, hat auf der Schiene über Freiburg und Basel Bad Bf etwa 180 km vor sich, muss zwei- bis dreimal umsteigen und ist gut drei Stunden unterwegs.[i]

Der Grund ist hauptsächlich in der Topografie und in der Besiedlung zu suchen – der südliche Schwarzwald besaß auch zu Zeiten des maximalen Netzausbaus aufgrund seiner Berge und wenigen Bewohner nie ein engmaschiges Bahnnetz.[ii] Zwar kann man sagen, dass die größten Städte und Siedlungsschwerpunkte in dieser Region an die Bahn angebunden sind, aber vor dem Hintergrund, dass der Tourismus im Südschwarzwald eine große Rolle spielt, wird mit Blick auf diese Karte deutlich, dass die Erschließung mit der Eisenbahn heutzutage unzureichend ist.

 

Anmerkungen

[i]         Es gibt allerdings alternativ eine gute Busverbindung, die diese Strecke in ca. 75 Minuten bewältigt. Nicht besonders schnell im Vergleich zum Auto, aber doch flotter als der riesige Umweg mit dem Zug.

[ii]        Das ist allerdings nur ein vordergründiges Argument. In Wirklichkeit sind es politische Entscheidungen, die eine stärkere Erschließung mit der Bahn ermöglichen oder verhindern. Wenn man das Eisenbahnnetz des südlichen Schwarzwalds dem hinsichtlich Relief, Ausdehnung und Siedlungsdichte vergleichbaren Schweizer Jura gegenüberstellt, wird deutlich, wie unterschiedlich sich verkehrspolitische Schwerpunktsetzungen auswirken. Im Schweizer Jura führen südwestlich von Delémont ungefähr ein Dutzend Eisenbahnstrecken mitten durch die Berge.

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