Infrastruktur

Damit ein Zug überhaupt fahren kann, ist Infrastruktur nötig[i]: Das Schienennetz, die Bahnhöfe und die Signalanlagen.[ii] Betreiber der Infrastruktur sind in Deutschland die sogenannten „Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen“.[iii] Davon gibt es zahlreiche, aber die mit Abstand größten sind seit dem 1. Januar 2024 die DB InfraGO AG (früher: DB Netz AG, Eigentümer und zuständig u. a. für den größten Teil des Schienennetzes und die Signalanlagen in Deutschland; und DB Station & Service AG, zuständig für die meisten Bahnhöfe). Diese Aktiengesellschaft ist zu 100 % in Besitz des Bundes und gehört zum Deutsche Bahn-Konzern (DB).

Bahninfrastruktur, insbesondere die Gleisanlagen, ist extrem langlebig und robust: Der Gesetzgeber billigt Bahndämmen, Brücken und Tunneln beispielsweise 75 Jahre Lebensdauer zu und den Metallschienen und Bahnsteigen immerhin noch 25 Jahre.[iv]

Was bei der Bahn einmal gebaut wurde, das bleibt in aller Regel für Generationen erhalten und wird in dieser Zeit lediglich instand gehalten. Grundlegende Änderungen von Lage, Funktion und Beschaffenheit der Gleise werden entweder nicht durchgeführt oder haben einen oft jahre-, wenn nicht jahrzehntelangen Vorlauf. Diese sind an Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren gebunden und als Investitionsvorhaben entsprechend zeitintensiv und kostspielig.

So haltbar die Bauwerke und Materialien auch sind, so aufwendig ist deren Bau. Sie müssen enormen Belastungen standhalten, denn Züge fahren je nach Strecke wesentlich schneller als Autos (in Deutschland bis zu 300 km/h) und sind um ein Vielfaches schwerer: Güterzüge bringen in Deutschland im Schnitt über 1100 Tonnen auf die Waage, maximal im Regelbetrieb rund 6.000 Tonnen, und international gar im Rahmen eines Rekordversuchs knapp 100.000 Tonnen.

Wenn sich also herausstellt, dass eine neue Eisenbahnstrecke oder ein zusätzlicher Bahnhof nötig ist, dann erweist sich die bestehende Struktur als außerordentlich träge. Beispielsweise dauerte es über 20 Jahre, bis die Neubaustrecke Hannover–Würzburg geplant und gebaut war. Bei der Neu- und Ausbaustrecke Erfurt–Nürnberg liegen gar weit über 30 Jahre zwischen Planungsbeginn bis zur weitgehenden Fertigstellung – bis zur endgültigen Fertigstellung wird es noch etliche Jahre dauern. Auch vermeintlich kleinere Maßnahmen wie die Bahnanbindung des Münchener Flughafens aus Richtung Norden und Osten können 10 bis 20 Jahre dauern.[v]

Da der politische Meinungsbildungsprozess, die Planung und Finanzierung und die spätere Umsetzung so lange dauern, gibt es oft genug einen Unterschied zwischen den Anforderungen und der Realität.

 

Anmerkungen

[i]         Klodt, Henning: Infrastruktur. In: Gabler Wirtschaftslexikon.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/1m9u+ (Stand: 17.2.2024).

[ii]        Auch Tunnel, Brücken, Werkstätten und die Anlagen der Energieversorgung gehören zur Infrastruktur.

[iii]        Dieses Wort wird eigentlich „Eisenbahninfrastrukturunternehmen“ geschrieben und mit „EIU“ abgekürzt. Zur besseren Lesbarkeit wird hier „Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen“ verwendet.

[iv]        Bundesministerium der Finanzen (Hrsg.): AfA-Tabelle für den Wirtschaftszweig „Personen- und Güterbeförderung (im Straßen- und Schienenverkehr)“. Berlin 1998. Kurzlink-URL: https://t1p.de/d0ef+. (Stand: 17.2.2024).

[v]         Seite „Erdinger Ringschluss“. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/daex+. (Stand: 17.2.2024).

Auch die Reste aufgegebener Eisenbahninfrastruktur, hier aufgrund Zerstörung im 2. Weltkrieg, überdauern Jahrzehnte, und sind überall in Deutschland mehr oder minder offensichtlich erkennbar. Im Bild: der Rest der „Brücke von Remagen“, Inbetriebnahme 1918, Zerstörung 1945, Foto von 2019.

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