Bahnhöfe

Bahnhöfe haben eine ähnliche Funktion wie Flughäfen für den Flugverkehr und Hafenanlagen für Schiffe. Beim Autoverkehr hingegen gibt es nichts Vergleichbares.

Nur in Bahnhöfen ist es möglich – von seltenen Ausnahmesituationen abgesehen –, in den Zug einzusteigen oder ihn zu verlassen. Es gibt eine bahnbetriebliche Unterscheidung zwischen Bahnhof, Haltepunkt und Haltestelle, die jedoch hier keine Rolle spielt. Hier wird immer nur der auch umgangssprachlich gebräuchlichsten Begriff „Bahnhof“ verwendet.[i]

Bahnhöfe sind also die Zugangsstellen zum Bahnsystem. In Deutschland ist die Bahn ein offenes System: Jeder Mensch kann jeden Bahnhof auch ohne Fahrkarte betreten, es gibt keine Kontrollen oder Zugangshindernisse wie Sperren oder Drehkreuze.[ii]

Das Wichtigste ist natürlich, dass Bahnhöfe überhaupt vorhanden sind. Das klingt banal, ist allerdings nicht selbstverständlich. Denn wie beim Netz fand auch bei den Bahnhöfen ein massiver Abbau statt. Beispielsweise wurden in den 13 Jahren zwischen 1957 und 1970 insgesamt 863 Bahnhöfe stillgelegt.[iii] 1970 verfügte die Deutsche Bundesbahn im damaligen Westdeutschland noch über 7.088 Bahnhöfe, 2022 waren noch 5.699 Bahnhöfe, davon 5.401 in Besitz von DB InfraGO AG, allerdings auf das weit größere Gebiet der heutigen Bundesrepublik bezogen.[iv]

Allerdings scheint bei den Bahnhöfen ein Umdenken stattzufinden. Die Zahl der Bahnhöfe bleibt seit 20 Jahren auf einem ähnlichen Niveau. Es werden durchaus weiterhin Bahnhöfe stillgelegt, allerdings auch neue gebaut, die in der Regel an geeigneteren Standorten liegen. Ungünstige Standorte werden teilweise korrigiert, indem Bahnhöfe verlegt (Beispiel: Hatzenport), zusätzlich gebaut (Beispiel: Koblenz Stadtmitte) oder geschlossen (Beispiel: Mühltal bei Starnberg) werden.

Hinzu kommt, dass viele Bahnhöfe durch in der Regel staatlich geförderte Ausbauprogramme inzwischen mehr und bessere Zugänge erhalten haben[v]. Oftmals werden dann auch die Unterführungen von Bahnhöfen auf die andere Seite verlängert, sodass ein Durchgang entsteht, der Stadtteile miteinander verbindet (Beispiele: die Bahnhöfe von Sinzig und Rosenheim). Viele Bahnhöfe werden auch zeitgleich barrierefrei ausgebaut, sodass alle Fahrgäste mühelos zum Bahnsteig und zum Zug gelangen können.

Anmerkungen

[i]         Definitionen in der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung § 4 (2, 8, 9), URL https://www.gesetze-im-internet.de/ebo/__4.html (Stand 20.2.2024).

[ii]        Es gibt allerdings in einigen Verkehrsverbünden die Regel, dass man nur mit gültiger Fahrkarte auf den Bahnsteig darf. Das wird in der Praxis jedoch kaum kontrolliert oder gar durchgesetzt. Im Ausland hingegen ist der Zugang zum Bahnsteig, ggf. auch zum ganzen Bahnhof, teils ähnlich strikt geregelt wie in Flughäfen.

[iii]        EK Special: Die DB 1970. S. 31.

[iv]        Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Daten & Fakten 2022. Berlin 2023, S. 28.

[v]         Beispielsweise das Bahnhofsprogramm Sachsen-Anhalt
(URL: https://bahnhofsprogramm.de/stationen/), die Modernisierungsoffensiven (MOF 1-3) für Bahnhöfe im Rheinland (URL: https://www.1von150.de/) oder die Rahmenvereinbarungen für Bahnhofsmodernisierungen in Schleswig-Holstein (alle Stand 23.2.2024).

Menschen und Züge im Bahnhof: Hier findet der Zugang zum System Bahn statt.

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