Barrierefreiheit

Barrierefrei ausgebaute Bahnhöfe, bei denen die Bahnsteige stufenlos erreichbar sind und die Züge die dem Bahnsteig entsprechende Einstiegshöhe besitzen, kommen jeder Nutzergruppe zugute. Sie sind für Menschen mit Gepäck, mit Kinderwagen, mit Rollstuhl, mit Fahrrad und ältere mobilitätseingeschränkte Menschen unentbehrlich.

Grundsätzlich versucht man heute, alle Bahnhöfe so zu bauen oder umzubauen, dass jeder Mensch ohne Stufen und ohne Hilfe anderer sowohl den Bahnsteig erreichen, umsteigen, als auch in den Zug gelangen und wieder aussteigen kann.[i]

Dies ist ein jahre- teils sogar jahrzehntelanger Prozess für jede Strecke und für jeden Bahnhof. Denn wie bereits geschildert, baut man die Infrastruktur für sehr lange Nutzungszeiträume. Dazu muss vor dem Bau klar sein, welche Zugtypen eingesetzt werden, ob zusätzlich Güterverkehr stattfindet, ob schnelle Züge am Bahnsteig durchfahren und wie viele Fahrgäste zu erwarten sind. Denn davon hängt beispielsweise ab, wie hoch die Bahnsteige gebaut werden, welche Bahnsteigbreiten erforderlich sind und wie die Zugänge und Aufzüge dimensioniert werden.

In der Praxis sieht es so aus, dass die Bahnhöfe nach und nach im Rahmen jahrzehntelanger Ausbauprogramme mittels aufwendiger Bauten wie Aufzügen, Unterführungen und Rampen sowie passenden Bahnsteighöhen besser erreichbar gemacht werden. So ist die Bahnhofsmodernisierungsinitiative Baden-Württemberg beispielsweise 430 Millionen Euro für schwer – mit diesem Geld werden ab 2023 51 Bahnhöfe modernisiert.[ii]

2022 wurden bahnweit etwa 1,8 Mrd. Euro investiert, um rund 800 Bahnhöfe neu zu bauen oder zu modernisieren.

Bedingt durch derartige Programme gibt es Strecken, die komplett barrierefrei nutzbar sind: Oft sind S-Bahnsysteme und eingleisige Nebenstrecken mit modernem Bedienungskonzept nach Ausschreibungen gut erschlossen. Auch die großen Hauptbahnhöfe und viele weitere Knotenbahnhöfe sind in der Regel sehr gut nutzbar.

Doch es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass eine immer noch zu große Zahl von Bahnhöfen nicht oder nur teilweise barrierefrei gestaltet sind – beispielsweise waren 2021 zwar 81 % der Bahnhöfe stufenfrei erreichbar, aber nur 63 % der Bahnhöfe hatten eine Bahnsteighöhe von 55 cm oder mehr (und waren somit eher barrierefrei). Eine taktile Wegeleitung zum Bahnsteig gab es an 51 % der Bahnhöfe. Immerhin waren Treppenstufen in 92 % aller Bahnsteige kontrastreich markiert, und es sind in allen Bereichen eindeutig Fortschritte im Laufe der Jahre erkennbar.

Anmerkungen

[i]         Dies ist auch gesetzlich im Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz – BGG) geregelt: Kurzlink-URL https://t1p.de/jxkm (Stand 26.2.2024).

[ii]        Stationsanzeiger, Ausgabe 40 vom Dezember 2023 (Stand 26.2.2024).

Einige Aspekte eines barrierefreien Zugangs zum Bahnsystem:
– Taktiler Blindenleitstreifen
– Kontrastreiche Eingangstüren mit genügend Breite auch für Rollstuhlfahrer, Fahrgäste mit Gepäck und Kinderwägen
– Bahnsteig und Einstiegsbereich befinden sich auf der gleichen Höhe
– Der Spalt zwischen Bahnsteig und Fahrzeug wird durch ein Trittbrett überbrückt.

 

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