Merkmale verschiedener Bahnhofstypen

Es gibt etliche unterschiedliche Bahnhofstypen, deren Merkmale sich auf bahnbetriebliche, funktionale und architektonische Aspekte beziehen.

Hauptbahnhöfe liegen nicht immer, aber oft im Zentrum großer Städte. Markantes Kennzeichen: Es sind meistens riesige Bauwerke mit einer großen Bahnhofshalle und in der Regel auch sehr großen Bahnhofsgebäuden. Der Hauptbahnhof von Leipzig hat als einer der weltweit größten beispielsweise eine Breite von 298 Metern, die Grundfläche des Gebäudes beträgt über 80.000 m2.[i]

Viele Hauptbahnhöfe sind sehr belebt, oft passieren dort viele Zehntausend, manchmal gar mehrere Hunderttausend Menschen täglich. Sie dienen nicht nur dem Bahnverkehr, man findet dort auch Hotels, zahlreiche Läden, Autovermietungen und ein umfangreiches gastronomisches Angebot. Manchmal liegt ein Fernbusbahnhof in der Nähe oder eine Einsatzstelle der Polizei ist integriert, es gibt U-Bahnanschluss und vielleicht auch Straßenbahngleise auf dem Vorplatz. Sie finden dort Bahnservicepersonal und Fahrkartenschalter, hören sehr viele Lautsprecherdurchsagen und sehen große Anzeigetafeln für die zahlreich ankommenden und abfahrenden Züge. S-Bahnen, Nahverkehrszüge und Fernverkehrszüge fahren oft auf verschiedenen Gleisen ab, d. h. auf einem S-Bahngleis wird in der Regel kein Fernverkehrszug abfahren. Die Abkürzung für einen Hauptbahnhof ist „Hbf“ oder „HBF“. Mit dieser Abkürzung kommen Sie im Bahnbereich sehr häufig in Berührung.

Es gibt auch große Bahnhöfe wie Köln Messe/Deutz, Kassel-Wilhelmshöhe, Berlin Ostbahnhof oder Hamburg-Altona, die die Größe und Funktion von Hauptbahnhöfen haben, jedoch offiziell keine sind. Und umgekehrt gibt es Hauptbahnhöfe, die erstaunlich klein sind: Pirmasens Hbf, Bad Friedrichshall Hbf, Sonneberg (Thüringen) Hbf oder Sinsheim (Elsenz) Hbf.

Kopfbahnhöfe, auch Sackbahnhöfe genannt: Die Gleise enden dort. Alle Züge, die dort ankommen, müssen für ihre Weiterfahrt die Fahrtrichtung ändern. Der Vorteil dieser Bahnhöfe für die Reisenden liegt auf der Hand: Sie brauchen keine Stufen zu gehen, weil alle Bahnsteige am Ende miteinander durch den sogenannten Querbahnsteig verbunden sind. Nachteil: Die Wege können sich, wenn Sie umsteigen und sich im hinteren Teil des einfahrenden Zuges befinden, spürbar verlängern. Die größten Kopfbahnhöfe sind Frankfurt (Main) Hbf, München Hbf, Leipzig Hbf und Stuttgart Hbf.

In diesen Kopfbahnhöfen gibt es aber auch zusätzlich noch durchgehende S-Bahngleise, die im Tunnel unter dem Bahnhof verlegt sind und nicht zum Kopfbahnhof zählen. Es gibt zahlreiche weitere Kopfbahnhöfe, z. B. Lindau Hbf, Oberstdorf, Wiesbaden Hbf, Kassel Hbf, Hamburg-Altona oder Kiel Hbf. Im weitesten Sinne könnte man auch alle Bahnhöfe am Ende von Stichstrecken als Kopfbahnhöfe bezeichnen, beispielsweise Westerland, Travemünde Strand, Heimbach, Bayrischzell, Wolfratshausen, Bad Kissingen oder Ostseebad Binz, wenn dort die Gleise enden. Aber auch dort, wo Züge eine sogenannte Spitzkehre[ii] durchführen wie in Lauscha, Schliersee, Ernstthal am Rennsteig oder Bad Kissingen, handelt es sich um Kopfbahnhöfe.

In Kopfbahnhöfen beginnen und enden viele Züge. Falls nicht, so ist in der Regel ein längerer Aufenthalt von etwa 5 bis 10 Minuten Dauer eingeplant, weil oft ein Personalwechsel stattfindet und am Zug verschiedene technische Routinen durchzuführen sind.

Mehrere Bahnhofsteile: In etlichen Fällen besteht ein Bahnhof aus mehreren Teilen, die räumlich weiter auseinanderliegen, als man es zunächst erwarten würde. Dadurch erhöhen sich die Umsteigezeiten teils beträchtlich. In der Fahrplanauskunft wird so etwas zwar berücksichtigt, jedoch ist es gut, darauf gefasst zu sein. Hier einige Beispiele:

  • Die S-Bahnhöfe in München, Stuttgart, Frankfurt und Leipzig liegen unter dem eigentlichen Hauptbahnhof im Tunnel.
  • Am Frankfurter Flughafen gibt es einen Regional- und einen Fernbahnhof. Dazwischen liegen gut 15 Minuten Fußweg.
  • Der Berliner Hbf ist ein Turmbahnhof und umfasst gar fünf Stockwerke. 10–15 Minuten Umsteigezeit von ganz unten bis ganz oben zur S-Bahn sind auf jeden Fall einzukalkulieren. Turmbahnhöfe liegen dort, wo sich Eisenbahnstrecken im rechten Winkel zueinander kreuzen und die Gleisanlagen in verschiedenen Ebenen befinden. Weitere Beispiele: Köln Messe-Deutz, Berlin Ostkreuz, Sömmerda oder Falkenberg (Elster).
  • München Hbf besitzt zwei „Flügelbahnhöfe“ außerhalb der eigentlichen Bahnhofshalle. Zu den Gleisen 5–10 oder 29–36 haben Sie aus der Haupthalle gut fünf bis zehn Minuten zusätzlich zu gehen. Zwischen den beiden Flügelbahnhöfen sind Sie sogar fast fünfzehn Minuten zu Fuß unterwegs.
  • In manchen Bahnhöfen wurde in das Ende eines normalen Bahnsteigs ein Kopfgleis eingebaut. Diese Gleise liegen dann abseits der anderen Bahnsteige. Hier gilt es ebenfalls, einige Minuten Gehzeit zu berücksichtigen. Beispiele: Rosenheim Gleis 1, Koblenz Gleise 104, 105, 109, Ansbach Gleis 25, Frankfurt Hbf Gleis 24, Münster Gleis 11, Nürnberg Gleis 30. Der Grund dafür ist oft Platzmangel.

Knotenbahnhöfe: Hier enden, beginnen oder kreuzen sich mehrere Eisenbahnstrecken und/oder -linien. Diese haben verkehrlich eine wichtige Funktion mit großem Zugangebot und oft verschiedenen Zuggattungen und liegen häufig auch in einer Stadt mit überregionaler, zumindest aber regionaler Bedeutung. Sie verfügen meist über mehr als nur zwei Gleise, und für die jeweiligen Eisenbahnstrecken und ggf. auch Zuggattungen gibt es jeweils eigene oder zumindest fest definierte Gleise. Dadurch ist es möglich, Anschlüsse zu gewährleisten, Aufenthalte und Zugwenden einzulegen, Überholungen zu ermöglichen oder Züge neu zusammenzustellen oder bereitzustellen. Beispielsweise hat der Hauptbahnhof Bremen 9 Gleise und es laufen dort 6 Eisenbahnstrecken zusammen. In Leipzig gibt es hingegen 22 Gleise für 9 Bahnstrecken – Gleise für Güterzüge oder zu Werkstätten, zum Abstellen oder zum Rangieren noch nicht mit eingerechnet.

 

Anmerkungen

[i]         Seite „Hauptbahnhof, Willy-Brandt-Platz“.
URL: http://www.leipzig-info.net/Info/Hauptbahnhof.html (Stand 27.2.2024).

[ii]        Der Zug wechselt in diesen Spitzkehrenbahnhöfen die Fahrtrichtung. Diese Bahnhöfe wurden aus Gründen beengter Platzverhältnisse oder zum platz- und geldsparenden Überwinden von Höhenunterschieden so und nicht als Durchgangsbahnhöfe angelegt.

Frankfurt (Main) Hbf ist einer der ganz großen Kopfbahnhöfe in Deutschland. 270 Meter breit, 29 Gleise in zwei Ebenen, täglich eine halbe Million Reisende, 2.000 Zugfahrten.
Große Hauptbahnhöfe sind nicht nur tagtäglich der Begegnungsort Hunderter von Zügen und Zehntausender von Menschen, sie zeichnen sich oft auch – wie hier Köln Hbf – durch ihre einzigartige Architektur aus.
Der Bahnhof von Oberstdorf ist mit seinen 5 Gleisen ein Beispiel für einen kleineren Kopfbahnhof.
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