Netzleitzentralen

Neben den Stellwerken gibt es die Netzleitzentralen, in denen Funktionen wie die Netzkoordination, die Notfallleitstelle, die Bereichsdisposition, die Transportleitungen der Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen mit Personal- und Zugdisposition, aber auch die Energieversorgung gebündelt sein können.[i]

Hier werden Entscheidungen seitens der Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen getroffen, die überregionale Bedeutung haben können. Dazu ein Beispiel:

Angenommen, die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt wird wegen eines Schadens in einem Stellwerk für einige Stunden gesperrt. In diesem Fall müssen zahlreiche ICE-Züge über andere Strecken (z. B. durch das Rheintal) umgeleitet werden. Damit diese auf dem begrenzten Streckennetz überhaupt Platz finden, werden dann die dort regulär verkehrenden Güter- und Regionalzüge umgeleitet, zeitlich verschoben, an geeigneten Stellen überholt oder sie fallen ganz aus. Um das Optimum zu finden, d. h. minimale Ausfälle und möglichst geringe Verspätungen in Summe zu verursachen, dafür sind die oben genannten Funktionen in der Betriebszentrale da. Sie haben immer die gesamte Netzwirkung im Blick – deutschlandweit. Denn jeder ICE, der auf seiner langen Fahrt von Nord- nach Süddeutschland über die langsamere und deutlich längere Rheinstrecke umgeleitet wird und deswegen eine Verspätung von mindestens 60 Minuten bekommt, beeinflusst den Zugverkehr in weiten Teilen von Deutschland, direkt oder indirekt.

Mit den operativen überregionalen Funktionen der Betriebszentrale kommt man als Fahrgast nur indirekt in Berührung, aber die Auswirkungen der dort getroffenen Entscheidungen können im Einzelfall ebenso spürbar wie unverständlich sein. Wie soll man es als Fahrgast auch verstehen, dass ein Nahverkehrszug auf der Rheinstrecke Koblenz–Mainz ausfällt oder deutliche Verspätungen erhält, bloß weil die Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln–Frankfurt durch Westerwald und Taunus gesperrt ist? Aber da die wechselseitigen Abhängigkeiten im Bahnnetz sehr stark ausgeprägt und die Spielräume der Infrastruktur bei gleichzeitiger Erhöhung der Zugzahlen inzwischen sehr gering geworden sind, kommt es bei derartigen Situationen zu Entscheidungen mit den entsprechenden umfangreichen Folgen.

 

Anmerkung

[i]    Hintergründe dazu unter der Kurzlink-URL https://t1p.de/fz0t+
(Stand 29.2.2024).

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