Stellwerke

Hinter den einzelnen Lichtsignalen und Weichen gibt es eine zentrale Technik, und hier spielen die rund 3.500 Stellwerke[i] im Netz der Bahn die entscheidende Rolle. Sie können sich ein Stellwerk der Bahn ungefähr so vorstellen wie einen Tower im Flugverkehr: Von hier aus wird der Verkehr für einen genau definierten Bereich gesteuert. In den Stellwerken sorgen die Fahrdienstleiterinnen und -leiter in Kombination mit einer ausgefeilten Technik und einem umfangreichen Regelwerk dafür, dass der Bahnverkehr sicher und zügig ablaufen kann.

Die Stellwerke gibt es in verschiedenen Ausführungen. Da sie, wie jede Bahn-Infrastruktur, fast für die Ewigkeit gebaut worden sind, sichern auch heute noch zum Teil jahrzehntealte Stellwerke die Zugfahrten. Stellwerke wirken über einen bestimmten Bereich auf die Signale und Weichen ein. Je älter die Technik, desto geringer deren Reichweite und desto höher der mechanische Anteil.

Angefangen hat die Entwicklung vor mehr als 150 Jahren mit den mechanischen Stellwerken, von denen es immer noch mehrere Hundert Stück in Deutschland gibt: Dort muss das Bahnpersonal echte körperliche Arbeit verrichten, um Signale und Weichen mittels Hebel, Gegengewichten und Drahtzügen (Spannwerken) zu stellen. Später folgten elektromechanische Stellwerke, dann die Relaisstellwerke, mittlerweile sind elektronische Stellwerke verbreitet, und die Entwicklung geht hin zu komplett digitalen Stellwerken.[iii]

Je weiter die Entwicklung voranschreitet, desto mehr nimmt die Zentralisierung zu. Aber auch die Komplexität der Planung, der Software und der technischen Umsetzung. Das elektronische Stellwerk (im Eisenbahnerjargon „ESTW“ genannt) in München–Pasing beispielsweise ersetzte bei der Inbetriebnahme 2011 fünf ältere Stellwerke, deren ältestes ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden war. Mit dem neuen elektronischen Stellwerk bedienen die Fahrdienstleiter 415 Signale und 230 Weichen. Vom Planungsbeginn bis zur Inbetriebnahme vergingen rund 10 Jahre, das ganze Projekt kostete rund 130 Mio. Euro.[iv]

Ein weiteres Beispiel ist das elektronische Stellwerk Düsseldorf, das neun alte Stellwerke ersetzen wird und 330 Mio. Euro kosten soll.[v]

Stellwerke der älteren Generationen können Sie immer wieder entlang der Strecken erkennen. Sie sind architektonisch auffällig gebaut, liegen oft etwas außerhalb des Bahnhofsgebäudes an einer Stelle, wo das Personal den Gleisbereich des Bahnhofs gut per Augenschein überblicken kann. Neue ESTW-Bauwerke hingegen haben nicht unbedingt einen räumlichen Bezug zu den Gleisen und erst recht besteht kein direkter Sichtkontakt zwischen Fahrdienstleiter und den Gleisen und Zügen draußen.

 

Anmerkungen

[i]    Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Daten & Fakten 2022. Berlin 2023, Seite 27.

[iii]   Zum Thema Stellwerke gibt es viele Bücher, die teils sehr spezialisiert und auf Experten zugeschnitten sind. Andere sind gut bebildert und auch für Einsteiger anschaulich geschrieben. Empfehlenswert ist Erich Preuß: „So funktionieren Eisenbahn-Stellwerke“ (Stuttgart 2007). Auch zahlreiche Filme über Stellwerkstechnik und ihre Funktionsweise veranschaulichen, was hinter den Kulissen stattfindet. Beispiel: URL
https://www.youtube.com/watch?v=_PtoMB6eWoU (Stand 27.2.2024).

Auch unter http://www.stellwerke.de/ finden Sie zahlreiche Informationen zu Stellwerken (Stand 29.2.2024). Es gibt auch Stellwerk-Simulationsprogramme, siehe beispielsweise unter https://www.estw-simulator.de/.

[iv]   Pressemitteilung der Firma Wenzel vom 29.9.2011

[v]    „Düsseldorf: Neues Stellwerk kommt“, in: NahverkehrsNachrichten,
 Nr. 51-52/2018, S. 3.

Früher ein vertrautes Bild, heute Seltenheitswert: Aus einem mechanischen Stellwerk heraus werden mittels Hebel, Doppeldrahtzugleitungen und Außenspannwerken die Signale und Weichen gestellt.
Ein großes Stellwerk von außen: München Hbf.
Detail eines alten mechanischen Stellwerks in Blumberg-Zollhaus.
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