Die Vermarktung des Netzes

Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen verkaufen den Zugang zum Netz.[i] Konkret: Sie verkaufen Trassen an die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen (EVU).[ii] Eine Trasse ist ein verbindlich zugesagter Fahrplan für einen bestimmten Zug an einem bestimmten Tag.

Die Infrastruktur des Bahnnetzes ist allen Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen zugänglich. Hier gilt das Gebot der Diskriminierungsfreiheit: Die Bedingungen des Netzzugangs sind für alle Unternehmen identisch. Dies wird durch die Bundesnetzagentur überwacht. Sie finden im Internet die entsprechenden Informationen, beispielsweise den Trassenpreisrechner und die Kriterien für den Netzzugang.[iii]

Die Nutzung der Infrastruktur kostet das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen Geld: Es wird eine Art Maut nach dem Trassenpreissystem erhoben. Beispielsweise kostet ein Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Netz der DB InfraGO  im Nahverkehr 6,08 Euro (2024). Reine Überführungsfahrten ohne Fahrgäste sind billiger, diese kostet dort 3,48 Euro. Im Fernverkehr sind es 2024 je nach Geschwindigkeit der Züge bis zu 16,32 Euro/km.[iv] In der Realität ist das System natürlich wesentlich differenzierter. Sie können die genauen Parameter in den Trassenpreisrechner eingeben, um beispielsweise herauszufinden, dass eine einzige ICE-Fahrt von Hamburg nach München je nach Uhrzeit mehrere Tausend Euro allein an Nutzungsgebühren kostet – diese Kosten werden in die Fahrkarte eingepreist.

Das Ganze ist ein milliardenschweres Geschäft: 2022 wurden 1,16 Mrd. Zugkilometer gefahren, die insgesamt 6 Mrd. Euro an Trassenentgelten erbrachten.[v] Dieses System steht durchaus in der Kritik und wird immer neu angepasst, um insbesondere dem Vorwurf der Diskriminierung zu entgehen – d.h. der Gleichbehandlung aller Verkehrsunternehmen, die das Netz nutzen wollen.

Doch es gibt auch ganz grundsätzliche Kritik: Ist das Trassenpreissystem vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung mit dem Straßenverkehr überhaupt berechtigt? Verliert nicht der umweltfreundliche Schienenverkehr durch dieses fahrpreistreibende System grundsätzlich an Attraktivität?

Jedenfalls ist erkennbar, in welchen Preiskategorien man sich hier als Verkehrsunternehmen bewegt. Und Sie bekommen eine Ahnung, weshalb Zugfahren so kostenintensiv sein kann. Personal- und Abschreibungskosten kommen noch hinzu, ebenso die Kosten für die Bahnhofsnutzung und einige weitere Faktoren wie beispielsweise Reinigung oder Security.

 

Anmerkungen

[i]         Sie bieten noch wesentlich mehr an. Zum Beispiel die Anbindung an das Funknetz der Bahn, Versorgung mit Daten für die Disposition der Züge, statistische Auswertungen, Zugang zu Abstellanlagen und vieles mehr. Infos unter Kurzlink-URL https://t1p.de/quv4+ (Stand 20.2.2024).

[ii]        Die übliche Schreibweise „Eisenbahnverkehrsunternehmen“ (auch mit „EVU“ abgekürzt), wird hier zur besseren Lesbarkeit als „Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen“ ausgeschrieben. Es handelt sich um die Unternehmen, die die Verkehrsleistungen erbringen (also: die die Züge fahren) und diese den Fahrgästen anbieten.

[iii]        DB InfraGO AG stellt dazu einen Trassenfinder zur Verfügung. Das dahinterliegende Trassenpreissystem ist eine Wissenschaft für sich. Die Perspektive der Genehmigungsbehörde Bundesnetzagentur ist auf deren Webseite ausführlich dargelegt.

[iv]        Die genauen Daten finden Sie in der Liste der Entgelte.

[v]         Bundesnetzagentur (Hrsg.): Marktuntersuchung Eisenbahnen.
Bonn 2024, S. 70 und 80

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