Energieversorgung

Weiterhin fällt bei der Eisenbahn an vielen Strecken die besondere Art der Energieversorgung auf. In einer Zeit, wo das Wort Elektromobilität in aller Munde ist, hat die Eisenbahn einen jahrzehntelangen Vorsprung gegenüber dem Straßenverkehr.[i] 1895 wurde in Deutschland erstmals eine Eisenbahnstrecke elektrisch betrieben. Heute gibt es bei der Eisenbahn in Deutschland rund 62 % elektrifizierte Strecken, der Anteil soll bis 2030 auf 75 % steigen.[ii] Generell sind elektrifizierte Strecken leistungsfähiger, da die Fahrzeuge mit Elektromotor schneller beschleunigen können und höhere Geschwindigkeiten erreichen. Auch aus Umweltgründen wird in Deutschland die Elektrifizierung sukzessive vorangetrieben.[iii] Große Projekte sind beispielsweise die Elektrifizierung der Eifelstrecke Köln – Trier auf 164 km Streckenlänge, oder die Hochrheinstrecke auf 75 km.

Die Bahnstrom-Versorgung erfolgt in der Regel über Oberleitungen mit 15.000 Volt Wechselstrom.[vi] Nur bei den S-Bahnsystemen in Hamburg und Berlin gibt es Stromschienen an der Seite des Gleises, die Fahrzeuge fahren dort mit Gleichstrom – Berlin mit 750 Volt und Hamburg mit 1.200 Volt.[vii]

Elektrifizierte Strecken tragen die Hauptlast des Bahnverkehrs und sind vorwiegend in, um und zwischen Ballungsräumen und Großstädten zu finden: dort also, wo die Zugfrequenz hoch ist und auch schwere, schnelle Züge fahren. Auf dem nicht elektrifizierten Rest fahren dann in der Regel Züge mit Dieselantrieb. Dabei handelt es sich häufig um Nebenstrecken, die oft in dünn besiedelten Regionen verlaufen. Es gibt außerdem etliche Versuche mit Hybrid-, Batterie- und Wasserstoffantrieben, diese haben aktuell jedoch noch keine weite Verbreitung. In Niedersachsen und Hessen sind die Bemühungen, den Dieselantrieb durch umweltfreundlichere Antriebe abzulösen, am weitesten fortgeschritten. Dort sind einige Linien bereits vollständig auf Wasserstoffantrieb umgestellt worden bzw. die Umstellung läuft. Ziel ist es, die Umweltbilanz der Bahn weiter zu verbessern und die teuren Investitionen in Oberleitungen zu sparen. Geeignete Tankstellenstandorte vorausgesetzt, scheint die Brennstoffzellentechnik das Potenzial zu haben, die derzeit noch weitverbreiteten Dieselfahrzeuge abzulösen und völlig emissionslos einen großen Beitrag zur Luftreinhaltung zu leisten.

Die filigranen Oberleitungen sind anfällig gegenüber äußeren Einflüssen. Nicht allzu selten werden sie von Buntmetalldieben gestohlen, mal reißen Bäume die Leitungen durch Schneebruch oder Sturm nieder, auch sorgen metallbeschichtete Luftballons für Kurzschlüsse. In allen Fällen ist die Reparatur aufwendig und die Folgen sind immer stunden- bis tagelange Streckensperrungen.

 

Anmerkungen

[i]         Auch wenn es um 1900 bereits einen Anteil von fast 40 % an elektrisch betriebenen Autos gab, ist dieser anschließend bekanntlich fast auf Null zurückgegangen und erst jetzt scheint die Basis für Elektromobilität auf der Straße ernsthaft gelegt zu werden. Vgl. Seite „Elektroauto“. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. Kurzlink-URL: https://t1p.de/jksp+ (Stand 17.2.2024).

[iii]        Details zu den Projekten stehen auch im Bundesverkehrswegeplan (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 2019, URL: https://www.bvwp-projekte.de/map_railroad_2018.html (Stand 20.2.2024).

[vi]        Seite „DB Energie“. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. Kurzlink-URL https://t1p.de/5baz+ (Stand 17.2.2024).

[vii]       Seite „S-Bahn Berlin“. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/sqdo+ (Stand 17.2.2024).

[ix]        Roter Renner 141/19, S. 7.

Fahrdraht, Tragseile, Hänger, Stromverbinder, Isolatoren, Masten und Ausleger bilden eine Einheit, um elektrische Züge dauerhaft mit der nötigen Energie zu versorgen.
Detailaufnahme der elektrischen Leitungen
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