Erschließung durch das Gleisnetz

Das Streckennetz in Deutschland ist rund 39.000 km lang[i] und gehört zu 85 % der DB InfraGO AG, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG, und ist somit in Bundesbesitz. Viele kleinere Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen teilen sich den Rest.[ii]

Zum Vergleich: Deutschlands Straßennetz ist mit rund 830.000 km über 20-mal länger.[iii] Das war nicht immer so: Seit seinen Anfängen im Jahr 1835 mit der Strecke Fürth–Nürnberg ist das Eisenbahnstreckennetz rund 100 Jahre lang gewachsen und erreichte mit fast 60.000 km Länge seine größte Ausdehnung vor dem Ersten Weltkrieg.[iv] Die meisten Regionen in Deutschland waren durch die Eisenbahn gut erschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch begann der Aufschwung des Automobils und bei der Bahn fielen Gleise und Weichen der verkehrspolitischen Ausrichtung, konkret dem Kostendruck und der Rationalisierung zum Opfer.[v] Hunderte und Aberhunderte von Strecken wurden stillgelegt, überwiegend entwidmet und werden nun anderweitig genutzt.[vi] Es gab in dieser Zeit den politischen und von der Mehrheit der Bevölkerung getragenen oder zumindest in Kauf genommenen Willen, aus Deutschland ein autogerechtes Land zu machen. Das ist erfolgreich gelungen. Die negativen Folgen sind offenkundig und Deutschland benötigt eigentlich eine richtig starke, zuverlässige, robuste Bahn wie in der Schweiz oder in Japan, die großen gesellschaftlichen Rückhalt besitzt und die großen Probleme löst: kostengünstige und umweltfreundliche Mobilität für alle zu einem geringen gesellschaftlichen Preis.

Trotz der Bahnreform 1994 sind seither in Deutschland 512 Strecken mit einer Länge von 5.236 km stillgelegt worden.[vii] Auch wenn heute einzelne Reaktivierungen stattfinden und Neubaustrecken[viii] gebaut werden, so ist das Netz vom Umfang her gesehen heute auf einem Tiefstand angelangt. Es gleicht mehr einem Netz mit vielen Fransen und großen Löchern.[ix] Zwar leben 80 % der Bevölkerung Deutschlands in maximal 5 km Luftlinie zum nächsten Bahnhof,[x] doch insbesondere die dünn besiedelten ländlichen Regionen sind weitgehend vom Bahnverkehr abgehängt. Die Reste ehemaliger Bahnstrecken sehen Sie immer wieder in der Landschaft, sie sind heute häufig zu oftmals sehr attraktiven Radwegen umgebaut – über 600 Stück gibt es davon in Deutschland.[xi]

Trotz des deutlichen Rückgangs des Netzumfangs sind alle deutschen Großstädte und alle Ballungsräume gut auf der Schiene zu erreichen. Auch viele touristische Regionen besitzen Bahnanschluss, obwohl das Netz hier schon deutliche Lücken zeigt. Im internationalen Vergleich ist Deutschland dennoch recht gut aufgestellt – es verfügt über eines der weltgrößten Streckennetze, sowohl von der absoluten Länge her betrachtet als auch bezogen auf die Streckenlänge pro Quadratkilometer. Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass das Netz deutlich auszubauen wäre, um die Erschließung bedarfsgerecht zu verbessern und die erforderliche Flexibilität sicherzustellen.

Die stärkste Belastung erfährt das Netz in und zwischen Ballungsräumen. Es gibt dort viele Strecken, auf denen fast kein zusätzlicher Zug mehr unterzubringen ist. Dort muss wirklich jeder Zug auf die Minute pünktlich sein, da er ansonsten einen oder mehrere andere Züge unpünktlich macht.

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Bahnstrecken zwischen den Ballungsräumen und Großstädten zweigleisig ausgebaut, elektrifiziert und ermöglichen auch akzeptable hohe Geschwindigkeiten, die mit dem Auto gut mithalten können und im Falle der Hochgeschwindigkeitsstrecken sogar konkurrenzlos schnell sind. Auf einigen Strecken lohnt sich es auch gar nicht mehr, ins Flugzeug zu steigen, da die Bahnverbindung unschlagbar ist.

 

Anmerkungen

[i]         Datengrundlage: Bundesnetzagentur, abgerufen am 21.2.2024. Die bereits erwähnten 61.000 km Länge beziehen sich auf die Gleise – da werden zweigleisige Strecken entsprechend doppelt eingerechnet.

[ii]        Seite „Eisenbahninfrastrukturunternehmen“. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. Kurzlink-URL https://t1p.de/xjkr+, Stand: 17.2.2024.

[iii]        Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Artikel „Infrastruktur“ (Stand 21.2.2024).

[iv]        Seite „Geschichte der Eisenbahn in Deutschland“. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. Kurzlink-URL: https://t1p.de/wo17+ (Stand 17.2.2024). Die Daten sind vergleichbar, d. h. die wechselnde Größe von Deutschland ist berücksichtigt.

[v]         Dass zahlreiche Bahnstrecken im Kriege zerstört worden sind oder als Reparationsleistungen abgebaut wurden, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

[vi]        Listen stillgelegter Eisenbahnstrecken im Internet nach Bundesländern, sortiert unter der Kurzlink-URL https://t1p.de/0rfm+ (Stand 17.2.2024).

[vii]       Eisenbahn-Bundesamt (Hrsg.): Liste der stillgelegten Eisenbahnstrecken in Deutschland (Stand 17.2.2024).

[viii]       Die Konzeption von Neubau- und Ausbaustrecken folgt in Deutschland dem Bundesverkehrswegeplan. URL: http://www.bvwp-projekte.de/map_railroad.html
(Stand 20.2.2024).

[ix]        Die umfassenden Veränderungen im bayerischen Streckennetz:
URL http://bahnrelikte.net/downloads/bayern_entwicklung_uebersicht.pdf (Stand 20.2.2024).

[x]         Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.): Verkehrsbild Deutschland | Angebotsqualität im Öffentlichen Verkehr. Bonn 2018, S. 11.

[xi]        Seite „Bahntrassenradeln“.
URL: http://bahntrassenradeln.de/bahn__zwischen.htm (Stand 30.9.2024).

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