Berufsbilder

Die Berufsbilder bei der Bahn sind, wie bereits erwähnt, sehr vielfältig und etliche davon sehr speziell – alles andere als Standard. Einige davon lernen Sie nun etwas genauer kennen. Praktisch alle Berufe sind in einem Wandel begriffen, der mit Rationalisierung, Automatisierung und Digitalisierung zu tun hat. Dadurch ändern sich die Arbeitsinhalte teilweise deutlich. Und was sich ebenfalls geändert hat, sind die vielen Berufsbezeichnungen. Der früher standardmäßig genutzte Begriff Schaffner/Schaffnerin ist sicher allgemein geläufig, doch Bezeichnungen wie Kundenbetreuerin/Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN), Zugführerin/Zugführer, Zugbetreuerin/Zugbetreuer, Zugchefin/Zugchef, Servicemitarbeiter/Servicemitarbeiterin im Nahverkehr, Kundenbetreuer/Kundenbetreuerin im Zug oder Fahrgastbetreuer/Fahrgastbetreuerin haben diesen im offiziellen Sprachgebrauch abgelöst.

Deren Aufgaben liegen im weitesten Sinne im Kundendienst (z. B. Informationen geben, Fahrausweise kontrollieren, Unterstützung der Reisenden, Ausübung des Hausrechts). Diese haben teils aber auch betriebliche Aufgaben (und dann auch eine andere Bezeichnung), insbesondere haben sie die Zugaufsicht und stellen die Abfahrbereitschaft des Zuges her. Sie gehören immer zum Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen.

Was aus Sicht des Fahrgastes jedoch gleichgeblieben ist, ist der Beruf Lokführer/Lokführerin. Das Fahrpersonal gehört üblicherweise zum Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und ist nach wie vor dafür verantwortlich, den Zug zu fahren. Es gibt weiterhin und auf lange Zeit absehbar keinen Zug ohne Lokführerin oder Lokführer, auch wenn der Zugbetrieb theoretisch sehr gut automatisierbar wäre.

Die Arbeitsinhalte der Lokführerinnen und Lokführer haben sich mit Veränderung der Antriebstechnik, der Leit- und Sicherungstechnik, den steigenden Höchstgeschwindigkeiten, dem verbreiteten Einsatz von Triebzügen und der zunehmenden Arbeitsteilung deutlich gewandelt, ebenso wie die Ausbildungsmethodik. Heute findet beispielsweise ein Teil der Ausbildung auf dem Zugsimulator[i] statt, die theoretischen Inhalte werden teils mittels webbasierten Trainings vermittelt.

Manchmal kommen Sie als Fahrgast mit dem Prüfdienst in Kontakt, wenn Züge nicht ständig von Kundenbetreuern und -betreuerinnen begleitet werden. Prüfdienstmitarbeiterinnen und -mitarbeiter kontrollieren Zug für Zug, ob alle Fahrgäste die richtigen Fahrausweise dabeihaben. Sie haben zwar auch Serviceaufgaben, doch deren Hauptaufgabe ist das Prüfen. Gelegentlich gehört der Prüfdienst nicht zum Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen, sondern externe Firmen übernehmen diese Aufgabe. Manchmal werden auch Sicherheitskräfte in diesem Bereich eingesetzt. Hintergrund ihrer Tätigkeit ist die Einnahmensicherung, ohne die ein Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen mit einem Nettovertrag nicht existieren könnte.

Sicherheitskräfte von DB Sicherheit GmbH sind im Auftrag von Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen in den DB-Zügen in Einsatz, ferner in Abstellanlagen. Ein großer Schwerpunkt sind die Bahnhöfe des Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmens DB InfraGO AG. Sie haben die Aufgaben eines Werksschutzes, setzen die Hausordnung durch und arbeiten eng mit der Bundespolizei zusammen. Neben dem Schaffen von Sicherheit arbeiten die Sicherheitskräfte manchmal in der Objektbewachung (z. B. in der Graffiti- und Vandalismusvorbeugung) oder bei der Reisendenlenkung und -information bei großen Schienenersatzverkehren. DB Sicherheit erstellt auch Sicherheitskonzepte bei Großveranstaltungen oder bei Fahrten und Besuchen prominenter Gäste. DB Sicherheit betreibt mehrere Lage- und Einsatzzentralen in Deutschland und es gibt eine intensive Zusammenarbeit mit den 3 S-Zentralen der Bahnhöfe (Service, Sicherheit und Sauberkeit, siehe auch Kapitel „Verhalten bei Gefahr im Bahnhof“).

Die Bundespolizei gehört zwar organisatorisch nicht zur Bahn, doch sie tritt im Bahnumfeld immer wieder prominent in Erscheinung und hat einen klaren Aufgabenschwerpunkt bei der Eisenbahn, die sich im Bundesbesitz befindet.

Sie besitzt im Bereich der Security teils vergleichbare Aufgaben wie DB Sicherheit, hat jedoch deutlich umfangreichere, hoheitliche Befugnisse. Mit der Deutschen Bahn besteht eine Ordnungspartnerschaft und es gibt dadurch eine klar geregelte, enge Zusammenarbeit. (Die Landespolizei hingegen ist für den Bereich der bundeseigenen Eisenbahnen nicht zuständig.) Die Bundespolizei sichert beispielsweise Großveranstaltungen und deren Besucherströme ab, ist in der Prävention tätig und sorgt für die Einhaltung der Regeln und Gesetze im Bahnumfeld. Sie erarbeitet mit der Bahn zusammen Strategien zur Steigerung der Sicherheit und ist natürlich auch im Rahmen von Ermittlungen tätig – beispielsweise bei Unfällen, Diebstählen oder Sachbeschädigungen.

Reinigungskräfte werden Ihnen im Bahnumfeld immer wieder begegnen. Manche davon sind auch während der Fahrt unterwegs und sorgen dort für geleerte Abfalleimer und ein sauberes Umfeld, andere finden Sie hauptsächlich in den Bahnhöfen. Die meisten Reinigungskräfte können sie jedoch nicht sehen: Diese arbeiten im Hintergrund in den Abstellanlagen und Werkstätten und sind dann aktiv, wenn die Züge (nachts) abgestellt sind. Die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen kaufen diese Leistungen in der Regel ein und beschäftigen keine eigenen Mitarbeiter. Bei der DB übernimmt häufig die Tochterfirma DB Services GmbH die Aufgabe des Facility Managements.

Das technische Facility Management übernehmen Technikerinnen und Techniker von DB Services in den Bahnhöfen, wenn es beispielsweise um die Wartung von Rolltreppen und Aufzügen geht.

In den großen Hauptbahnhöfen werden Sie Servicemitarbeiterinnen und – mitarbeiter finden, die den Fahrgästen an zentraler Stelle (DB Information) persönliche Auskünfte geben. Diese Informationen beziehen sich auf Reiseverbindungen, Gleise und Verspätungen; ferner kümmert sich dieses Personal um die Umsetzung der Fahrgastrechte: Sie bescheinigen Verspätungen und geben Gutscheine aus oder heben Zugbindungen auf. Sie sind auch für Carsharing, Call a Bike und für touristische Informationen zuständig.

Weitere Servicemitarbeiterinnen und -mitarbeiter arbeiten direkt in Kontakt mit den Kunden, die telefonisch, per Mail oder Brief sich wegen Auskünften oder Feedback an ihr Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen wenden. Manchmal sind diese auch persönlich vor Ort zu sprechen. Früher nannte man diesen Aufgabenbereich das Beschwerdemanagement, heute werden eher Begriffe wie Kundendialog oder Kundencenter verwendet.

Örtliche Aufsichten finden Sie an manchen Hauptbahnhöfen und S-Bahnhöfen. Diese besitzen in erster Linie betriebliche Aufgaben, geben jedoch auch Informationen. Vorrangig geht es um die Herstellung der Abfahrbereitschaft, ähnlich wie bei den Zugführern (siehe weiter oben unter „Schaffner“). Der Unterschied: Bei den Aufsichten handelt es sich um stationäres Personal. Sie haben eine Kernfunktion, die pünktliche und sichere Abfertigung zu gewährleisten.

Mit Reiseberaterinnen und Reiseberatern von DB Vertrieb GmbH haben Sie es in den DB Reisezentren zu tun, wo Sie möglicherweise Ihre Fahrkarten kaufen. Diese haben oft eine Ausbildung als Kauffrau bzw. Kaufmann für Verkehrsservice oder als Reiseverkehrskauffrau/-kaufmann. Etliche Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen beauftragen DB Vertrieb mit dieser Leistung. DB Vertrieb seinerseits beauftragt teils externe Unternehmen wie Reisebüros mit dem Verkauf der Tickets. DB Vertrieb betreibt auch verschiedene zentrale Telefondienste, z. B. die Mobilitäts-Servicezentrale, den telefonischen Reiseservice, Videoreisezentren, und für verschiedene Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen das Beschwerdemanagement. Das Forderungsmanagement im Falle von Fahrpreisnacherhebungen ist bei DB Vertrieb in Form der Fahrpreisnacherhebungsstelle angesiedelt. Doch nicht alle Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen beziehen ihre Leistungen über DB Vertrieb, sondern diese haben teils eigene Vertriebsstrukturen aufgebaut.

Mit den eben genannten Berufsgruppen werden Sie bei Ihrer Fahrt am ehesten in Kontakt kommen oder deren Mitarbeiter zumindest wahrnehmen. Doch weiter im Hintergrund eines jeden Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmens verbirgt sich noch deutlich mehr. Hier eine Auswahl weiterer Berufsgruppen und Funktionen:

Viele Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen verfügen über eigenes Werkstattpersonal. Dahinter verbergen sich dann Ausbildungsberufe für Bereiche wie Mechatronik, Industrie- und Konstruktionsmechanik oder Kältetechnik. Es gibt auch Ausbildungsgänge für Industrieelektrikerinnen und -elektriker und für Elektronikerinnen und Elektroniker für Betriebstechnik. Das Personal im Werkstattbereich sorgt dafür, dass sich die Fahrzeuge den gesetzlichen Normen und Regelwerken entsprechend in einem sicheren und betriebsbereiten Zustand befinden.

Alle Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen benötigen Disponentinnen und Disponenten. Diese entscheiden darüber, welches Fahrzeug in welchem Umlauf fährt und wann es zur planmäßigen Instandhaltung muss, und sie ersetzen Fahrzeuge, für die ein außerplanmäßiger Werkstattaufenthalt nötig ist, durch andere. Sie sorgen auch dafür, dass auf jedem Zug passendes Fahrpersonal sitzt, welches das Fahrzeug und die Strecke kennt, und sie wachen über die Einhaltung der Schichtlängen. Die Disponentinnen und Disponenten arbeiten im Zwei- oder Dreischichtsystem ganz nah am Betrieb, und sie sind besonders gefordert, wenn Störungen auftreten: Verspätungen, technische Defekte an Fahrzeugen, Streckensperrungen, Krankmeldungen des Zugpersonals. Bei größeren Störungen rufen sie definierte Störfallprogramme aus, um den Überblick zu behalten und die Fahrgastinformation zumindest notdürftig zu gewährleisten. In solchen Fällen ist die betriebliche Stabilität von einem Moment zum nächsten bedroht und die Disponentinnen und Disponenten müssen umgehend und umsichtig reagieren.

Fahr- und Dienstplanerinnen und -planer sind weiter vom direkten Bahnbetrieb entfernt als die Disponentinnen und Disponenten. Sie kennen sich hervorragend mit den betrieblichen Abhängigkeiten aus, sind jedoch nicht im Ad-hoc-Tagesgeschäft unterwegs. Hinter dem Planungspersonal verbergen sich oft berufserfahrene Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit verkehrlich-betrieblicher Ausbildung oder Ingenieurinnen/Ingenieure mit Studienschwerpunkt Verkehrsplanung/-wirtschaft/-technik, Eisenbahnwesen oder Angebotsplanung. Sie arbeiten mit hochspezialisierten Softwaretools, um alle anfallenden planerischen Arbeiten zu erledigen.

Eine Funktion, die es bei Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen gleichermaßen gibt, ist die des Eisenbahnbetriebsleiters/der Eisenbahnbetriebsleiterin, welche letztlich für die Einhaltung und Durchsetzung des sicherheitsrelevanten betrieblichen Regelwerks der Eisenbahn zuständig ist. Die Eisenbahnbetriebsleiterin/der Eisenbahnbetriebsleiter hat in den Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen eine sehr starke Position inne und agiert unabhängig von den Geschäftsführungen. Sie verfügen über ein sehr tiefes und breit angelegtes Fachwissen[vi] und müssen sich einer außerordentlich anspruchsvollen, staatlichen Prüfung[vii] unterziehen, deren Prüfungsausschuss vom EBA bestimmt wird.

Die Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen beschäftigen beispielsweise Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg und Fachwirtinnen bzw. -wirte für den Bahnbetrieb. Diese steuern und koordinieren den Bahnbetrieb, sie sorgen dafür, dass die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ihre Züge fahrplanmäßig fahren können. Sie greifen bei Trassenkonflikten ein, die bei Verspätungen oder Streckensperrungen auftreten können. Dahinter steckt die Bedienung der Leit- und Sicherungstechnik. Diese Menschen arbeiten dann beispielsweise als Fahrdienstleiterin oder Fahrdienstleiter im Stellwerk.

Die Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen beschäftigen neben den betriebsrelevanten Funktionen sehr viel Personal im Bereich des Bauwesens und der Leit- und Sicherungstechnik: Elektro-, Vermessungs-, Bau- und Wirtschaftsingenieure oder -ingenieurinnen, Technische Zeichner/Zeichnerinnen, Meister/Meisterinnen im Bauwesen, Informatikerinnen/Informatiker, Systemarchitekten und -architektinnen, Gleis- und Metallbauer- und bauerinnen, Nachrichtentechniker und -technikerinnen, Konstruktions-, Weichen- und Signalmechanikerinnen/-mechaniker und viele mehr. Etwas exotischer sind beispielsweise die Forstwirte und Forstwirtinnen, die den Vegetationsschnitt verantworten.

Diese Aufzählung von Berufen und Funktionen bei der Bahn ist natürlich nicht vollständig. Sie kann jedoch ein Gefühl dafür vermitteln, wie vielfältig die Welt hinter Ihrer Zugfahrt ist.[ix]

Generell werden im Bahnbereich Menschen mit einer grundsätzlich passenden Ausbildung eingestellt, und dann folgt noch eine fachspezifische, oft firmeninterne Zusatzqualifikation. Qualifizierte Fachkräfte sucht praktisch jedes Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ständig und in großer Zahl. Die Medien berichten häufig, dass der generelle Fachkräftemangel auch in der Bahnbranche so groß ist, dass dies eine wichtige Ursache geworden ist, weshalb einzelne Zugleistungen oder gar ganze Linien zeitweilig ausfallen. Mittlerweile gibt es auf Länderebene Gesprächsrunden, in denen es darum geht, die Bedingungen für die Nachwuchsgewinnung und für Quereinsteiger zu verbessern.

 

Anmerkungen

[i]    Seite „Ausbildung, Weiterbildung, Training: Simulatoren tragen zur Sicherheit bei“. Kurzlink-URL: https://t1p.de/ws2n+ und https://t1p.de/hp2m+ (beide Stand 18.3.2024).

[vi]   Wer Interesse hat, die Prüfungsfragen anzusehen, findet diese unter der Kurzlink-URL https://t1p.de/abwf+ (Stand 18.3.2024).

[vii] Basis ist die Verordnung über die Prüfung zum Betriebsleiter für Eisenbahnen (EBPV), siehe URL https://www.gesetze-im-internet.de/ebpv/index.html (Stand 18.3.2024).

[ix]   Wer sich mehr dafür interessiert, kann beispielsweise in YouTube zahlreiche Filme finden, die die einzelnen Berufe zeigen. Einen Überblick gibt der YouTube-Kanal der Deutschen Bahn unter der URL
 https://www.youtube.com/user/DBKarriere; aber auch etliche Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen außerhalb der DB haben vergleichbare Filme, wie beispielsweise:
Keolis: https://www.youtube.com/watch?v=h7zj4KLeDyM,
ODEG: https://www.youtube.com/user/ODEGGmbH,
Go Ahead: https://www.youtube.com/watch?v=y7vibv7kluI,
Transdev: https://www.youtube.com/watch?v=LAtjtdCCrG4
(alle Stand 18.3.2024).

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