Entwicklung und Wandel

Bei aller Technik: Ohne Personal gäbe es keine Bahn. Ursprünglich war die Bahn der größte Arbeitgeber in Deutschland. 1949 hatte die Deutsche Bundesbahn in der Bundesrepublik Deutschland 539.000 verbeamtete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hinzu kamen über 250.000 der Deutschen Reichsbahn (DDR). 1994 zu Beginn der Bahnreform war es nicht einmal mehr die Hälfte: gerade noch rund 350.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.[iii]

Der Personalabbau setzte sich weiter fort. Dennoch lag– trotz aller Automatisierung, Digitalisierung, Rationalisierung, Rückbau des Netzes und Verlusten von Marktanteilen, insbesondere im Güterverkehr – der Personalbestand alleine bei der Deutschen Bahn AG 2018 bei rund 196.000 in Deutschland. Mittlerweile steigt die Zahl wieder, 2022 waren es rund 212.000.[iv] Hinzu kommen einige Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den nicht bundeseigenen Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen. Die wenigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DB haben noch einen Beamtenstatus, in der Mehrheit handelt es sich heute um Angestellte. Somit ist die Bahn weiterhin einer der ganz großen Arbeitgeber in Deutschland. Es gibt über 500 verschiedene Berufsbilder, von denen nur die wenigsten allgemein bekannt sind,[v] und rund 50 verschiedene Ausbildungsberufe bei der Bahn.[vi] Außerdem gibt es mindestens 700 Arbeitgeber in der Bahnbranche – eine erstaunliche Vielfalt tut sich da auf.

Die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen belegen, welch starken Strukturwandel die Bahn durchgemacht hat. Und sie befindet sich weiterhin mitten im Wandel. Nicht nur die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drückt das aus, sondern auch deren räumliche Verteilung und ihre Aufgaben und Organisation. Früher war jeder Bahnhof mit Personal besetzt, jede Firma in Eisenbahnnähe hatte ihren Gleisanschluss, für jeden Bahnübergang war Personal vorgesehen, für das Stellen der Weichen ebenfalls und in fast allen Zügen gab es Schaffner und Schaffnerinnen.

Heute sind die meisten Bahnhofsgebäude und Gleisanschlüsse aufgegeben, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konzentrieren sich auf ausgewählte Einsatzstellen, und viele Nahverkehrszüge haben kein festes Personal. Vor Ort in ländlichen Bereichen gibt es durch diese Zentralisierung häufig niemanden mehr, der/die Bahn dort vertritt, vielmehr ist diese dort häufig nur noch durch die Gleise und die Züge präsent.

Die Arbeitsteilung hat mit der organisatorisch-gesellschaftsrechtlichen Trennung der Bahn in verschiedene Bereiche deutlich zugenommen, und zwar mit der Folge, dass Spezialistinnen und Spezialisten häufiger geworden sind und das Verständnis für die Gesamtzusammenhänge der Bahn abgenommen hat. Dafür sind die Schnittstellen mehr geworden, was größeren Abstimmungsbedarf erfordert, aber durch hochkomplexe IT-Systeme mehr oder minder wieder kompensiert wird.

An vielen Stellen wurde der Personalabbau deutlich übertrieben, um die Produktivität zu erhöhen. Die Folgen waren und sind weiterhin beispielsweise eine verminderte Reaktionsfähigkeit bei unvorhergesehenen Ereignissen, Zeitverzögerung bei Projekten, Ausfall von Leistungen bei erhöhtem Krankenstand und Überlastung mit der Folge von Unzufriedenheit und erhöhtem Krankenstand. Es wird nun bei der DB (und auch allen anderen Eisenbahnunternehmen, den Verbänden, Aufgabenträgern und auch politischerseits) mit aller Kraft versucht, diese Entwicklung zum Teil wieder rückgängig zu machen. Insbesondere wächst die Erkenntnis, dass ein verlässlicher Zugbetrieb ohne ausreichende Personaldecke oder nur mithilfe von Subunternehmern kaum möglich ist. Auf der Kundenseite und in der Öffentlichkeit ist dann mit negativen Reaktionen zu rechnen, die sich letztlich auf der Einnahmenseite und beim Image bemerkbar machen.

Das Rückgängigmachen erweist sich jedoch gerade vor dem Hintergrund des immer stärker werdenden Fachkräftemangels und der für das Personal vielfältigen Wahlmöglichkeiten als außerordentlich mühsam. Bei allen Eisenbahnunternehmen findet man seit Jahren ständig Tausende offener Stellen aller Bereiche. Zum Zeitpunkt, als diese Seite verfasst wurde, waren es weit über 8.000 – und das alleine bei der Deutschen Bahn.[vii] Auch jedes andere Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen sucht ständig Personal. Alle möglichen Anstrengungen werden unternommen, um diese Lücken zu schließen, die zunehmend auch das Erfüllen der vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Aufgabenträgern und den Fahrgästen spürbar beeinträchtigen.

 

Anmerkungen

[iii]   Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Daten & Fakten 1994/1995. Berlin 1995, S. 6.

[iv]   Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Daten & Fakten 2018. Berlin 2019, S. 14, und: Daten & Fakten 2022, Seite 13.

[v]    URL: http://bahn-frei-zukunft.de/berufe/ oder https://www.schienenjobs.de/ oder https://www.bahnberufe.de (alle Stand 16.3.2024).

[vi]   Seite „Angebote für Ausbildungssuchende“.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/owt3+ (Stand 16.3.2024).

[vii] Siehe auch Kurzlink-URL https://t1p.de/5x5l+ (Stand 16.3.2024).

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