Dienstplanung des Zugpersonals

Bevor Lokführerinnen/Lokführer losfahren, haben sie schon einiges hinter sich: Sie haben sich zum Dienst gemeldet, sich ihren Dienstplan bzw. den genauen Verlauf ihrer heutigen Schicht[i] angesehen und außerdem die aktuellen betrieblichen Weisungen gesichtet. Sie sind zu ihrem Fahrzeug gegangen, das vielleicht einige Hundert Meter entfernt in einer Abstellanlage stand, haben dann die Lok oder den Triebzug für den Betrieb vorbereitet. Dazu gehören sicherheitsrelevante Handlungen wie auch solche, die dem Komfort der Fahrgäste dienen: Sie nehmen beispielsweise die Heizung oder die Klimaanlage in Betrieb und schalten die Beleuchtung im Innenraum ein. Sie überprüfen das Zugschlusssignal und Dreilicht-Spitzensignal und weitere technische Einrichtungen und Funktionen und kontrollieren die Unversehrtheit des Fahrzeugs. Sie nehmen die Sicherungstechnik, Bremsen und den Zugfunk in Betrieb und testen diese, es erfolgt die Anmeldung auf dem Fahrzeug, die Eingabe der Zugnummer, die Inbetriebnahme des Fahrgastinformationssystems und des elektronischen Fahrplans.

Das alles kostet Zeit. Zeit, die geplant sein muss. Denn Lokführerinnen und Lokführer unterliegen zahlreichen gesetzlichen und tarifvertraglichen Regelungen in Bezug auf Tätigkeiten und Arbeitszeit. Diese Vorgaben werden nicht nur minutiös geplant, sondern auch streng überwacht. Wenn ein Lokführer/eine Lokführerin zu wenig Pause macht oder die Pause zum falschen Zeitpunkt durchführt, wenn zu wenig Ruhezeit zwischen zwei Schichten zur Verfügung steht, die Arbeitszeit pro Woche ein bestimmtes Limit überschreitet oder die Zeit für alle eben geschilderten Handlungen nicht ausreicht, dann kann schnell eine sicherheitsgefährdende Situation eintreten. Und jeder Lokführer, jede Lokführerin hat die Verantwortung für seinen/ihren Zug und somit für vielleicht Hunderte von Menschen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass ein Dienstplan nicht nur die Zeiten umfasst, in denen die Lokführerin/der Lokführer den jeweiligen Zug fährt, sondern für jede einzelne Minute Arbeitszeit an jedem Tag ist vorgegeben, was wann zu tun ist. Hinzu kommt noch die Ortsveränderung: Wenn ein Lokführer/eine Lokführerin morgens in Rostock losfährt, ist er/sie nachmittags vielleicht in Düsseldorf. Dort heißt es möglicherweise übernachten, bevor es am nächsten Tag wieder zurückgeht. Oder er/sie fährt nur bis Hamburg, macht dort Pause und übernimmt dann einen anderen Zug nach Bremen und dann wieder zurück nach Rostock. Somit umfasst ein Dienstplan auch die Information, wo er/sie sich befindet.

Bei der Erstellung der Dienstpläne bzw. Vergabe der Schichten werden immer mehrere Voraussetzungen geprüft:

  • Lokführerinnen und Lokführer benötigen „Streckenkenntnis“. Sie/er muss also die vorgesehene Strecke genau kennen und kann nicht einfach überall eingesetzt werden. Ohne Streckenkenntnis ist nur eine deutlich verringerte Geschwindigkeit zulässig – somit würde der Fahrplan nicht eingehalten werden können.
  • Lokführerinnen und Lokführer benötigen nachweislich die Kenntnis der Baureihe. Wer einen ICE 3 fahren kann, darf noch längst nicht ein S-Bahnfahrzeug der Baureihe ET 422 bedienen.
  • Lokführerinnen und Lokführer benötigen eine genau definierte gesundheitliche Tauglichkeit, die ärztlicherseits bestätigt und gültig sein muss.

 

Anmerkung

[i]    Es gibt eine Dienst- und Schichtplanung, doch diese Begriffe werden nicht überall einheitlich verwendet. Man könnte den Dienstplan als den Plan ansehen, der sich im Laufe einer bestimmten Zeit (z. B. wöchentlich) wiederholt und die Arbeitszeiten pro Tag und Wochentag festlegt. Eine Dienstschicht könnte dann der genaue Ablauf eines Tages abbilden: was hat der Lokführer/die Lokführerin an diesem Tag wann und wo genau zu tun? Ein Beispiel finden Sie unter URL https://www.youtube.com/watch?v=xxaevyMlWDE (Stand 4.3.2024).

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