Planung der Umsteigezeiten

Zur Fahrplanung gehört auch die Planung der Umsteigebeziehungen. Nach Möglichkeit versuchen die Planer, durchgehende Verbindungen für die Mehrzahl der Fahrgäste einzurichten. Denn Umsteigen bedeutet immer Zeitverlust, erhöhten Informationsbedarf und Unbequemlichkeit für die Fahrgäste. Auch für das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen sind Umsteigebeziehungen aufwendig zu planen und durchzuführen. Umsteigebeziehungen kommen dann vor, wenn grundsätzlich oder zu einem bestimmten Zeitpunkt keine durchgängigen Verbindungen bestehen.

An welchen Stellen im Netz trifft man auf Umsteigebahnhöfe?

  • Wo eine Nebenstrecke abzweigt. Beispiel: In Remagen am Rhein zweigt die Ahrtalbahn ab. Oder in Coburg die Strecke nach Bad Rodach.
  • Wo sich zwei oder mehr Linien kreuzen. Mannheim ist so ein typischer Umsteigebahnhof, hier treffen sich die ICE-Linien von Basel nach Berlin/Hamburg und von München/Stuttgart nach Köln/Dortmund. Im Nahverkehr ist Lauda ein Musterbeispiel: Die Strecken von Stuttgart–Würzburg und die Taubertalbahn Crailsheim–Wertheim begegnen sich hier.
  • Wo ein Wechsel von einer Zuggattung auf die andere möglich ist, also beispielsweise vom Nah- auf den Fernverkehr (S-Bahn auf ICE oder umgekehrt).

Oft wird planerisch versucht, zumindest einzelne Verbindungen umsteigefrei zu gestalten, auch wenn bei der überwiegenden Anzahl an Verbindungen ein Umsteigen nötig ist. Beispiel: Der Bahnhof Ostseebad Binz auf Rügen ist eigentlich ein typischer Bahnhof, in dem ausschließlich Nahverkehrszüge ankommen oder abfahren. Allerdings gibt es z.B. im Jahresfahrplan 2024 an bestimmten Wochentagen bzw. jahreszeitlich abhängig einige direkte Fernverkehrsverbindungen nach München, Berlin und Frankfurt / Basel. Diese Züge fahren dann ab Stralsund bzw. Hamburg im normalen Fernverkehrsnetz mit. Wenn die Urlaubsreisenden aber zu anderen Zeiten mit dem Fernverkehr in den Süden fahren wollen, müssen sie in Stralsund bzw. Hamburg umsteigen.

Bei den Umsteigezeiten wird immer berücksichtigt, wie weit der Weg von einem Bahnsteig zum anderen ist. Im Idealfall sind das nur wenige Meter, nämlich einmal quer über den Bahnsteig direkt am Gleis gegenüber. Das ist das planerische Ideal einer Umsteigebeziehung. Diese hat viele Vorteile: Es geht schnell, die Orientierung ist einfach und die Kommunikation ist eindeutig. Auch hat das jeweilige Zugpersonal rein optisch einen guten Überblick, dass der andere Zug schon da ist und ob alle Fahrgäste umgestiegen sind. In solchen Fällen kommt man mit Umsteigezeiten von 1–2 Minuten gut hin.

Das Gegenteil stellt ein großer Hauptbahnhof dar, in dem es zahlreiche mögliche Umsteigebeziehungen gibt, die auch räumlich weit auseinander liegen. Im Hauptbahnhof München treffen beispielsweise über ein Dutzend Eisenbahnstrecken zusammen, auf denen mindestens zwei Dutzend Linien verkehren. Hier werden zwar auch Anschlussbeziehungen planerisch definiert, doch diese kommen dann überwiegend nur noch rechnerisch zustande. Je nach Abfahrtsgleis sind dort bis zu 15 Minuten Umsteigezeit nötig, weil die Wege sehr lang sein können.

Die geplanten Umsteigezeiten sind also sehr unterschiedlich. In der elektronischen Fahrplanauskunft sind diese Zeiten bereits berücksichtigt. Natürlich nur mit Durchschnittswerten. Wenn Sie auf einen Aufzug angewiesen sind, viel Gepäck dabeihaben oder ganz vorn oder hinten im Zug sitzen, können sich in der Realität deutlich größere Umsteigezeiten ergeben.

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