Taktfahrpläne

Bei einem Taktfahrplan fahren die Züge auf einer Linie in einem bestimmten Rhythmus. Der Klassiker ist der Stundentakt. Konkretes Beispiel aus dem Jahre 2019: Wer sonntags von Kiel Hbf nach Flensburg Hbf wollte, konnte jede Stunde zur Minute 43 abfahren, und das zwischen 7.43 und 21.43. Es gab also einen leicht merkbaren Fahrplan. Im Idealfall sind dann auch alle Unterwegsbahnhöfe im Stundentakt angebunden und die Abfahrtgleise sind ebenfalls identisch.

Es gibt auch andere Taktfrequenzen: Häufig werden Sie auf Nebenstrecken einen Zwei-Stundentakt finden, zumindest an Sonntagen. Weißenfels–Zeitz in Sachsen-Anhalt ist ein solches Beispiel aus dem Jahresfahrplan von 2019: Sonntags konnten Sie um 8.42 oder 10.42 oder 12.42 etc. in Weißenfels abfahren, und Sie kamen dann um 9.19 bzw. 11.19 bzw. 13.19 Uhr etc. in Zeitz an.

Es können sich auch verschiedene Takte überlagern – im Beispiel Konstanz–Radolfzell lag im Fahrplan 2019 über einem völlig regelmäßigen 30-Minuten-Takt noch ein zusätzlicher Stundentakt mit einem schnelleren Regionalexpress, der nicht überall hielt. Das ist dann an den unterschiedlichen Fahrzeiten gut erkennbar.

ICE-Züge verkehren oft im Stundentakt, IC-Linien im Zweistundentakt. Im Nahverkehr gibt es gelegentlich dichtere Takte, besonders in S-Bahnsystemen fahren die Züge beispielsweise alle 20 oder 15 Minuten, und in den S-Bahnsystemen von München und Berlin finden in den Hauptverkehrszeiten auf bestimmten Linienabschnitten sogar Fahrten alle 10 Minuten statt.

Diese Takte gelten dann immer für die jeweilige Linie. Nicht selten wird der Verkehr so geplant, dass sich auf bestimmten Streckenabschnitten mehrere Linien überlagern. Dann kann es zu deutlich dichteren Takten kommen. So fahren die S-Bahnen der großen Städte an den zentralen Bahnhöfen werktags in den Hauptverkehrszeiten maximal gar im Zweiminutentakt.

Und Sie werden es an den einschränkenden Worten „sonntags“ und „Hauptverkehrszeit“ gemerkt haben: Die Taktfrequenz kann sich ändern. Normalerweise gilt: Je größer die Nachfrage, desto dichter der Takt. Werktags zwischen 6 und 9 Uhr finden Sie also auf vielen Strecken im Nahverkehr kürzere Taktfrequenzen als sonntags.

Hinzu kommt, dass in den Tagesrandlagen (das ist Planer-Deutsch für frühmorgens und spätabends) die Taktverkehre oft aufhören. Es gibt dann zwar vielleicht noch Züge, aber nicht selten außerhalb der tagsüber üblichen Taktzeiten. Umgekehrt kann es sein, dass zu den Hauptverkehrszeiten sogenannte Verstärkerzüge verkehren. Die fahren dann ebenfalls außerhalb der gewohnten Taktzeiten und ergänzen das Taktangebot.

In Deutschland finden Sie auf vielen Linien und in vielen Netzen gute Taktfahrpläne.[ii] Diese haben sich aus verschiedenen Gründen durchgesetzt:

  • Aus Sicht der Fahrgäste sind sie attraktiv, weil leicht zu merken.
  • Des Weiteren stehen sie für ein hochwertiges Angebot: Es ist einfach schön zu wissen, dass man jede Stunde fahren kann und die Wahl hat.
  • Aus Sicht des Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmens sind diese Zugfahrten leichter zu planen und sie sparen im besten Fall auch Fahrzeuge ein.

Der Nachteil ist allerdings, dass sie in Einzelfällen nicht ganz bedarfsgerecht sind. Der Klassiker: Schulbeginn um 7.45 Uhr, Ankunft der Züge am nahegelegenen Bahnhof nach Taktfahrplan jedoch 6.50 und 7.50 Uhr. In solchen Fällen gibt es vier Möglichkeiten:

  • Einen zusätzlichen Zug einsetzen: Das klappt nur, wenn die Kapazität auf der Strecke vorhanden ist, ein Fahrzeug zur Verfügung steht und der Aufgabenträger den Zug auch bestellt.
  • Den Schulbeginn verlegen: Das klappt nur, wenn dadurch nicht andere Verbindungen, z. B. durch Busse, berührt werden, die vielleicht auch in einem Takt verkehren und in Umläufe eingebunden sind.
  • Es wird ein paralleler Bus eingesetzt. So etwas versucht man in aller Regel zu vermeiden, weil der Organisationsaufwand steigt und die Zuständigkeiten nicht mehr so klar geregelt sind.
  • Manchmal wird in solchen Fällen der Takt aufgegeben (sofern dies von der Infrastruktur und der sonstigen Streckenbelegung her möglich ist), weil der öffentliche Druck zu hoch würde, wenn die Schüler immer zu spät kämen oder eine Dreiviertelstunde warten müssten.

Sie sehen, dass das Thema Taktverkehr viele entscheidende Vorteile mit sich bringt, wenn man den genannten Nachteil in den Griff bekommt.

Anmerkungen

[ii]    In vielen Ländern mit einer guten Schieneninfrastruktur haben sich Taktverkehre bei den meisten Verkehren durchgesetzt. Neben Deutschland sind dies beispielsweise Österreich, Schweiz und Niederlande.

Der Auszug des Nahverkehrsfahrplans 2019 zwischen Konstanz und Radolfzell am Bodensee zeigt deutlich die beiden sich überlagernden Takte: zwei langsamere Regionalbahnverbindungen der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und eine schnelle Regionalexpressverbindung pro Stunde.
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