Fahrzeugumlaufplan

Wenn der Fahrgast am Endbahnhof der Zugfahrt angekommen ist, ist für diesen die Reise mit seinem Zug zu Ende. Doch für das Eisenbahnfahrzeug geht es anschließend nach einem bahninternen Fahrplan weiter und es gibt nun beispielsweise folgende Möglichkeiten:

  • Nach seiner ersten Fahrt mit Fahrgästen an diesem Tag folgen noch weitere Fahrten.
  • Es muss an einen anderen Einsatzort und fährt ohne Fahrgäste dorthin.
  • Ein Fahrzeug wird mit einem anderen gekuppelt, wenn für die nächste Zugfahrt mehr Platzkapazität nötig ist.
  • Es fährt in eine Abstellanlage, weil im Bahnhof kein Platz bis zum nächsten Einsatz ist.
  • Es muss für die Weiterfahrt auf ein ganz anderes Gleis und wird rangiert.
  • Ein Fahrzeug muss alle paar Tage in die Werkstatt zur Inspektion oder zur Reparatur.[i]
  • Es braucht eine Reinigung, innen und außen.

Der absolute Rahmen eines Zugumlaufplans ist natürlich der Fahrplan. Alle im Fahrplan angebotenen Fahrten müssen ausnahmslos durch genau zugeordnete Fahrzeuge abgedeckt werden. Der Zugumlaufplan berücksichtigt somit alle Kundenfahrplanfahrten und alle intern erforderlichen Betriebsfahrten innerhalb eines bestimmten Zeitraums, der sich beispielsweise täglich, wöchentlich oder alle zwei Wochen wiederholen kann.

Disponenten und Disponentinnen, die sich beim Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen um die Fahrzeuge kümmern, haben im Regelfall immer den Überblick, wo sich jedes einzelne Fahrzeug gerade befindet und wofür es anschließend verplant ist.

Ein Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen braucht eine ganz exakte Planung der Zugumläufe, da es ansonsten schnell in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommt,

  • wenn es zu große Fahrzeugkapazitäten besitzt, in denen nicht genügend zahlende Kunden fahren,
  • oder Fahrten ausfallen, weil Fahrzeuge an der falschen Stelle stehen oder es zu wenige gibt.

Mit der Zugumlaufplanung bestimmt das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen auch die Anzahl der insgesamt notwendigen Fahrzeuge, den sogenannten Fahrzeugbedarf. Bahnfahrzeuge kosten sowohl bei der Beschaffung als auch im Betrieb richtig viel Geld. Deswegen wird jedes Unternehmen versuchen, mit möglichst wenig Fahrzeugen möglichst viele Fahrgäste zu befördern. Echte Reservefahrzeuge, die nur auf ihren zufälligen Einsatz warten, gibt es meist gar nicht oder nur ganz wenige. Nachts, an Wochenenden oder außerhalb der Hauptverkehrszeiten mögen die Spielräume für ungenutzte Fahrzeuge etwas besser sein, doch auch das ist nicht zwangsläufig so: in aller Regel erfolgen zu diesen Zeiten die Reparaturen, Inspektionen und Reinigungen.

In Gesprächen fällt immer wieder das Argument: „Dann sollen die halt einen Ersatzzug einsetzen“, um einen Zugausfall auszugleichen. Oder das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen soll bei Mangel an Sitzplätzen „mal eben noch einen Wagen dranhängen“. Dahinter steht die Annahme, dass es genügend Fahrzeuge gibt, die immer an der passenden Stelle herumstehen und nur auf ihren Einsatz warten. Doch das ist nicht der Fall.

Üblicherweise hat ein Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen nur eine sogenannte Werkstattreserve. Der Begriff täuscht vor, dass diese Reserve irgendwie verfügbar sein könnte. Dem ist aber nicht so: Diese Reserve bedeutet einfach nur, dass die Fahrzeuge in der Werkstatt stehen und ihre gesetzlich vorgeschriebene Wartung bekommen oder repariert und vielleicht noch von außen gereinigt werden.[ii]

 

Anmerkungen

[i]    Zum Beispiel bei der S-Bahn München: Täglich werden dort 42 der 238 Fahrzeuge der Baureihe ET 423 in der Werkstatt instand gehalten. Das bedeutet, dass jedes einzelne Fahrzeug ungefähr alle 5 bis 6 Tage in der Werkstatt erscheint. Quelle: Seite „Die S-Bahn München in Zahlen“.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/1z5k+ (Stand 17.2.2020, nicht mehr abrufbar).

[ii]    Das ist ganz exakt festgelegt und es gibt keinerlei Spielräume, eine anstehende Wartung zu verschieben. Die Einhaltung der Vorschriften wird auf das Genaueste überwacht – durch die Aufsichtsbehörde, das Eisenbahnbundesamt.

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