Organisation

Häufig sind Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen als Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder als Aktiengesellschaft auf dem Markt. Große Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen besitzen zahlreiche Tochterunternehmen, die rechtlich eigenständig sind. Die Deutsche Bahn AG beispielsweise besteht aus mehreren Aktiengesellschaften, u.a. DB InfraGO AG, DB Fernverkehr AG, DB Regio AG und DB Cargo AG. Zu diesen gehören insgesamt über mehrere Hundert weitere Unternehmen, an denen die DB beteiligt ist.

Zum Kern eines kleinen Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmens gehören häufig die folgenden Bereiche und Abteilungen:

  • Produktion/Betrieb: Hier werden beispielsweise die Lokführerinnen und Lokführer und das sonstige Zugpersonal geführt. Der Betrieb ist verantwortlich für die Disposition, die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Überwachungen und Schulungen, die Verfolgung von Unregelmäßigkeiten und den Notdienst. Auch der Eisenbahnbetriebsleiter/die Eisenbahnbetriebsleiterin kann in diesem Bereich arbeiten.
  • Werkstatt/Instandhaltung: Hier arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Wartung, Reparatur, Innen- und Außenreinigung der Fahrzeuge zuständig sind.
  • Marketing: Hier geht es um die Fahrgeldeinnahmen, Tarife, Werbung, Information und Öffentlichkeitsarbeit. Auch der Vertrieb, d. h. der Verkauf von Fahrausweisen ist dort möglicherweise angesiedelt.
  • Planung: Die Erstellung und Abstimmung der Fahrpläne mit dem Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen, die Umlauf- und Dienstplanung sind Aufgaben der Planungsabteilung.
  • Controlling und Personal werden oft in eigenen Abteilungen organisiert.

Dies ist ein möglicher Aufbau eines Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmens. Je nach Größe und Strategie der Firma sind bestimmte Bereiche zentralisiert, an firmeneigene Gesellschaften oder ganz an externe Firmen vergeben.

Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen sind oft an mehreren Standorten präsent. Dazu gehören beispielsweise

  • der Haupt-Firmensitz mit der überwiegenden Anzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bürobereich mit den strategischen und zentralen Funktionen;
  • einzelne rechtlich nicht selbstständige Niederlassungen oder Verkehrsbetriebe vor Ort, von denen aus das Geschäft oft mit betrieblichem Schwerpunkt organisiert wird;
  • die Einsatzstellen der Zugpersonale – je nach Größe des Netzes sind dies einige wenige bis mehrere Dutzend;
  • die Abstellanlagen für die Eisenbahnfahrzeuge;
  • Kundencenter und Verkaufsstellen an strategisch günstigen Orten oder entsprechend der Vorgabe der Bestellerorganisation;
  • die Werkstatt, die sich oft an einem anderen Standort befindet als der Haupt-Firmensitz. Und je nach Größe gibt es auch mehrere Werkstatt-Standorte mit unterschiedlichen Aufgaben.

Die Organisationsformen der Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ändern sich ständig, weil sich die Marktbedingungen (welche Aufgaben sind im Auftrag enthalten?) und die Auftragslage (welche Netze werden bedient?) immer wieder verändern.

Je nach Größe eines Unternehmens wird es eine mehr oder minder groß ausgeprägte „Zentrale“ geben, die bestimmte Funktionen übernimmt und Vorgaben macht, die vor Ort umgesetzt werden müssen. Denn hier spielen klare wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle – ein großes Unternehmen, dessen örtliche Ableger sich für jede einzelne Linie oder ein kleines Netz Know-how oder gar bauliche oder IT-Infrastruktur in Sachen Vertrieb, Einkauf oder Werkstattleistungen aufbauen müssen, wird vermutlich kaum rentabel arbeiten können. Andererseits ist ein Unternehmen, das alle Bereiche zentralisiert hat, ebenso wenig optimal aufgestellt, weil dann der örtliche Bezug fehlt, der im SPNV von grundlegender Bedeutung ist.

Der häufige und oft auch grundlegende Wechsel von Organisationsformen der Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ist gerade bei der Deutschen Bahn sehr gut erkennbar. Im Nahverkehr wechseln diese immer wieder zwischen einer mehr zentralen und mehr dezentralen Ausrichtung, je nach der strategischen Ausrichtung des Konzerns und den Ausschreibungsergebnissen, sprich: dem Erfolg im Wettbewerb. Auch die Wettbewerber von DB Regio AG unterliegen einem – für Eisenbahnverhältnisse – raschen Wandel von Organisationsformen, Markenbezeichnungen, Firmenbezeichnungen und -zugehörigkeiten.

Nach oben scrollen