InterCityExpress

Die heute auf den meisten Hauptstrecken verkehrenden weißen ICE-Züge mit ihrem roten Streifen dürften das Markenzeichen der Deutschen Bahn sein. Dahinter steckt eine Entwicklung, die 1991 begonnen hat. In diesem Jahr wurde die Neubaustrecke Würzburg–Hannover in Betrieb genommen, auf der die damals neuen ICE 1-Züge nicht nur mit deutlich höheren Geschwindigkeiten unterwegs waren, sondern auch eine kürzere Strecke auf dieser Verbindung zurücklegen mussten. Die Fahrzeit von Hamburg nach München verringerte sich damals um rund 90 Minuten.

In den Folgejahren wurden weitere Neubaustrecken gebaut und andere ICE-Typen entwickelt. Mit jeder Inbetriebnahme von Hochgeschwindigkeitsstrecken und neuen ICE-Typen änderte sich das Fernverkehrsnetz in Deutschland. Heute gibt es die ICE-Züge in den unterschiedlichsten Ausprägungen: kuppelbar und nicht kuppelbar, mehrsystemfähig und international[i] verkehrend oder nur national, Höchstgeschwindigkeiten zwischen 230 und 330 km/h[ii], ohne und mit Neigetechnik. Deren Bezeichnungen lauten ICE 1, ICE 2, ICE 3, ICE 4 und ICE T. Aktuell (2024) sind 359 ICE-Triebzüge für die DB Fernverkehr AG auf dem Netz unterwegs.[iii]

Jeden ICE-Typ kann man noch einmal in verschiedene Baureihen unterteilen, die sich abgesehen von einigen technischen Merkmalen in der Zuglänge und somit in der Zahl verfügbarer Sitzplätze unterscheiden. Zum Beispiel gibt es den ICE 4 u.a. in einer Version mit 13 Wagen und 918 Sitzplätzen und in einer kuppelbaren mit 7 Wagen und 444 Sitzplätzen.[iv]

So ähnlich die ICE-Typen auch auf den ersten Blick sind, so gibt es doch einige deutliche Unterschiede, die auch für Ihre Fahrt relevant sind. Der ICE 1 und der ICE 4 mit 12 bzw. 13 Wagen sind nicht kuppelbar, diese Triebzüge fahren also immer in der gleichen Konfiguration. Beim ICE 2, 3 und T hingegen werden Sie sehen, dass diese auch in Doppeltraktion unterwegs sind. Teils verkehren diese dann auch als Flügelzüge oder einzelne Zugteile fahren nur einen Teil der Strecke mit. Außerdem hat der ICE 1 außer seinen 12 Wagen noch je einen Triebkopf vorn und hinten, wo der gesamte Antrieb des Zuges zu finden ist. Beim ICE 2 gibt es hingegen außer den 6 Wagen noch einen Triebkopf wie beim ICE 1, am anderen Zugende jedoch einen Steuerwagen.

Die älteren ICE-Typen wurden bereits vollständig redesignt und auf heutige Standards umgebaut, und weitere Modernisierungen erfolgen sukzessive. Weitere neue ICE-Typen befinden sich in Vorbereitung: so wird an einer 5. Generation von ICE-Zügen gearbeitet, und der neue ICE L geht in Betrieb.

ICE-Züge bieten einen höheren Qualitätsstandard als die anderen Fernverkehrszüge: Sie sind auf Hochgeschwindigkeitsstrecken schneller, verfügen über mehr Personal und besseren Service. Sie haben Ruhebereiche und Handyzonen, ferner gibt es Sitze und Bereiche, die für Familien mit Kindern vorgesehen sind oder für Rollstuhlfahrer. Je nach Baureihe gibt es außer Großraumwagen auch einzelne Abteile.

Verkehrlich betrachtet sind die ICE-Linien Taktverkehre im Stunden- oder Zweistundentakt, die sich jedoch auf weiten Strecken zu einem Stundentakt überlagern oder noch häufigere Verbindungen ermöglichen. Zum Beispiel fahren zwischen Mannheim und Stuttgart zwei bis drei ICE-Züge pro Stunde und zwischen Frankfurt und Köln bis zu vier.[vii] In der Regel verbinden ICE-Linien die verkehrlich nachfragestarken Großstädte und Ballungsräume miteinander.

Nur einzelne ICE-Verbindungen werden über die normale Linienendpunkte wie Hamburg, München oder Bremen hinaus verlängert. So gibt es beispielsweise ICE-Züge auch nach Binz auf Rügen, Lübeck und Oldenburg. Des Weiteren finden sich auch vereinzelt Halte an kleineren Bahnhöfen wie beispielsweise Altenbeken oder Remagen oder ergänzend zum IC-Netz wie in Jena Paradies.

Auch wenn der ICE synonym steht für den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland, fahren ICE nicht ausschließlich auf Hochgeschwindigkeitsstrecken. Im Gegenteil, die meisten Linien beinhalten lange Abschnitte auf Strecken mit Geschwindigkeiten deutlich unter 200 km/h. Das liegt einfach daran, dass in Deutschland die Hochgeschwindigkeitsstrecken nicht besonders weit verbreitet sind: Lediglich 2.635 km, also rund 11 % des gesamten DB-Netzes, sind für Geschwindigkeiten über 200 km/h zugelassen.[viii]

 

Anmerkungen

[i]    Nach Belgien, Frankreich, Schweiz, Österreich und in die Niederlande.

[ii]    Die 330 km/h darf der ICE 3 nur in Frankreich fahren, in Deutschland sind maximal 300 km/h zulässig.

[iii]   Es gibt noch weitere ICE-Triebzüge, die den Niederländischen Eisenbahnen und den Österreichischen Bundesbahnen gehören und teils in Deutschland in Einsatz sind. Quelle der ICE-Anzahl: eigene Berechnung aus der Kurzlink-URL https://t1p.de/9qkt+ (Stand 7.3.2024).

[iv]   Details, Lagepläne und virtuelle Rundgänge zu den einzelnen ICE-Typen: Kurzlink-URL https://t1p.de/9qkt+ (Stand 7.3.2024).

[vii] Zum jeweils aktuellen Liniennetz der ICE-Züge: URL https://www.bahn.de/p/view/service/fahrplaene/streckennetz.shtml
(Stand 7.3.2024). Diese Informationen sind jeweils auf den Fahrplan 2024 bezogen – grundsätzlich wird das ICE-Netz und der Fahrplan beständig weiter entwickelt, je nach den verkehrlichen Möglichkeiten und der Nachfrage).

[viii] Seite „Schnellfahrstrecke“. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie.
(Stand 7.3.2024).

Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Frankfurt kann der ICE 3 seine volle Geschwindigkeit ausfahren. (Foto: Rob Dammers, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

 

Und dann gibt es in Deutschland zahlreiche Strecken, auf denen der ICE gemütlich durch die Landschaft fährt, wie hier mit 70 km/h im Frankenwald. (Foto: Störfix, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons)
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