Flügelzüge

Eng mit dem Thema Wirtschaftlichkeit hängt die betriebliche Besonderheit der Flügelzüge zusammen. Früher gab es sogenannte Kurswagen, die dann in zeitaufwendigen Rangiervorgängen in einem Bahnhof eine neue Lok bekamen und vielleicht noch mit weiteren Wagen eines anderen Zuges zusammengekuppelt wurden und dann zu ihrem Bestimmungsort fuhren. Dieses Konzept ist in Deutschland inzwischen weitgehend Vergangenheit, denn die automatisch kuppelbaren Triebzüge erlauben etwas Vergleichbares, allerdings wesentlich weniger zeit- und personalaufwendig. Worum geht es also und was hat das mit Ihnen als Fahrgast zu tun?

Es gibt sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr Triebzüge – in der Regel der gleichen Baureihe -, die am Startbahnhof aneinander gekuppelt werden, dann einen Teil der Strecke gemeinsam zurücklegen und ab einem der nächsten Bahnhöfe getrennt zu unterschiedlichen Zielen weiterfahren. Hier drei Beispiele:

  • Ein bekannter Klassiker im Nahverkehr ist die Bayerische Oberlandbahn, die in München Hbf in der Regel in Dreifachtraktion losfährt. Die ersten 36 km fahren die drei Triebzüge mit einem Lokführer bis zum Bahnhof Holzkirchen – und zwar vereinigt als ein Zug. In Holzkirchen wird der vordere Triebzug abgekuppelt und dieser fährt dann alleine weiter auf der östlichen Strecke der Oberlandbahn nach Bayrischzell. Die beiden in Holzkirchen übrig gebliebenen Triebzüge bekommen dort einen neuen Lokführer und fahren dann gemeinsam in Doppeltraktion bis nach Schaftlach auf dem westlichen Ast der Oberlandbahn. Dort lösen sich die beiden Triebzüge voneinander und der eine fährt weiter nach Lenggries, der andere mit einem weiteren Lokführer auf einer anderen Strecke nach Tegernsee. Auf dem Rückweg verläuft das Prozedere dann umgekehrt: Die drei Zugteile werden in Schaftlach und Holzkirchen wiedervereinigt, um dann als ein einziger Zug in Dreifachtraktion mit einem Lokführer nach München Hbf zu fahren.
  • Bekannt ist auch die ICE-Verbindung zwischen München und Hamburg bzw. Bremen. Ab München fährt ein ICE 2 in Doppeltraktion bis Hannover. In Hannover setzt dann ein Zugteil seine Fahrt weiter nach Hamburg fort, der andere zweigt auf eine andere Strecke Richtung Nordwesten nach Bremen ab.
  • Und es gibt als Beispiel für einen Flügelzug mit den verschiedenen Baureihen Stadler Flirt und Stadler Kiss die Regionalexpressverbindung RE1/RE11 zwischen Koblenz und Mannheim/Luxembourg mit Zugtrennung bzw. -vereinigung in Trier Hbf. Hier fahren sogar zwei unterschiedliche Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen zusammen: die DB Regio AG und die Société Nationale des Chemins de Fer Luxembourgeois.

Der Einsatz von Flügelzügen kommt in Deutschland immer häufiger vor und bietet mehrere Vorteile: DB Netz AG hat dadurch mehr Kapazitäten auf dem Streckennetz und das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen kann Personal einsparen und somit die Kosten senken. Und für die Fahrgäste ist es bequem, weil dadurch mehr Direktverbindungen entstehen.

Darstellung der Flügelung in einem Zug der Bayerischen Oberlandbahn.
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