Neigetechnikzüge

Neigetechnikzüge sind in der Lage, sich in die Kurven zu legen, mit einer Schräglage wie beim Radfahren.

Wozu das Ganze? Auf kurvigen Bahnstrecken, besonders in den deutschen Mittelgebirgen, kann der Zug bis zu 20 % der Fahrzeit durch eine höhere Geschwindigkeit einsparen und die Geschwindigkeit in Kurven auf bis zu 160 km/h bzw. um max. 30 % erhöhen. Somit steigt die Konkurrenzfähigkeit der Bahn im Verhältnis zum Auto, es werden je nach Linienführung und Fahrplan weniger Fahrzeuge benötigt und die bergigen Regionen mit ihren langen Tälern werden besser erschlossen.

Nicht jede Bahnstrecke ist dafür geeignet, dass dort Züge mit eingeschalteter Neigetechnik fahren können. Sie muss erst technisch ertüchtigt werden. Wichtige Punkte sind:

  • Auf zweigleisigen Strecken müssen die Gleise so weit auseinander liegen, dass zwei entgegenkommende Neigetechnikfahrzeuge wegen ihrer Schräglage in den Kurven nicht aneinanderstoßen. Hier spielt die Einhaltung des Lichtraumprofils offenkundig eine besonders wichtige Rolle.
  • Wegen der höheren Geschwindigkeiten kann die Steuerungstechnik von Bahnübergängen nicht unverändert bleiben, da die Züge ansonsten den Bahnübergang bereits dann erreichen, wenn er noch nicht geschlossen ist.
  • Die Signalanlagen überwachen zusammen mit dem Fahrzeug die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Ein Neigetechnikzug überschreitet die normalen Geschwindigkeiten jedoch deutlich. Die Leit- und Sicherungstechnik muss ertüchtigt werden, den Neigetechnikzug zu erkennen und nicht fälschlicherweise wegen scheinbar unzulässiger Geschwindigkeitsüberschreitung zum Stehen zu bringen.

Die Neigetechnikzüge besitzen eine recht komplexe Steuerungstechnik und manche Baureihen waren ziemlich störanfällig. Derzeit fahren in Deutschland hauptsächlich folgende Baureihen, die überwiegend stabil laufen: die elektrischen ICE T-Züge im Fernverkehr (411 und 415) und die Dieselfahrzeug-Baureihe VT 612 (RegioSwinger) im Nahverkehr.

Wenn Sie mit diesen Zügen fahren, könnte es sein, dass Sie durch die hohen Geschwindigkeiten in den Kurven und die ungewohnte Neigung der Züge eventuell etwas „seekrank“ werden. Sollten Sie dafür anfällig sein, können Sie vorbeugen oder die Symptome lindern, indem Sie sich in Fahrtrichtung setzen und nicht lesen, sondern aus dem Fenster schauen. Auch kann es helfen, weiter hinten im Wagen zu sitzen und nicht direkt vor einer Wand, sodass Sie einen größeren Teil des Raumes überblicken können.

Ein VT 612 in der Kurve, hier auf der „Schiefen Ebene“ auf dem Weg nach Marktschorgast. Sie können gut erkennen, wie stark sich das Fahrzeug neigt. Außerdem erkenn Sie, dass die Schienen eines Gleises und auch beide Gleise unterschiedlich hoch verlegt sind.
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