Stärken und Schwächen

Stärken und Schwächen von Zügen ist ein Vorgang, der letztlich der optimalen Nutzung der Fahrzeugkapazitäten dient. Bei Triebzügen ist es bei den meisten Baureihen technisch möglich, diese in Zweifachtraktion zu fahren, oft auch in Drei- oder gar Vierfachtraktion. Das Verringern der Zahl der Triebzüge z. B. von Drei- auf Zweifachtraktion heißt Schwächen, das Stärken ist umgekehrt die Erhöhung um einen oder mehr Zugteile, beispielsweise von einer Einfachtraktion auf Doppeltraktion.

Stärken und Schwächen findet häufig im laufenden Fahrgastbetrieb am Bahnsteig statt. Es handelt sich zumeist um geplante Vorgänge, die in Abhängigkeit zum Fahrgastaufkommen stehen. Das prominenteste Beispiel ist die S-Bahn München, die ihre Züge um die beiden Hauptverkehrszeiten herum ganz standardmäßig stärkt und schwächt – das wurde bereits im Kapitel „Produktionsprogramm“ ausführlich beschrieben.

Bevor ein Zug geschwächt wird, fordert der Lokführer die Fahrgäste auf, den betreffenden Zugteil am nächsten Bahnhof zu verlassen und in den anderen umzusteigen. Zeitlich ist das für die Fahrgäste meistens gut machbar, weil der Vorgang rund 1 bis 2 Minuten in Anspruch nimmt.

Auch bei ICEs kommt das immer mal wieder vor, allerdings in der Regel nur in Bahnhöfen mit ohnehin längerer Aufenthaltszeit. Dann steht schon ein einzelner Triebzug am Bahnsteig, viele Reisende wollen noch einsteigen und dann kommt möglicherweise die Durchsage: „Vorsicht am Gleis, es wird noch ein Zugteil beigestellt.“ Das ist dann das Zeichen, dass sich die Platzkapazität deutlich erhöht. Gerade bei Zügen, die vielleicht Freitagnachmittag sehr voll werden, ist das sehr entspannend.

Das Stärken im laufenden Fahrgastbetrieb setzt seitens des Verkehrsunternehmens eine sehr gute Planung voraus und ist an mehrere Voraussetzungen gebunden:

  • Das Fahrzeug benötigt eine automatische Kupplung.
  • Es muss ein weiteres Fahrzeug zur Verfügung stehen.
  • Die Signaltechnik muss diesen Vorgang unterstützen.
  • Der Vorgang darf nur kurze Zeit in Anspruch nehmen, da ansonsten Verspätungen auftreten oder die Fahrgäste eine zwar geplante, aber gefühlt zu lange Wartezeit in Kauf nehmen müssen.
  • Das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen benötigt zusätzliches Lokpersonal, der das zusätzliche Fahrzeug zum anderen fährt und diese miteinander kuppelt.
  • Die Gleisinfrastruktur muss die Möglichkeit bieten, dieses zusätzliche Fahrzeug in der Nähe abgestellt zu haben und das andere über eine Weichenverbindung zu erreichen.

Sie sehen also, hier gibt es eine Reihe von materiellen, technischen, organisatorischen und personellen Abhängigkeiten. Trotzdem sind das Verstärken und Schwächen im Regelfall recht gut zu organisieren.

Es gibt jedoch Einschränkungen: Sollten die Umläufe wegen handfester Störungen oder Verspätungen durcheinanderkommen, kann Stärken und Schwächen unter Umständen nur noch erschwert oder gar nicht mehr stattfinden. Außerdem können die Kupplungen im Winter vereisen, sodass das Kuppeln technisch nicht mehr möglich ist. Wenn in der Hauptverkehrszeit gelegentlich ein kürzerer Zug als normal unterwegs ist, sind dies die beiden Hauptursachen.

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