Lokbespannter Zug

Ein lokbespannter Zug besteht aus mindestens einer Lokomotive und einem Wagen. Hier gibt es zahlreiche Varianten.

  • Am häufigsten ist vorn die Lok und dahinter kommen mehrere Wagen, deren Zahl ist sehr unterschiedlich. Ein Zug ist in der Regel nicht länger als die Bahnsteige, an denen er hält. Oft sind 3 bis 8 Wagen im Nahverkehr üblich, im Fernverkehr eher 8 bis 10. In selteneren Fällen kann die Zahl der Wagen – auch im Nahverkehr – über die 10 hinausgehen.[i]
  • Es kommt vor, dass zwei oder noch mehr Loks die Wagen ziehen. Das ist der Fall, wenn eine Lok defekt ist oder an einen anderen Ort überführt wird. Manchmal erhält ein Zug auch zwei Loks, wenn er besonders lang ist oder es Steigungen zu überwinden gilt. Gerade bei schweren Güterzügen kommen zwei Loks an einem Zug häufiger vor.
  • Bei einem Wendezug kann die Reihenfolge vertauscht sein: die Lok hinten und die Wagen vorn. Jede moderne Lok und jeder Wagen ist dafür konzipiert, auch rückwärts zu fahren. Unter folgender Bedingung: Der Zug muss von vorn gesteuert werden, d. h. der Lokführer oder die Lokführerin darf keine Zugfahrt ohne Sicht durchführen. Wenn also die Lok hinten ist, muss vorn am Zug ein sogenannter Steuerwagen sein. In diesem Steuerwagen befindet sich oft – neben dem Führerstand – ein Mehrzweckabteil für Fahrräder/Kinderwagen/Rollstühle und einige Sitzplätze.
  • Selten befindet sich die Lok zwischen den Wagen. In diesem Fall ist vorn auf jeden Fall ein Steuerwagen, aber ein Durchgang zwischen den beiden Zugteilen vor und hinter der Lok ist dann nicht möglich.
  • Es kommt auch vor, dass sich vorn und hinten je eine Lok befinden, wenn kein Steuerwagen vorhanden ist. Dies wird gemacht, um in einem Kopfbahnhof schnell die Fahrtrichtung wechseln zu können. Es ist ein großer zeitlicher Unterschied, ob in Kopfbahnhöfen für die Weiterfahrt eine neue Lok angehängt werden muss oder diese bereits Bestandteil des Zuges ist. Der Zeitunterschied kann gut 10 oder 15 Minuten betragen.
    Auch auf Gebirgsstrecken wird diese Version gelegentlich praktiziert.

Häufig versucht man Wendezüge einzusetzen, wenn der Zug unterwegs seine Fahrtrichtung wechselt oder wenn nach Erreichen des Ziels die folgende Zugfahrt bereits wenige Minuten später stattfindet und somit keine Zeit ist, die Lok zu rangieren.

Ein Beispiel aus der Praxis: Der Intercity Karlsruhe–Nürnberg verkehrt als Wendezug, denn er wechselt im Kopfbahnhof Stuttgart Hbf seine Fahrtrichtung. Er kann diesen Fahrtrichtungswechsel in 6 Minuten erledigen, weil Lok und Steuerwagen vorhanden sind.

Oder der lokbespannte Regionalexpress Nürnberg–München über Kinding (Ankunft München um 16.55): Er endet zwar in München, doch derselbe Zug fährt dann 17.08 Uhr wieder zurück nach Nürnberg. In diesen 13 Minuten wäre vielleicht gerade noch Zeit, vorn wieder eine neue Lok anzukuppeln, doch durch seinen Steuerwagen kann man sich dieses Manöver ersparen und benötigt zugleich noch eine Lokomotive weniger.

Inzwischen kommen lokbespannte Züge im Personenverkehr in Deutschland deutlich seltener vor als Triebzüge – dazu mehr dann direkt im nächsten Abschnitt.

 

Anmerkung

[i]    Das Maximum im Regelbetrieb liegt – nach Beobachtung des Autors – bei 16 Wagen. Limitierend ist in erster Linie die Bahnsteiglänge, die Zugkraft der Lok und natürlich die reine Notwendigkeit: Braucht das Eisenbahnverkehrsunternehmen überhaupt so viele Wagen für die zu erwartenden Fahrgäste?

Ein lokbespannter Intercity-Zug.

 

Ein lokbespannter Nahverkehrs-Doppelstockwagenzug.
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