Triebzug

Der Triebzug verkehrt ohne Lok, denn die Motoren sind im Triebzug selbst untergebracht. Sie sind immer als Wendezüge konzipiert, d. h. sie besitzen vorn und hinten einen Führerstand für den Lokführer/die Lokführerin. Rangieren ist somit überflüssig. Ein einzelner Triebzug hat in aller Regel immer die gleiche Zahl an Wagen, die je nach Zugtyp zwischen 1 und 13 liegt. Das ist ein Unterschied zu lokbespannten Zügen, wo die Anzahl der Wagen durch Ab- oder Ankuppeln im Bahnhof im laufenden Betrieb änderbar ist. Bei einem Triebzug hingegen kann man einen Wagen, wenn überhaupt, nur in der Werkstatt hinzufügen oder entfernen.

Die Motoren eines elektrischen Triebzugs befinden sich oft direkt an den Achsen, und je nach Baureihe ist eine unterschiedliche Zahl an Achsen angetrieben – beim ICE 3 sind es beispielsweise 16 der 32 Achsen.

In Zusammenhang mit Triebzügen stehen die Abkürzungen „VT“ für „Verbrennungstriebwagen“ (= Dieselmotor) und „ET“ für „Elektrotriebwagen“. Im Anschluss daran folgt eine Baureihenbezeichnung. Dazu später mehr in Kapitel „Informationen an den Fahrzeugen“.

Bei Triebzügen gibt es mehrere Varianten, die Sie beim Bahnfahren häufig antreffen werden:

  • Ein Triebzug besteht aus einem einzigen Wagen, der durchgängig zu betreten ist. Beispiel: der Regio-Shuttle VT 650. Diese Baureihe kommt auf wenig frequentierten Nebenstrecken vor.
  • Ein Triebzug kann aus mehreren Wagen bestehen, die im normalen Betrieb nicht voneinander getrennt werden. Beispielsweise besteht der in S-Bahnsystemen anzutreffende ET 423 aus 4 Wagen, der ICE 4 aus 5 bis 14 Wagen. Jeder Triebzug ist von vorn bis hinten durchgängig begehbar.
  • Ein Triebzug kann bei den meisten Modellen mit weiteren Triebzügen der gleichen Baureihe gekuppelt werden. Das S-Bahnfahrzeug ET 423 fährt im Fahrgastbetrieb beispielsweise auch in „Doppeltraktion“ oder „Dreifachtraktion“; er besteht dann aus zwei oder drei miteinander verbundenen Zugteilen mit jeweils 4 Wagen. Oder der ICE 3 kann in Doppeltraktion verkehren, d. h. in zwei Zugteilen, die jeweils acht Wagen besitzen. Und bei Triebzügen mit je zwei Wagen der Baureihe VT 612 können vier Stück aneinander gekuppelt werden.
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Die Kupplung von zwei oder mehr Triebzügen zu einer Mehrfachtraktion erfolgt oft automatisch, d. h. ein Triebzug fährt auf den anderen in langsamer Geschwindigkeit auf und nach kurzem Aufenthalt zur Durchführung von technischen Überprüfungen fahren die beiden zusammengekuppelt weiter.[iii] Dieser Vorgang dauert insgesamt nur 2 bis 3 Minuten. Beim Kuppeln werden die Züge nicht nur mechanisch miteinander verbunden, sondern auch die Bremssysteme und alle elektrischen Leitungen, sodass der gesamte neu gebildete Zug vom Führerstand aus steuerbar ist.

Bei allen Triebzügen, die in mehreren Zugteilen fahren, ist es nicht möglich, während der Fahrt die Zugteile zu wechseln.[iv] Dies ist bei „Flügelzügen“ (siehe Kapitel 4.9) von Bedeutung, wenn Zugteile an bestimmten Bahnhöfen abgekuppelt werden und dann verschiedene Ziele anfahren. Auch wer im Fernverkehr für ICE 2 oder ICE 3-Züge eine Sitzplatzreservierung hat, sollte in den richtigen Triebzug einsteigen. In Band 2 im Kapitel 8 „Unterwegs umsteigen“ gibt es dazu ausführliche Informationen.

 

Anmerkungen

[iii]   Weitere Informationen zum automatischen Kuppeln von Triebfahrzeugen mit der weit verbreiteten Scharfenberg-Kupplung:
Kurzlink-URL https://t1p.de/3iyz+ (Stand 19.2.2020).

[iv]   Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass insbesondere in Dänemark Triebzüge anderer Bauweise verkehren, die auch bei Fahrten in Mehrfachtraktion durchgängig begehbar sind.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/rm4l+ (Stand 19.2.2020).

Zwei Triebzüge im Bahnhof von Bayerisch Eisenstein, jeweils bestehend aus einem Wagen, sind miteinander gekuppelt und fahren als Zug gemeinsam.
Ein S-Bahnzug in Dreifachtraktion, bestehend also aus drei Triebzügen mit jeweils 4 Wagen – ein Foto aus dem Ostbahnhof München.

 

Ein S-Bahnzug im Münchner Ostbahnhof in Doppeltraktion: Zwei Triebzüge zu jeweils 4 Wagen sind zu einem Zug verbunden.
Zwei Triebzüge zu jeweils 2 Wagen sind in Nürnberg Hbf als Zug verbunden.
Der Triebzug im Vordergrund ist doppelstöckig und besteht aus 4 Wagen.

 

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