Zugnummern

Nun folgen die organisatorisch–planerischen Aspekte zum Thema „Zug“.

Jede Zugfahrt hat in Deutschland eine eindeutige Zugnummer. Zum Beispiel gibt es im Jahresfahrplan 2024 einen Intercity IC 2034, der von Berlin nach Norddeich Mole fährt. Die „2034“ ist die Zugnummer, die Sie überall wiederfinden: auf dem gedruckten Fahrplan, auf dem Zuganzeiger am Bahnsteig, in der Fahrplanauskunft im Internet oder Smartphone. Auch der Zugbegleiter, der möglicherweise Ihre Fahrkarte abstempelt, druckt dort die „2034“ auf.

Innerbetrieblich hat die Zugnummer eine sehr große Bedeutung. Diese unscheinbare Nummer ist das Erkennungszeichen für die Fahrdienstleitung und die Stellwerkstechnik, den Zug dorthin zu leiten, wo er auch hinfahren soll.[i] Den Zugnummern sind Fahrpläne zugeordnet, insofern ist die Zugnummer auch die Grundlage für jegliche Fahrgastinformation. Wenn ein Lokführer oder eine Lokführerin ihre Zugfahrt beginnen, geben sie auch die jeweilige Zugnummer in das Bordrechnersystem ein – sie geben ihren Zügen gewissermaßen eindeutige Namen für diese Fahrt. Wenn innerbetrieblich ein Gespräch zwischen Fahrdienstleitung und Fahrpersonal stattfinden soll, dann läuft das nicht über die Handynummer, sondern das geschieht mittels des digitalen Bahnfunknetzes GSM-R – und dahinter liegt, wen wundert es, die Zugnummer. Denn woher sollte die Fahrdienstleitung wissen, welcher Lokführer, welche Lokführerin den jeweiligen Zug fährt und welche Handynummer er/sie hat? Auch die Disponentinnen und Disponenten der Eisenbahnverkehrsunternehmen arbeiten intensiv mit der Zugnummer – diese ist für sie eine der wesentlichen Kommunikationsinhalte.

Die Zugnummer ist also die grundlegende Voraussetzung dafür, dass eine Zugfahrt überhaupt stattfinden kann.

Zugnummern werden nicht willkürlich vergeben, sondern folgen einer Systematik. Hier die wichtigsten Aspekte:

  • Zugnummern haben in Deutschland maximal 5 Ziffern, sie reichen von 1 bis 99999.
  • Niedrige Zugnummern bis 499 stehen häufig für den internationalen Fernverkehr (z. B. der Zug 499 von München nach Zagreb, im Fahrplanjahr 2022).
  • Zugnummern bis 2999 beziehen sich auf den Fernverkehr
  • Zugnummern ab 3000 beziehen sich überwiegend auf den Nahverkehr (dazwischen liegen auch die Zugnummern des Güterverkehrs, der hier für uns jedoch nicht von Belang ist. Außerdem haben sich dort noch ein paar andere Nummern eingeschlichen, beispielsweise 9580 – der TGV von Frankfurt nach Marseille).
  • Ein Zugpaar von Richtung und Gegenrichtung erhält benachbarte Nummern. In diesem Beispiel hat der Zug von Zagreb nach München die Nummer 498, bezogen auf das Fahrplanjahr 2022.
  • Zugpaare sind bei Taktverkehren auf der gleichen Linie einfach erkennbar, denn auch diese haben oft benachbarte Nummern. Beispiel: Die Regionalbahn von Pirmasens fährt im Stundentakt nach Zweibrücken 8Fahrplan von 2019). Zugnummern sind 12909, 12911, 12913, 12915 etc. In der Gegenrichtung lauten die Zugnummern dann 12910, 12912, 12914 und so weiter. Auf diese Weise können Sie in Grenzen auch auf die Umläufe von Fahrzeugen schließen.
  • Die Zugnummer finden Sie immer in Verbindung mit der Markenbezeichnung des jeweiligen Verkehrsunternehmens. Also beispielsweise RB 27401 ist (die folgenden Beispiele sind bezogen auf den Jahresfahrplan 2019) die Regionalbahn mit der Zugnummer 27401 von Mühldorf nach Garching. Oder NWB 75313 ist die Nordwestbahn mit der Zugnummer 75313 und fährt von Duisburg-Ruhrort nach Oberhausen. Oder hinter dem Fahrtenpaar EN 462 und EN 463 der Verbindung zwischen Budapest und München steht der „EuroNight“. Letztes Beispiel: TGV 9596 ist der Train à grande vitesse von München nach Paris mit der Zugnummer 9596.
  • Es gibt Züge mit mehreren Zugnummern gleichzeitig. Das kommt dann vor, wenn ein Flügelzug unterwegs ist, bei dem die einzelnen Triebzüge unterschiedliche Ziele anfahren. Beispiel: Der Zug mit den Zugnummern 3009, 3403, 3423 und 3549 fährt (alle Beispiel aus dem Jahresfahrplan 2019) um 7.38 Uhr von Nürnberg nach Hersbruck. Dahinter verbirgt sich ein Zug in Vierfachtraktion, bei dem die einzelnen Triebzüge nach der Zugteilung die vier unterschiedlichen Ziele Neustadt (Waldnaab), Bayreuth, Hof und Regensburg anfahren. Ein weiteres Beispiel: Der ICE 732/ICE 782 fährt in Doppeltraktion von München nach Hannover, dort findet die Zugteilung statt und ein Triebzug (ICE 732) fährt nach Oldenburg über Bremen, der andere fährt als ICE 782 nach Hamburg Hbf. Oder der EN 463 hat noch drei weitere Ziele, die er mittels Kurswagen mit eigenen Zugnummern bedient: ÖBB 40463 nach Venezia Santa Lucia, oder der EN 50463 nach Zagreb Glavni kolodvor und der EN 60463 nach Rijeka.
  • Auch alle Züge des Nahverkehrs haben eindeutige Zugnummern, die jedoch nicht immer über alle Medien kommuniziert werden. Die S-Bahnzugnummern werden üblicherweise nicht genannt, sondern hier gibt es zumeist nur eine Information über die Linie.

Zugnummern können sich im von einer Fahrplanperiode zur nächsten ändern. Wer die aktuellen Zugnummern herausfinden will, kann verschiedene Quellen nutzen:

 

Anmerkung

[i]    Wer darüber mehr wissen will, kann sich unter den Stichworten „Zugnummernmeldeanlage“ oder „Zuglenkung“ beispielsweise in Wikipedia genauer informieren.

Beispiel für die Nutzung von Zugnummern: Fahrgastinformation im Zug – der Regionalexpress 3384

 

Der TGV mit der Nummer 9580

 

Die Abfahrttafel im Hauptbahnhof von München: hier werden die Zugnummern sichtbar. Jeder Zug ist eindeutig gekennzeichnet.
In der Fahrplanauskunft steht in den Zugdetails u.a. die Zuggattung und die Zugnummer. Verwechslung ausgeschlossen.

 

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