Busnotverkehr: Hintergründe und Zusammenhänge

Ursache eines Busnotverkehrs ist immer ein Notfall: Eine plötzlich notwendige Streckensperrung verhindert, dass noch Züge auf einer Strecke fahren können. Gründe sind oft Unwetterschäden, Bombenfunde im Zuge von Bauarbeiten oder Suizide. Auch Bauarbeiten, die länger als geplant dauern, können einen Busnotverkehr verursachen.

Was steckt nun hinter einem Busnotverkehr? Was macht ihn so schwierig, für die Fahrgäste wie auch für das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen?

  • Es ist nur selten möglich, auf die Schnelle einen Bus mit einem Busfahrer zu organisieren, der die zu fahrende Strecke kennt, der sich zudem nicht weit entfernt vom Einsatzort befindet und zeitlich verfügbar ist. Oft sind Busfahrer durch Dienstpläne gebunden oder müssen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten.
  • Die Kapazitäten der Busse sind häufig sehr begrenzt und reichen insbesondere zur Hauptverkehrszeit nicht, um alle Fahrgäste des Zuges zu befördern. Stellen Sie sich vor, eine S-Bahnstrecke ist morgens um 7 Uhr unterbrochen. Dann kommen mit jeder S-Bahn, beispielsweise alle 20 Minuten, vielleicht 500 Fahrgäste an. Dafür braucht man gute 5 Gelenk-Stadtbusse oder 8–10 Reisebusse, und das alle 20 Minuten. 

Es ist fast ausgeschlossen, so etwas zu stemmen, denn kein Busunternehmen hat so viele Busse oder gar Busfahrer spontan übrig, und erst recht nicht zur Hauptverkehrszeit, wenn alle Fahrzeuge und Fahrer in Einsatz sind. Deswegen muss das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen mehrere Busunternehmen kontaktieren, um zumindest ein paar Busse zu bekommen. Diese Busse werden dann eventuell zeitversetzt und ggf. auch von unterschiedlichen Orten aus eingesetzt.

  • Selbst wenn das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen eine Busroute festgelegt haben sollte, so ist nicht klar, ob diese Straßen am Tag des BNV auch wirklich fahrbar sind. Nicht selten zwingen Baustellen auf den Straßen die Busse zu Umwegen, die jedoch nicht auf ihre Fahrbarkeit hin überprüft worden sind.
  • Es gibt für die Busse keinen kommunizierbaren Fahrplan und somit keine Prognose, wann sie wo ankommen sollen. Somit steht auch keine fahrtbezogene Information im Internet oder über die App zur Verfügung.
  • Es gibt auch keine Anschlusssicherung zwischen dem Zug und dem Bus, weil keine validen Informationen verfügbar sind und die Kommunikationskanäle noch nicht stehen.
  • Falls keine feste Wegeleitung zu einer Bushaltestelle existiert oder überhaupt keine Bushaltestelle definiert ist, wissen Sie als Fahrgast auch nicht, wo genau der Bus abfährt. Denn oft genug können Busse Bahnhöfe gar nicht anfahren, weil die Straßen zu eng sind, es keine Wendemöglichkeiten gibt oder weil Stau herrscht.

Vor diesem Hintergrund können Sie beim Busnotverkehr von einer echten Ausnahmesituation ausgehen, weil Sie von fast jeglicher Information abgeschnitten sind, sich möglicherweise in völlig unbekanntem Gebiet befinden und jedem Wetter vollständig ausgesetzt sind. Die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen, die für Ihre Beförderung verantwortlich sind, haben folgende Strategien entwickelt, um dieser Busnotverkehr-Situation zu begegnen:

  • Sie richten einen Busnotverkehr nur dann ein, wenn keine Perspektive besteht, dass die Strecke auf absehbare Zeit wieder befahrbar ist und wenn es keine Alternativen gibt. Bis diese Entscheidung getroffen ist, können 5–15 Minuten vergehen.
  • Sie kommunizieren den Busnotverkehr nur dann, wenn klar ist, dass auch eine einigermaßen ausreichende Zahl an Bussen zu beschaffen ist. Bis die Busse dann wirklich kommen, können problemlos weitere 45–75 Minuten vergehen – oder mehr.
  • Es gibt für wichtige, öfter vorkommende Situationen Standardpläne, die die Disponenten und Notfallmanager nutzen, um langwierige Absprachen abzukürzen. Auch das Fahrpersonal und die Fahrdienstleiter beispielsweise kennen diese Pläne, und intern kommuniziert man dann nur noch beispielsweise: „Notfallprogramm C 1 tritt ab sofort in Kraft“.
  • Sie standardisieren Haltestellen, Informationskanäle, Organisationsstrukturen und die Wegeleitung zum Bus. An vielen Bahnhöfen werden Sie Pläne sehen, die zusammen mit einem entsprechenden Schild den Weg zur Bushaltestelle weisen.

Trotz allem ist ein Busnotverkehr wenig attraktiv. Er kostet Sie als Fahrgast Nerven und viel Zeit; mit einer, eher zwei oder drei Stunden Verzögerung können Sie unterm Strich rechnen, falls überhaupt ein Bus kommt. Hinzu kommt die emotional aufgeladene Atmosphäre, denn gute Laune haben angesichts dieser Umstände nur wenige.

Im Fernverkehr kommt ein Busnotverkehr nur selten vor. Meistens gibt es die Möglichkeit, den gesperrten Abschnitt zu umfahren. Im Nahverkehr ist ein Busnotverkehr zwar häufiger, dennoch werden die meisten Fahrgäste glücklicherweise kaum umfangreiche Erfahrungen damit machen.

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