Einflüsse auf die Bahn

Sie sind nun fast schon Expertin oder Experte für vieles, was mit Unregelmäßigkeiten bei der Bahn zusammenhängt. Sie haben viele Informationen bekommen, mit welchen Themen Sie als Fahrgast ggf. konfrontiert werden, wenn es mal nicht rund läuft.

In diesem umfangreichen Kapitel fassen wir nun alle wichtigen Einflüsse einmal systematisch zusammen, die auf die Bahn einwirken und beschreiben, wie diese den Betrieb beeinflussen.

Dieses Kapitel ist zu wichtig, um es in wenigen Sätzen abzuhandeln. Denn hier geht es um so vieles, das Sie als Fahrgast bei der Bahn bewegt, was die Öffentlichkeit erregt und wo sich die Medien und die Politik gleichermaßen einschalten. In diesem Kapitel wird das ganze Thema der Unregelmäßigkeiten und Störungen abgerundet und ein Zusammenhang hergestellt.

Der erste Abschnitt „System“ dieser Webpräsenz behandelt schwerpunktmäßig die Grundlagen der Bahn: Infrastruktur, Bahnpersonal, Fahrzeuge, Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen, Gesetzgebung, die tiefgreifenden Planungsprozesse und Überwachung des Betriebs durch die Leit- und Sicherungstechnik und verschiedene Institutionen sind wesentliche Bestandteile und Merkmale des Systems Bahn. Sie bilden den Rahmen, schaffen die Voraussetzungen für das geregelte Funktionieren, geben das Soll vor und ermöglichen dessen Einhaltung. Sie gewährleisten auf einer grundsätzlichen Ebene Sicherheit, Stabilität, Orientierung und Zuverlässigkeit.

Vom Plan geht es dann in den echten Betrieb, in die Produktion. Die Bahn soll so fahren, wie es ihre Planer vorgesehen haben. Dann gehört die Dienstleistung „Zugfahrt“ zu den richtig guten Erlebnissen: Man kann auf die Minute vorhersagen, wann man 500 km weiter ankommt, erreicht sein Ziel im Schlaf oder mit angenehmen Beschäftigungen, kommt gut ins Gespräch oder nimmt sein Mittagessen bei 250 km/h in aller Gemütlichkeit ein. Als Fahrgast ist man unbehelligt von nervenden Staus auf der Straße, gefährlichen Fahrmanövern anderer Autofahrer und muss sich nur selten konzentrieren.

Um die Produktion einer Zugfahrt mit der industriellen, materiellen Produktion zu vergleichen: In Fabriken werden anfassbare, nutzbare, konsumierbare Waren hergestellt: Schokolade, Bildschirme, Hemden, Haarwaschmittel und vieles mehr. All das gelangt normalerweise erst dann in den Handel, wenn ein wie auch immer gearteter Qualitätsstandard erzielt worden ist.

Bei der Bahn ist das anders. Hier wird etwas produziert, das nicht anfassbar ist, nämlich eine Dienstleistung, die die Kunden im Moment ihrer Produktion nutzen und deren Entstehung zahlreichen, oft außerordentlich ungünstigen Rahmenbedingungen unterliegt, die Sie alle aus dem ersten Abschnitt kennen: umfassender Abbau von Gleisen und Weichen, noch größere Einsparung von Personal, gleichzeitig steigende Zahl von Zügen und Fahrgästen, organisatorische Zersplitterung der Bahn und massiv steigende Zahl an Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen mit entsprechend steigender Zahl an Schnittstellen mit Abstimmungsbedarf.

Zusätzlich unterliegt jede einzelne Zugfahrt einer großen Zahl mehr oder minder kalkulierbarer Einflüsse, die auf die Qualität der Dienstleistung einwirken, und hier insbesondere auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Die Grafik zeigt eine Auswahl an möglichen Maßnahmen, Wirkungen und Wechselwirkungen und ihre Zusammenhänge im Falle von geplanten oder ungeplanten Einflüssen auf die Bahn.

Viele der hier und auf den folgenden Seiten beschriebenen Einflüsse auf die Bahn zeigen unmittelbare Auswirkungen im Bahnbetrieb: Als Fahrgast erleben Sie direkt als Folge dieser Ereignisse Verspätungen, Zug- oder/und Haltausfälle und Anschlussverluste. Teils sind dies aber auch Folgen von Maßnahmen wie die Einrichtung von Langsamfahrstellen, Streckensperrungen oder Umleitungen, die die dafür zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen (EIU) anordnen, um den Betrieb auf das ganze System betrachtet möglichst stabil zu halten und – noch wichtiger – die Sicherheit zu gewährleisten.

Das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen (EVU) wird nun versuchen, die negativen Auswirkungen des momentan wirkenden Einflusses auf den Bahnbetrieb für die Fahrgäste möglichst abzumildern. Dazu gehört ein ganzer Werkzeugkasten an Maßnahmen, wie beispielsweise

  • die Zugbindung aufheben,
  • Anschlusszüge länger warten lassen,
  • Ersatzzüge einsetzen oder auf Fahrtalternativen verweisen,
  • Busnot- oder Schienenersatzverkehr anbieten.

Und es gibt weitere Maßnahmen, wie außerplanmäßige Halte einzulegen, Züge vorzeitig zu wenden, Gleiswechsel durchzuführen, Fahren auf Befehl oder schnellere Züge überholen zu lassen. Diese werden in der Regel in enger Abstimmung mit dem Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen umgesetzt.

Doch leider sind diese Maßnahmen nicht immer und überall möglich, manchmal zeigen sie auch nicht ausreichend oder erst zu spät Wirkung. Viele Fahrgäste werden folglich weiterhin von Verspätungen und Zugausfällen betroffen sein. Je nach Grad der Betroffenheit können dann zumindest noch die Fahrgastrechte greifen, die das Gefühl geben, dass man für den Mangel entschädigt wurde und dass sich das Verkehrsunternehmen der Unannehmlichkeiten bewusst ist, die seine Kundinnen und Kunden erleben.

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