Bahnübergänge

Bahnübergänge wirken auf zweierlei Weise auf die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit: Einerseits geht es um die technische Funktionsfähigkeit (wurde bereits im vorherigen Kapitel behandelt), andererseits um die Beeinflussung der Bahn durch den Straßenverkehr an Bahnübergängen.

Der Straßenverkehr ist an den über 13.000 Bahnübergängen[i] im Bereich der Deutschen Bahn eine Einflussgröße, die auf die Bahn einwirkt. Es kommt immer wieder zu Unfällen an Bahnübergängen oder zumindest zu gefährlichen Situationen.

 

Langsamfahrstellen an Bahnübergängen

Im Laufe der Zeit können sich die verkehrlichen Anforderungen auf der Straße verändern: Es fahren mehr oder schwerere Fahrzeuge, sodass die Breite eines Bahnübergangs nicht mehr ausreicht. Das ist besonders an Kreuzungen und in Kurven ein Problem. Beispielsweise war dies an der Bahnstrecke Münster–Rheine der Fall: Etwas nördlich von Münster liegt Coerde, wo sich auch eine Mülldeponie befindet. Die zahlreichen anliefernden Laster müssen an einer Kreuzung abbiegen und unmittelbar dahinter die Bahnstrecke überqueren. Aufgrund der zu geringen Breite des Bahnübergangs wurden die Schranken durch die Lkw öfter abgerissen. Als Maßnahme wurde letztlich die Verbreiterung des Bahnübergangs als geeignet angesehen. Von der Erkenntnis, dass Handlungsbedarf besteht, über Planung, Finanzierung, Klärung von Grundstücksfragen bis hin zur tatsächlichen Bauausführung vergingen jedoch Jahre.[ii]

In solchen Fällen müssen sich Gemeinde, Bahn und Straßenbauträger auf eine Lösung einigen.[iii] In der Zwischenzeit jedoch gilt es zu verhindern, dass Unfälle passieren. Dies kann beispielsweise durch Einsetzen eines sogenannten Bahnübergangspostens geschehen, oder/und durch Einrichten einer vorübergehenden Langsamfahrstelle.

Langsamfahrstellen haben viele verschiedene Ursachen, der Straßenverkehr ist eine davon. Sie bedeuten genau das, was das Wort auch aussagt: Alle Züge müssen dort langsamer fahren, als es eigentlich im Fahrplan vorgesehen ist. Daraus folgen Verspätungen für alle Züge auf der betroffenen Strecke und oft auch Anschlussverluste. So lange, bis ein neuer Fahrplan gilt oder die Langsamfahrstelle beseitigt wurde.

Am Stichtag 1.2.2015 gab es beispielsweise insgesamt 72 Langsamfahrstellen im Netz der Deutschen Bahn, davon hatten 22 mit dem Straßenverkehr an Bahnübergängen zu tun.[iv] Wenn man sich vor Augen führt, dass jede Langsamfahrstelle im Jahr 2018 durchschnittlich etwa 92 Tage[v] dauerte, dann wird der pünktlichkeitsmindernde Einfluss dieses Faktors auf den Bahnfahrplan klarer.

 

Unfälle an Bahnübergängen

Inzwischen eine relativ geringe Anzahl, dennoch zumeist mit schweren Folgen: Bahnübergangsunfälle haben sich zwischen 2002 und 2016 mehr als halbiert, deren Zahl nahm von 294 auf 140 ab. Jeder Unfall ist einer zu viel, denn hierbei kamen 2016 immer noch 29 Menschen ums Leben, ganz abgesehen von den 36 Schwerverletzten. In fast allen Fällen ist die Ursache, dass geschlossene Schranken missachtet wurden oder der Vorrang des Schienenverkehrs (der, wie im Abschnitt „System“ bereits ausführlich beschrieben, kaum je rechtzeitig bremsen und überhaupt nicht ausweichen kann).[vi]

Für die Fahrgäste ist die Folge immer eine komplette Streckensperrung mit Ausfällen und Verspätungen; je nach Art des Unfalls können auch Leichtverletzte vorkommen. Für die Bahn bedeutet ein Bahnübergangsunfall häufig einen körperlich verletzten oder/und geschockten Lokführer/Lokführerin mit möglicher dauerhafter Berufsunfähigkeit und einen defekten Zug, der aufwendig repariert werden muss oder nur noch Schrottwert besitzt.

 

Anmerkungen

[i]         Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Daten und Fakten 2023. Berlin 2024, S. 24.

[ii]        Westfälische Nachrichten vom 29.2.2012: „Schleppkurve“ wird entschärft – Bahnübergang Richtung Mülldeponie wird verbreitert. Kurzlink-URL: https://t1p.de/4njr+, Karte: Kurzlink-URL https://t1p.de/feak+ (Stand beide 21.4.2024).

[iii]        Dazu gibt es das Gesetz über Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen (Eisenbahnkreuzungsgesetz), abgekürzt EBKrG.

[iv]        Antwort der Bundesregierung vom 19.2.2015 auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. In: Drucksache 18/4041, Anlage. Eigene Auswertung der Ursachen „Schleppkurve“ und „Eingeschränkte Sicht“.

[v]         Antwort der Bundesregierung vom 2.1.2019 auf die Kleine Anfrage der Fraktion der FDP. In: Drucksache 19/6787, S. 3.

[vi]        Seite „Wo sich Schiene und Straße kreuzen: Bahnübergänge“.
Kurzlink-URL: https://t1p.de/7yp9+ (Stand 20.2.2020, nicht mehr abrufbar).

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