Planung, Durchführung und Auswirkungen

Sie haben im Kapitel „Planung“ erfahren, dass eine Zugfahrt nur nach intensiver Planungsarbeit stattfinden kann. Bei Bauarbeiten wird nun der ausgeklügelte Jahresfahrplan umgeplant.

  • Zuerst gibt das Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen dem Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen die Baumaßnahme bekannt: Warum sind die Bauarbeiten nötig, welche Einschränkungen sind damit verbunden, wann soll die Baumaßnahme stattfinden, welche Züge sind betroffen?
  • Dann wird optimiert: Die Spielräume des Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmens werden mit denen des Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmens abgeglichen. Im Idealfall finden die Beteiligten eine bessere Lösung mit geringeren Folgen für die Fahrgäste, bzw. auch eine, bei denen die beteiligten Unternehmen möglichst wenig finanziellen Aufwand haben.
  • Spannend wird es, wenn mehrere Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen betroffen sind. Dann kann es zu längeren Abstimmungsrunden kommen. Bei Nicht-Einigung oder Schwierigkeiten der Planung und Durchführung der Bauarbeiten wird in einzelnen Fällen die Bundesnetzagentur eingeschaltet. Diese hat auch den „Runden Tisch Baustellenmanagement“ eingeführt, um Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen.[i]
  • Sobald ein grundsätzlicher Konsens erzielt ist, beginnt die Detailplanung: Ein endgültiger Baufahrplan wird erstellt, darauf plant das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen die Zugumläufe und den Personaleinsatz neu.
  • Auch die Abläufe bei den Arbeiten selbst werden minutiös geplant: Jeder Maschineneinsatz ist minutengenau vorausberechnet, jeder Personaleinsatz, jeder Handgriff. Die Verfügbarkeit der großen Spezialmaschinen wird mindestens über Monate im Voraus disponiert, jede Verzögerung im Bauablauf bedeutet massive Auswirkungen auf die laufende oder folgende Baumaßnahme.

Bauarbeiten wegen Reparatur, Sanierung und Neubau sind bei der Bahn an der Tagesordnung. Viele Baumaßnahmen werden Sie gar nicht bemerken, aber bei etlichen kommt es zu Änderungen des normalen Ablaufs:

  • Es kommt geplant zu Fahrzeitverlängerungen, Ersatz von Zügen durch Busse und verminderter Platzkapazität, Ausfällen von Halten oder Umleitungen.
  • Auch der Einsatz von anderen Fahrzeugen ist möglich, ebenso andere Zugbildungen (z. B. Doppeltraktion statt Dreifachtraktion).
  • Doch geplante Bauarbeiten sorgen auch für ungeplante Abweichungen: Insbesondere können sich Züge verspäten oder ganz ausfallen.

Bauarbeiten sind teuer: Kunden springen ab, die Bauarbeiten selbst kosten immense Beträge, Ersatzbusse kosten, wie auch die Planung und Organisation, sehr viel zusätzliches Geld. Bei der Planung von Bauarbeiten werden die Auswirkungen auf die Fahrgäste immer mit betrachtet und sie sind – neben der finanziellen Seite und der Baudurchführung – der entscheidende Faktor, auf welche Weise gebaut wird. Es gelten folgende Prioritäten:

  1. Bauarbeiten finden nachts während der Betriebsruhe statt, um den Bahnverkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen. In diesem Fall werden vielleicht ein oder zwei Züge ausfallen und durch Busse ersetzt, ansonsten werden die meisten Fahrgäste davon nicht viel merken.
  2. Wenn die Bauarbeiten nicht innerhalb weniger Stunden zu erledigen sind oder die nächtliche Betriebsruhe zu kurz ist, fallen Bauarbeiten oft auf Wochenenden oder verlängerte Wochenenden mit Brückentagen.
  3. Ferienzeiten mit geringerem Pendlerverkehr werden für die noch aufwendigeren Baumaßnahmen genutzt.
  4. Wenn es unumgänglich ist, auch während der Woche außerhalb der Ferien zu arbeiten, dann versuchen die Planer, wenigstens ein Gleis befahrbar zu halten. Dann werden in aller Regel die Züge so gefahren, dass sie die maximal mögliche Länge besitzen. Oft müssen dann wegen der deutlich reduzierten Kapazität der Strecke bestimmte Zuggattungen ausfallen und die Halte einer Regionalbahn werden beispielsweise durch eine parallel verkehrende S-Bahn mit übernommen.
  5. Im Extremfall wird die Strecke komplett gesperrt. Auch hier gilt: zuerst am Wochenende und als Letztes im Berufsverkehr. Fernverkehrszüge werden nach Möglichkeit großräumig umgeleitet. Für den Nahverkehr (Fernverkehr: nur selten) kommt der sogenannte „Schienenersatzverkehr“ (SEV) ins Spiel: Die Züge werden durch Busse ersetzt. Das ist immer mit großem Zeitverlust verbunden, mit erschwerter Orientierung, sehr hohem Planungsaufwand und mit Unsicherheiten bei den Anschlüssen.

Bei Bauarbeiten wird schwerstes Spezialgerät genutzt. Eisenbahnkräne können weit über 100 t Gewicht heben und Gleisbauzüge sind oft mehrere hundert Meter lang. Derartige Maschinen sind nötig, um die fest verbaute, schwere Infrastruktur zu erneuern oder neu zu bauen. Dennoch ist der Gleisbau trotz aller Schwergewichte immer auch Arbeiten im Millimeterbereich, teils sogar im Zehntel-Millimeterbereich. Gleisabstände und Überhöhungen, Neigungen und Kurven – da geht es in die absolute Präzisionsarbeit hinein. Und auch beim Bau von Oberleitungen und der Leit- und Steuerungstechnik berühren sich Bereiche schwerster Technik mit solchen, wo es sehr sorgfältig und feinfühlig zugeht.

Auch wenn ein Ziel der Baustellenplanungen die möglichst geringe Beeinträchtigung der Fahrgäste ist, spielt gleichzeitig die Verfügbarkeit von bestimmten Spezialbaumaschinen eine Rolle. Hinzu kommt, dass nicht jede Arbeit bei jeder Witterung erledigt werden kann.

In der Planung der Bauarbeiten kann das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen manchmal zwischen zwei Bauvarianten wählen:

  1. Eine durchgehende Sperrung der gesamten Strecke von beispielsweise zwei Wochen Dauer.
  2. Eine eingleisige Sperrung, bei der noch einige Züge fahren können, für beispielsweise fünf Wochen Dauer, allerdings mit wechselnden Bauzuständen. Das bedeutet, dass es verschiedene Bauphasen gibt, in denen sich die Fahrpläne ändern.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Als Fahrgast können Sie sicher sein, dass Baustellen mit großen Auswirkungen im Vorfeld lange, intensiv und kontrovers diskutiert worden sind. In solchen Fällen reden nicht nur Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen miteinander, sondern auch Aufgabenträger schalten sich ein, die örtlichen Fahrgastverbände ebenfalls, die Fahrgäste melden sich zu Wort, und die Medien greifen das Thema ebenfalls gern auf. In der Regel ist der Druck so groß, dass alle Verantwortlichen mit großem Engagement versuchen, die bestmögliche Lösung zu finden.

Anmerkung

[i]         Bundesnetzagentur (Hrsg.): Jahresbericht 2017, S. 120f. Bonn 2018.

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