Folgeverspätungen

Neben den bisher aufgelisteten Einflüssen gibt es noch einen weiteren Einfluss auf die Pünktlichkeit: Folgeverspätungen. Diese entstehen als Folge der Verspätung eines anderen Zuges und gehören zu den wesentlichen Einflüssen auf die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Wie entstehen Folgeverspätungen genau? In integralen Taktfahrplänen sind wegen der Anschlüsse und aufgrund der betrieblichen Abhängigkeiten wie beispielsweise einer dichten Streckenbelegung oder bei Flügelzugkonzepten sehr viele Züge voneinander abhängig.

Ein einziger verspäteter Zug beeinflusst in aller Regel mindestens einen oder mehrere weitere Züge negativ, die ihrerseits wieder mehrere Züge verspäten. Je dichter die Strecken belegt sind, je weniger fahrplantechnische Spielräume, je knapper die Wendezeiten und die Anschlüsse, desto stärker tritt dieser Schneeballeffekt auf. Wenn er in einem stark ausgelasteten Netz morgens beginnt, erholt sich die Pünktlichkeit in der Regel nicht mehr oder nur noch minimal. Das sind dann die unbefriedigenden Tage mit dem Verkehrsmittel Bahn, wenn gefühlt nicht mehr viel richtig rundläuft.

Netzbetreiber und Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen reagieren darauf, indem sie beispielsweise

  • ausgewählte Anschlüsse nicht gewähren,
  • Züge vollständig ausfallen lassen,
  • Züge nicht bis zum Endbahnhof fahren lassen, sondern vorzeitig wenden.

Dies sind Möglichkeiten, diesen Schneeballeffekt zu durchbrechen. Für die betroffenen Fahrgäste, die in den jeweiligen Zügen sitzen, ist das unverständlich und ärgerlich, doch für das gesamte System und somit für die Mehrheit der Fahrgäste haben derartige Maßnahmen in der Regel positive Wirkungen.

Folgeverspätungen sind ein absolut relevanter Einflussfaktor: im bayerischen Nahverkehr beispielsweise waren 2023 tatsächlich 60 % der verspäteten Züge nur deswegen verspätet, weil es sich um die genannten „Folgeverspätungen“ handelte.

Nach oben scrollen