Suizide

Selbsttötungen mittels der Bahn sind ein trauriges Thema und es fällt schwer, diese unter dem Aspekt der Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit abzuhandeln.

Tatsache ist es, dass der Bahnsuizid eine häufige Methode ist, um sich das Leben zu nehmen. Sie ist allerdings hinsichtlich des Ausgangs wenig sicher: Von 868 Suizidversuchen mit der Bahn im Jahr 2017 überlebten 97 Menschen mit schwersten Verletzungen.[i]

Suizide bei der Bahn werden mittels „Notarzteinsatz am Gleis“ oder „Personenschaden“ kommuniziert, um keine Nachahmungen zu animieren. Die Medien haben aus dem gleichen Grund einen Pressekodex vereinbart, zurückhaltend zu berichten.[ii] Das bedeutet aber auch, dass Fahrgäste hin und wieder mit unzureichenden Erklärungen bedient werden, bei denen man vielleicht den Kopf schüttelt. Jetzt wissen Sie, dass dahinter manchmal so viel steckt, dass eine vielleicht unbeholfen wirkende Wortwahl mancher Durchsagen erklärbar wird.

Ein Schienensuizid hat immer mehrere Opfer. Nicht nur derjenige, der den Suizid versucht, ist betroffen. Sondern genauso der Lokführer, der aufgrund des langen Bremswegs seines Zuges unausweichlich auf denjenigen zufährt, der Suizid begehen will. Er hat so gut wie keine Chance, den Zusammenprall zu vermeiden. Lokführer erleben im Laufe ihres Berufslebens mit einiger Wahrscheinlichkeit mindestens einen oder mehrere Suizidversuche. Trotz aller professionellen Betreuung hinterher fallen Lokführer wochen- bis monatelang aus, tragen nicht selten eine langandauernde posttraumatische Belastungsstörung davon, nicht wenige werden dauerhaft berufsunfähig.

Auch für das sonstige, in der Regel zahlreich eingesetzte Personal am Unfallort (z. B. Notarzt, Feuerwehr, Bestatter, Bundespolizei, Eisenbahnbetriebsleiter, Notfallmanager, Angehörige des Kriseninterventionsteams) bedeutet ein Suizidversuch maximale Belastung.

Die Fahrgäste sind von einem Suizidversuch direkt oder indirekt betroffen:

  • Augenzeugen, sofern vorhanden, können einen Schock erleiden und haben mit Spätfolgen zu kämpfen.
  • Die betreffende Bahnstrecke wird für die Dauer der Ermittlungen und der Bergung in der Regel rund zwei Stunden gesperrt, manchmal auch länger. Sperrungen werden oft recht großzügig durchgeführt und es können auch mehrere benachbarte Gleise und Strecken davon betroffen sein.

 

Anmerkungen

[i]         EBA (Hrsg.): Bericht des Eisenbahn-Bundesamts gemäß Artikel 18 der Richtlinie über Eisenbahnsicherheit in der Gemeinschaft 2017,
Anhang A 3. Bonn 2018.

[ii]        Seite „Der Enke-Effekt“. Kurzlink-URL: https://t1p.de/yxim+ (Stand 20.2.2020) und Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (Hrsg.): Empfehlungen zur Berichterstattung über Suizide (Stand 19.4.2024).

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