Fehlendes Fahrpersonal

Es kommt zwar auch vor, dass Zugpersonal oder Fahrdienstleiter verschlafen oder dass Schichten wegen hohen Krankenstands nicht besetzt werden können und kein Ersatz zu finden ist, doch das geschieht nur selten und ist deswegen hier nicht das Thema. Wichtiger ist das mittlerweile verbreitet auftretende Phänomen, dass offene Arbeitsstellen nicht mehr besetzt werden können.

Es wird immer deutlicher, dass in Deutschland massiver Fachkräftemangel herrscht. Das gilt auch für die Bahn und den öffentlichen Personennahverkehr als Verkehrsbranche insgesamt. Früher war der Lokführer Traumberuf vieler Jungen, heute ist Personal gerade in diesem Bereich, obwohl inzwischen längst kein Männerberuf mehr, ein echter Mangel.

Die Zeitungen sind inzwischen voll von Nachrichten, dass Zugleistungen teils sogar auf ganzen Linien ausfallen oder dass nach Ausschreibungen Netze nicht vollständig in Betrieb gehen können, weil nicht ausreichend Lokführerinnen und Lokführer Interesse zeigen.

Für diesen Umstand werden eine Reihe von Gründen angeführt, beispielsweise:

  • Die Diskussion um autonomes Fahren schafft Verunsicherung.
  • Die Dienstpläne sind teilweise wenig attraktiv.
  • Es gibt Branchen, in denen man besser verdient.
  • Die Lebenshaltungskosten entsprechen in den Ballungsräumen nicht dem Verdienst.
  • Das Image der Bahn ist ziemlich desolat.

So kommt es zu Berichten wie beispielsweise:

  • „Im bayerischen Schienen-Nahverkehr fallen derzeit großflächig Züge aus. Es geht um hunderte Verbindungen, teils werden ganze Strecken über mehrere Wochen stillgelegt. […] Grund dafür ist ein akuter Lokführermangel. Betroffen sind vor allem private Verkehrsunternehmen: die Bayerische Regiobahn (die zum französischen Transdev-Konzern gehört) und die Länderbahn mit ihren Marken Alex und Oberpfalzbahn (Mehrheitseigentümer: die italienische Staatsbahn FS), aber auch agilis (Mehrheitseigentümer: Hamburger Hochbahn).“[i]
  • „Im Netz der Regio-S-Bahn rund um Bremen sind am Freitag zahlreiche Zugverbindungen ausgefallen. Die Nordwestbahn musste mehr als 30 Verbindungen streichen. Grund dafür sind dem Unternehmen zufolge Personalengpässe – wie schon bei ähnlichen Ausfällen in der Vergangenheit. Der Grund diesmal seien aber nicht nur Krankheitsausfälle, so eine Unternehmenssprecherin. Seit Anfang des Jahres gelte ein neuer Tarifvertrag mit mehr Urlaubstagen.“[ii]
  • „Wegen des massiven Personalmangels bei der Deutschen Bahn wird es voraussichtlich auch in Zukunft zu Zugausfällen und Verspätungen im laufenden Betrieb kommen. Das Unternehmen will allein in diesem Jahr 2000 neue Lokführer anstellen, bestätigte ein Sprecher dem SPIEGEL. ,Wir stellen massiv ein, um unsere Kapazitäten zu erhöhen‘, sagte der Sprecher.“[iii]

Die Unternehmen haben vor diesem Hintergrund vielfältige Maßnahmen ergriffen, beispielsweise:

  • verstärkte Ausbildung,
  • Einstellung von ausländischen Fachkräften inklusive Sprachkursen,
  • brancheninterne Nicht-Abwerbe-Pakte,
  • runde Tische mit Ministerien,
  • Zurverfügungstellung von Wohnraumkapazitäten für Lokführerinnen und Lokführer in Ballungsräumen.

Derartige Aktivitäten zeigen jedoch keine kurzfristige Wirkung, und es ist damit zu rechnen, dass dieses Problem noch über längere Sicht hin die Branche begleiten und die Fahrgäste beeinträchtigen wird.

 

Anmerkungen

[i]         Bayerischer Rundfunk (Hrsg.): Zugausfälle bei der Bahn – Landtag fordert Abhilfe. Artikel vom 18.7.2019 in BR 24. Kurzlink-URL https://t1p.de/kzmg+ (Stand 20.2.2020, nicht mehr abrufbar).

[ii]        Radio Bremen (Hrsg): Nordwestbahn muss zahlreiche Zugverbindungen streichen. Artikel vom 31.5.2019 in „buten un binnen“. Kurzlink-URL https://t1p.de/o86q+ (Stand 20.2.2020, nicht mehr abrufbar).

[iii]        DER SPIEGEL (Hrsg.): Lokführermangel | Personal fehlt – Bahn-Verspätungen weiter garantiert. Artikel in DER SPIEGEL vom 12.8.2019. Kurzlink-URL https://t1p.de/ffxo+ (Stand 19.4.2024).

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