Streik

Streiks bei der Bahn sind ein hochemotionales Thema. Alle paar Jahre kommen sie vor und betreffen dann je nach Streikstrategie und -schwerpunkten ganze Bundesländer, einzelne Netze, bestimmte Tage oder Uhrzeiten oder bestimmte Eisenbahnverkehrs- oder -infrastrukturunternehmen. Sie können einmal vorkommen (wie 2019) oder mehrere Male hintereinander (wie 2007, 2014 und 2024).

Dahinter steckt einerseits die vehemente Forderung nach Verbesserung der sozialen Bedingungen, beispielsweise bei der Dienstplangestaltung, die Erhöhung der Löhne zur Attraktivierung der Arbeitsplätze, der Abschluss von Tarifverträgen bei privaten Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen, nicht zuletzt aber auch ein Konkurrenzkampf zweier Gewerkschaften. Streiks bei der Bahn haben eine hohe Öffentlichkeitswirksamkeit und sind im allgemeinen öffentlichen Bewusstsein sehr stark verankert, auch wenn sie nur sporadisch vorkommen und deren Auswirkungen auf die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit angesichts anderer Ursachen im langjährigen Mittel eher gering sind.

Wenn Streiks stattfinden, dann werden sie allerdings vehement durchgesetzt. Da bei der Bahn alles mit allem sehr eng zusammenhängt, genügt ein einziger streikender Fahrdienstleiter, um eine Strecke oder einen Bahnhof lahmzulegen. Ebenfalls kann ein streikender Lokführer je nach Örtlichkeit zahlreiche Linien über Stunden blockieren.

Streiks folgen üblicherweise nach bestimmten Spielregeln:

  • Es gibt eine mehr oder minder angemessene Ankündigungsfrist von mehreren Stunden bis Tagen.
  • Züge mit Fahrgästen bleiben nicht auf freier Strecke, sondern in Bahnhöfen stehen.

Normalerweise streiken die beiden Gewerkschaften nicht zeitgleich, sodass es je nach Vorlaufzeit und Örtlichkeit möglich ist, bestimmte Züge (Größenordnung: um die 20 % des Normalfahrplans) nach einem Notfahrplan fahren zu lassen. Dabei gibt es allerdings eine große Unsicherheit: denn die Bahnmitarbeiter müssen ihre Gewerkschaftszugehörigkeit und Streikbereitschaft nicht bekannt geben. Somit sind Notfahrpläne auch nicht ganz zuverlässig, dennoch zumindest ein Anhaltspunkt, dass das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen damit rechnet, dass überhaupt Züge fahren.

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