Extremereignisse: Hochwasser und Gewitter

Hochwasserereignisse können in Deutschland zu jeder Jahreszeit auftreten, schwere Gewitter hingegen vorwiegend im Sommer. Diese Wettereinflüsse auf die Bahn sind seltener und haben zumeist geringere räumliche Auswirkungen als Schneefall und Stürme. Bahntrassen sind zumindest in Mittelgebirgen relativ hochwassersicher angelegt, sie sind deswegen deutlich seltener betroffen als die parallelen Straßen, die meist niedriger liegen. Allerdings wirken extreme Hochwasser wesentlich nachhaltiger als Stürme: Wenn ein Bahndamm erst mal richtig durchgeweicht oder gar unter- oder fortgespült ist, dauert die Reparatur Wochen bis Monate, teils jahrelang. Das liegt nicht nur am Unter- und Oberbau der Trasse, sondern auch an der Oberleitung und der Leit- und Sicherungstechnik, die dann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bekannt geworden sind beispielsweise das Hochwasser 2013, das die ICE-Schnellfahrstrecke Berlin–Hannover unterbrach, sodass fast fünf Monate lang kein Betrieb mehr möglich war bei einem Schaden von rund 150 Mio. Euro; oder die Überflutung des Bahnhofs Dresden 2002. Dieses große Hochwasser zerstörte zusätzlich eine Bahnstrecke auf 15 km Länge, erst nach einem 14 Monate dauerndem Neubau ging diese dann wieder in Betrieb, der Schaden betrug bei der Bahn etwa 1.025 Mio. Euro.[ii]

Noch gravierender war das Hochwasser 2021, das insbesondere in den Mittelgebirgsregionen Deutschlands (hier besonders in der Eifel) Schäden in Höhe von 1,3 Milliarden Euro ausrichtete – 180 Bahnübergänge, rund 40 Stellwerke, über 1000 Oberleitungs- und Signalmasten und 600 Kilometer Gleise wurden in einer einzigen Nacht unter anderem zerstört. Im Falle der fast zur Hälfte komplett weggespülten Ahrtalbahn dauert der Wiederaufbau rund 4 Jahre.

Wenn die Störungsursachen wie beim Hochwasser längere Zeit als nur wenige Tage dauern, wird ein Ersatzprogramm in Form von Schienenersatzverkehr und/oder Umleitungen mit einem neuen Fahrplan aufgestellt, das möglichst stabil und gegenüber den Kunden gut kommunizierbar ist. Dann ist die Einschränkung zwar immer noch vorhanden, allerdings ist sie kalkulierbar.

Gewitter haben manchmal weiträumige Auswirkung in Kombination mit Stürmen und schweren Regenfällen. Aber meist bleibt es bei örtlichen oder regionalen Auswirkungen. Bäume stürzen um, Äste fallen auf die Gleise. Auch können Blitze in den Zug, in die Oberleitung oder ins Stellwerk einschlagen. Menschen sind deswegen zwar in der Regel nicht in Gefahr, jedoch wird die betroffene Technik in Mitleidenschaft gezogen: Das Stellwerk kann ausfallen oder der Zug liegenbleiben. Das führt in der Regel dann zu Streckensperrungen, die zwischen Minuten und Stunden dauern können.

 

Anmerkung

[ii]         Kurzlink-URL https://t1p.de/p1b3+, https://t1p.de/dwxy+ und https://t1p.de/p116+ (alle Stand 21.4.2024).

 

Der Rest der Ahrtalbahn 2 Wochen nach dem Hochwasser 2021: Der Damm, auf dem die Bahntrasse verlief, lag etwa 9 Meter über der Ahr. Er wurde hier vollkommen weggespült. Deutlich wird, wie kompliziert sich dann ein Wiederaufbau an einer so unzugänglichen Stelle gestaltet. Und es geht nicht nur um die Frage, wie das Baumaterial an Ort und Stelle gebracht werden kann. Sondern auch: Wie schützt man die Strecke künftig, damit solche Schäden bei vergleichbaren Ereignissen nicht wieder auftreten? Verlegen? Andere Baukonstruktion?
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