Herbst: Rutschige Schienen

Insbesondere feuchtes Herbstlaub sorgt für rutschige Schienen. Metallrad und Metallschiene haben ohnehin nur eine sehr geringe Reibung[i], und wenn sie dann zusätzlich noch rutschiger werden, können die Züge nicht so schnell beschleunigen oder abbremsen, wie im Fahrplan vorgegeben, und es kommt zu netzweiten Verspätungen.

Das können Sie sich vorstellen wie Glatteis oder Schnee auf der Straße, wo Sie mit dem Auto oder dem Fahrrad nur noch schlecht Ihre Geschwindigkeit erhöhen oder verringern können. Allerdings kommt ein Zug dadurch nicht in Schleudern oder gerät gar auf das andere Gleis.

Eine weitere, sehr bahnspezifische Folge: Die Metallräder drehen beim Beschleunigen auf den schmierigen Schienen durch und blockieren beim Abbremsen. Dadurch werden die Schienen wie auch die Räder unregelmäßig abgenutzt und es entstehen sogenannte „Flachstellen“.

Diese Räder sind dann unrund und das spüren Sie beim Fahren als Komfortmangel – der Zug wackelt und ruckelt, diese Fahrzeuge müssen umgehend in die Werkstatt. Dort werden die Räder um Bruchteile von Millimetern „abgedreht“, d. h. eine dünne Schicht Metall wird auf einer Unterflurdrehbank[ii] entfernt, sodass die Räder im wahrsten Sinne des Wortes wieder rund laufen. Daraus folgt dann aber auch, dass wegen der deutlich häufigeren Werkstattaufenthalte weniger Züge zur Verfügung stehen – als Fahrgast merken Sie das an verkürzten Zügen mit geringerem Platzangebot und Zugausfällen.

Rutschige Schienen können Sie spüren. Insbesondere die relativ leichten Nahverkehrstriebwagen mit ihrer hohen Beschleunigungskraft sind davon betroffen. Wenn diese Züge nach einem Halt am Bahnhof mit voller Kraft versuchen anzufahren, dann drehen die Räder durch und der Zug gewinnt nur mühsam an Fahrt.

Die Bahn tut einiges dagegen: Änderungen der Steuersoftware (eine Art ESP oder Fahrdynamikregelung wird einprogrammiert), Schulungen der Lokführer und der Einsatz von Gleisreinigungszügen. Außerdem besitzen alle Züge sogenannte „Besandungseinrichtungen“: Beim Bremsen wird bei Bedarf Sand vor die Räder gestreut.[iii]

Alle Maßnahmen zusammen können das Problem kleiner machen, jedoch nicht komplett lösen. Hauptsächlich Waldstrecken mit Steigungen sind betroffen, und diese wiederum besonders an Tagen mit Nieselregen oder generell hoher Luftfeuchtigkeit. Das kann sogar dazu führen, dass einzelne Streckenabschnitte zeitweilig nicht mehr befahrbar sind.

Letzteres kommt selten vor, doch Verspätungen, Zugausfälle oder verkürzte Züge sind an nebelfeuchten oder regennassen Herbsttagen recht häufig.

 

Anmerkungen

[i]         Dieses Thema wurde in der Einleitung zum Abschnitt „System“ genauer beschrieben.

[ii]        Die Funktionsweise einer Unterflurdrehbank und deren Präzisionsarbeit können Sie in diesem Video genauer ansehen: Kurzlink-URL https://t1p.de/ksq9+ (Stand 19.4.2024).

[iii]        Jedes Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ist Großabnehmer von Streusand, der in Tanks an der Fahrzeugaußenseite in Radnähe gespeichert und bei Bedarf vor die Räder geblasen wird. Das erhöht die Reibung zwischen Schiene und Räder. Ein anschauliches Video der Kölner Verkehrsbetriebe unter Kurzlink-URL https://t1p.de/wzoe+ (Stand 19.4.2024).

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