Was Sie als Fahrgast bei Informationsdefiziten tun können

Maßnahmen vor der Fahrt

Vor Ihrer Fahrt sollten Sie noch einmal die Verbindung überprüfen, ob bislang alles planmäßig verläuft oder ob schon jetzt absehbar ist, dass eine größere Störung eintreten wird (z.B. angekündigtes Unwetter) oder bereits stattgefunden hat. Entsprechende Apps, Newsticker, Pushnachrichtendienste und Websites sind zahlreich vorhanden, je nach Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen oder Verkehrsverbund suchen Sie die für sich passenden Dienste heraus. Dazu ist etwas Recherchearbeit erforderlich. Hier ein paar Beispiele:

Es gibt angekündigte Großstörungen, die insbesondere mit extremen Wetterereignissen und der terminierten Entschärfung von Fliegerbomben zu tun haben. In solchen Fällen überlegen Sie sich zweimal, ob Sie Ihre Fahrt wirklich antreten wollen.

Auch wenn Sie in einem Newsticker oder einer Push-Nachricht erfahren, dass Ihre Strecke ungeplant gesperrt ist, sollten Sie sich klarmachen, dass nicht nur die Betriebslage schwierig ist (Zugausfall, Busnotverkehr), sondern dass auch Informationen nicht so präzise kommen werden, wie es nötig wäre.

 

Informationen beurteilen

Schauen Sie zunächst, welche Informationen aus welchen Quellen kommen.

  1. Wenn überhaupt keine Informationen vorliegen, dann ist die Störungsursache gerade erst wirksam geworden.
    Eisenbahn-Verkehrs- und Infrastruktur-Unternehmen haben dann selbst noch kein Bild davon und sind im Hintergrund u.a. damit beschäftigt, ein passendes Informations- und Betriebskonzept zu entwickeln.
    In diesem Fall können Sie erst mal nur abwarten, bis über irgendeinen Kanal Informationen zu fließen beginnen. Unter Umständen erfahren Sie zuerst von privater Hand aus einem Kanal wie Twitter oder WhatsApp, welcher Art die Störung ist. Das ist möglich, weil Betroffene und Augenzeugen in der Regel umgehend beginnen zu kommunizieren, wohingegen die offiziellen Bahnstellen erst versuchen, valide Informationen zu gewinnen und sich absprechen müssen.
  2. Nach einiger Zeit – und hier handelt es sich oft um einige Minuten bis vielleicht eine Viertelstunde – werden Sie bahnseitig eine qualitative Beschreibung der Störung in Newstickern, Mailings zur Betriebslage, auf den Internetseiten und Apps unter Rubriken wie „Betriebslage“ oder „Aktuelles“ erhalten. Dort erfahren Sie, was sich in welcher Region oder auf einer bestimmten Strecke ereignet hat und wie es auf einzelnen Linien aussieht. Diese Informationen bekommen Sie dann auch über die Monitore in den Bahnhöfen oder mittels Ansage. Daraus können Sie für sich schon einige Schlüsse ableiten.
  3. Schauen Sie nach, ob Sie verlässliche aktuelle, zugbezogene Informationen über die Fahrplanauskunft und im DB Navigator, über Monitore und Ansagen im Bahnhof erhalten. Oder sind diese Informationen fehlerhaft, unvollständig oder gar nicht vorhanden? Ändern sich Prognosen und Informationsinhalte häufiger?

 

Wirksamkeit der Störung ableiten

Aus den verfügbaren Informationen und den Informationsdefiziten können Sie ableiten, wie groß die Störung ist, wie lange sie dauern könnte und was zu tun ist.

Generell sind die Informationen schlechter und allgemeiner, je mehr Züge betroffen sind und je kürzer der zeitliche Abstand zum auslösenden Ereignis ist. Umgekehrt: Je länger die Störungsursache zurückliegt, desto detaillierter und verlässlicher wird die Information.

In solchen Fällen müssen Sie dann jedoch, ähnlich wie beim Busnotverkehr, eine Entscheidung unter Unsicherheit treffen. Es kann eine gute Entscheidung sein oder eine weniger gute: Sie können erst im Nachhinein feststellen, ob Ihre Wahl gepasst hat oder nicht.

Empfehlenswert ist folgende Strategie:

  • Feststellen, ob die Störungsursache beseitigt ist. Falls ja, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass trotz fehlender oder verkehrter zugbezogener Information in nicht allzu ferner Zeit ein Zug in Richtung Ihres Ziels fahren wird.
  • Falls die Störungsursache andauert, bewerten Sie, ob die Durchsagen am Bahnsteig plausibel sind: Sie können echten menschlichen Durchsagen in solchen Fällen eher vertrauen als vollautomatischen Ansagen.
  • Beurteilen Sie auch, ob die Prognosen korrekt sind: Sind es eher Prognosen nach dem Prinzip Hoffnung (die sich im Laufe der Zeit allerdings nicht bewahrheiten) oder ehrliche Aussagen, dass eine Prognose nicht möglich ist? Sie erkennen eine schlechte Prognosequalität, wenn sich Prognosen mit jeder Ankündigung immer weiter nach hinten verschieben, oder wenn trotz angekündigter Abfahrtszeit der Zug längst überfällig ist. Dann ist entweder die Störungsursache noch nicht beseitigt oder die Wechselwirkungen sind unkalkulierbar geworden.
  • Versuchen Sie, verschiedene Informationsquellen miteinander zu vergleichen, um das Gesamtbild zu vervollständigen und zu einer eigenen Entscheidung zu kommen.

 

Alternativen prüfen und entscheiden

Wenn absehbar ist, dass die Störungsursache in einem einigermaßen klaren Zeitraum beseitigt wird, können Sie damit rechnen, dass die Informationen fließen werden und auch der Betrieb sich wieder stabilisiert. Sie können dann auf zuverlässige Informationen hoffen und entscheiden, wie und ob Sie Ihre Fahrt fortsetzen.

Wenn hingegen die Informations- und Betriebslage wirklich völlig unklar und hoffnungslos erscheint, gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Auf bessere Informationen warten. Dies ist dann nötig, wenn Sie eigentlich keine Alternativen haben.
  • Die Fahrt abbrechen oder alternative Fahrtmöglichkeiten nutzen, wenn das für Sie möglich ist.

Wenn Sie tatsächlich in eine Großstörung geraten sind, deren Ende noch nicht absehbar ist und/oder wo keine vernünftigen Informationen kommen, kann es sinnvoll sein, sich eine Zeit lang daraus komplett zu entfernen und je nach persönlicher Situation, Möglichkeit und Vorliebe etwas ganz anderes zu tun:

  • Es kann helfen, sich einfach eine Stunde lang in ein Café zu setzen oder ein Mittagessen zu sich zu nehmen und abzuwarten,
  • sich abholen zu lassen,
  • ein ganz anderes Verkehrsmittel zu nutzen,
  • ungeplant zu übernachten,
  • eine spontane Stadtbesichtigung einzulegen,
  • bewusst etwas länger zu warten, bis Entspannung eingetreten ist. Denn häufig sind gerade die ersten Züge nach Beendigung einer Störung überfüllt und die etwas später verkehrenden Verbindungen dann wieder ganz normal nutzbar. Denn die überfüllten Züge verspäten sich tendenziell wegen des großen Andrangs noch weiter und in Kombination mit zahlreichen Durchsagen ist das Stresslevel in diesen Zügen dann eher hoch.

Dies scheinen vielleicht erst einmal absurde Vorschläge zu sein, da man üblicherweise dazu neigt, möglichst schnell weiterzukommen. Doch wenn Sie sich anders verhalten, als Sie es üblicherweise tun würden, kann das, natürlich situationsabhängig, in manchen Fällen durchaus zu einer deutlichen Entspannung führen. Denn bei Großstörungen sind Ihre Pläne ohnehin durcheinander und Sie können die Zeit möglicherweise besser nutzen. Selbst wenn Ihnen hinterher nur ein Teil des zusätzlich ausgegebenen Geldes über die Fahrgastrechte wieder erstattet wird, hatten Sie vermutlich eine qualitativ bessere Zeit im Vergleich zu einem unsicheren, langen Warten in hochemotionaler Atmosphäre.

Nach oben scrollen