Zugbezogene Fahrgastinformation

Bei Streckensperrungen ist aus Fahrgastsicht die zugbezogene Information besonders wichtig, aber oft steht diese sehr stark in der Kritik. Zu Recht, ohne Zweifel. Weshalb dort nur langsam Fortschritte erkennbar sind, liegt an etlichen Ursachen, die sich in ihrer Wirkung überlagern:

  • Die zwingend erforderliche IT-Unterstützung, um solche Situationen zu beherrschen, ist häufig nur innerhalb des jeweiligen Unternehmens vorhanden. Zwar sind rechnergestützte Betriebsleitsysteme oder vergleichbare Lösungen inzwischen Standard, doch diese machen an den Unternehmensgrenzen Halt.
    Das bedeutet, dass das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen vielleicht den Störfall abbilden kann oder könnte, doch die Schnittstellen zu den Systemen von DB Netz AG oder DB Station & Service AG oder anderen Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen sind nicht unbedingt so ausgebildet, dass sie überhaupt eine automatisierte Kommunikation zulassen, oder ggf. ist sie nur zeitverzögert oder nicht mit den Dateninhalten und -mengen möglich, wie es nötig wäre.
    Somit fehlt nicht selten eine zugbezogene, automatisierte und komplett durchgängige Information zwischen den Unternehmen, was natürlich dann besonders schwierig ist, wenn bei Streckensperrungen viele Züge gleichzeitig betroffen sind.
  • Es ist noch immer nicht Standard, dass jedes Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ganz genau weiß, wo sich im Störfall, wenn alles durcheinandergerät, ein Fahrzeug mit einer bestimmten Fahrzeugnummer befindet. Das ist ein Thema fehlender GPS-Ortung oder fehlender GPS-Ausleuchtung. Viele Züge werden ausschließlich über die Leit- und Sicherungstechnik lokalisiert, die zwar extrem sicher, aber in Bezug auf eine exakte Ortung und somit für Zwecke der Fahrgastinformation oft nicht hinreichend genau ist.
    Hinzu kommt, dass sich diese Lokalisierung auf Zugnummern in Verbindung mit einem gültigen Fahrplan bezieht, nicht aber auf ein bestimmtes Fahrzeug mit einer bestimmten Fahrzeugnummer. Diese Zuordnung ist nur in den Hintergrundsystemen möglich. Wenn aber im Falle einer großen Streckenunterbrechung die Züge in großer Zahl außerplanmäßig wenden und neue Zugnummern und neue Fahrpläne bekommen, geht innerhalb kurzer Zeit das Wissen verloren, welche Fahrzeugnummer sich hinter einer bestimmten Zugnummer verbirgt.
    Doch die korrekte Fahrzeugnummer ist für die Disposition unerlässlich, beispielsweise um dem Fahrpersonal das richtige Fahrzeug zuzuordnen, die Platzkapazitäten zu kennen, den nächsten Werkstatttermin zu disponieren, ohne den eine Fahrt ggf. auf keinen Fall durchgeführt werden darf.
  • Die Auskunftssysteme sind nicht grundsätzlich in der Lage, die Echtzeitdaten und Meldungen von unterschiedlichen Verkehrsunternehmen in der erforderlichen Qualität zu verarbeiten. Teils sind die IT-Systeme gewachsene, unternehmensspezifische Lösungen, teils sind zwar Standardlösungen in Einsatz, allerdings in völlig unterschiedlichen Entwicklungsgenerationen.
    Teils ist auch die Finanzierung geeigneter neuer Lösungen nicht gesichert und manchmal mangelt es an geeigneten Zielbildern und der nötigen Fachkompetenz für dieses außerordentlich komplexe Thema.

Diese Gründe führen dazu, dass die Fortschritte in der Fahrgastinformation, was die großen Ereignisse wie Streckensperrungen betreffen, nur langsam bei den Fahrgästen ankommen.

Dennoch, perspektivisch sind weitere und auch spürbare Verbesserungen in diesem Bereich wahrscheinlich. Diese werden jedoch fahrgastseitig nicht unbedingt wahrgenommen, weil eine korrekte Fahrgastinformation als Selbstverständlichkeit erwartet wird und außerdem die Ansprüche in Zeiten der allgemeinen Digitalisierung ständig wachsen.

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