Auslastung der Nahverkehrszüge

Im SPNV ist die Situation noch deutlicher als im Fernverkehr. Das Umweltbundesamt geht von lediglich 21 % Auslastung im bundesweiten Durchschnitt aus.[i] Zu den Hauptverkehrszeiten in, zwischen und um die Ballungsräume herum sind die Züge deutlich überfüllt, und durch das Deutschlandticket sind jetzt auch bestimmte RE-Verbindungen dauerhaft gut besucht, aber ansonsten sind zahlreiche Züge nur minimal ausgelastet: Es gibt genügend freie Kapazitäten, die mit etwas Flexibilität auch nutzbar sind.

Immer wieder kommt die Frage, weshalb die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen entgegen der Lastrichtung lange, leere Züge fahren lassen, wo sie doch in der Gegenrichtung viel mehr benötigt werden. Dies findet umlaufbedingt statt – die Fahrzeuge fahren, stark vereinfacht ausgedrückt, immer hin und her. Wenn beispielsweise bei der S-Bahn Hamburg morgens um 7.30 Uhr eine S-Bahn der Linie S3 mit maximaler Kapazität in Dreifachtraktion von Neugraben (am Stadtrand von Hamburg, siehe Netzplan) über Hamburg Hbf zur Elbgaustraße (ebenfalls Richtung Stadtrand gelegen) fahren soll, dann fährt sie stadteinwärts in die City sehr voll und stadtauswärts gibt es mit Sicherheit freie Kapazitäten.

Und wenn dieses Fahrzeug in Dreifachtraktion dann von der Elbgaustraße wieder nach Neugraben zurückfährt, wiederholt sich das Ganze. Abends findet das Gleiche statt, nur umgekehrt, weil die Lastrichtung dann stadtauswärts ist. In allen Fällen ist ein Teil der Strecke sehr gut ausgelastet und ein Teil sehr gering. Als Alternative wäre es nur denkbar, den Zug unterwegs um einen Zugteil zu verstärken bzw. zu schwächen. Doch dies ist betrieblich nicht immer machbar. Die S-Bahn Hamburg hat, damit die Ressourcen optimal eingesetzt sind, stattdessen den Laufweg dieser Dreifachtraktion auf Neugraben – Elbgaustraße begrenzt, obwohl die S3 noch weit darüber hinaus fährt – dann aber nur in Einfach- oder Doppeltraktion.

 

Anmerkung

[i]         Umweltbundesamt (Hrsg.): Daten zum Verkehr. Ausgabe 2012.
Dessau 2012, Seite 32.

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