Perspektive

Wie bereits im Abschnitt „System“ ausführlich geschildert, sind auch in Deutschland große Veränderungen im Bereich der Mobilität zu erwarten. Angesichts der großen Aufgaben im Bereich des Klimaschutzes, der Stausituation auf den Straßen und der zunehmend weniger attraktiven Parkplatzsuche in den Städten, einhergehend mit einer signifikant spürbaren Verschlechterung der Lebensqualität, wird es ohne eine Verlagerung deutlicher Anteile des Verkehrs (neben beispielsweise Änderung der Antriebstechnik und besserer Auslastung der Autos) auf die Schiene nicht funktionieren.[i]

Es ist damit zu rechnen, dass die Schiene, ebenso wie auch der ÖPNV, langfristig Marktanteile gewinnen wird und mit einem weiteren starken Wachstum wird umgehen müssen. Erklärtes politisches Ziel ist es beispielsweise, auf der Schiene die Zahl der Fahrgäste bis 2030 zu verdoppeln. Viele Maßnahmen wurden dazu bereits in die Wege geleitet (vgl. insbesondere Kapitel „Bundespolitik“), doch es gibt noch weitere. Hier nun einige Beispiele, wie die Verkehrsunternehmen damit umgehen:

  • Vergrößerung der Kapazitäten durch den Kauf zusätzlicher Züge: beispielsweise bei der S-Bahn Hamburg 12 Triebfahrzeuge[ii] oder für die S-Bahn Rhein-Main 14 Fahrzeuge[iii];
  • Einsatz von Doppelstockzügen auch im Fernverkehr durch die Inbetriebnahme der Intercity 2-Züge oder im Nahverkehr durch Kauf der Twindexx Vario Doppelstocktriebwagen.
  • Redesign von Fahrzeugen wie dem ET 423 bei der S-Bahn München, wodurch das Angebot um 68 Plätze pro Triebfahrzeug steigt – bei den dort vorhandenen 238 Fahrzeugen dieser Baureihe geht es rechnerisch also um weit über 15.000 Plätze.
  • Erhöhung der Streckenkapazitäten um rund 20 % durch die Einführung des teil- und hochautomatisierten Betriebs mittels ETCS[v], wie er beispielsweise in Japan vergleichbar bereits seit vielen Jahren funktioniert.
  • Einsatz von Einstiegslotsen bei den S-Bahnen Rhein-Main, München und Stuttgart, damit sich der Abfertigungsvorgang beschleunigt und die Fahrgäste sich auf die gesamte Zuglänge verteilen.

 

Anmerkungen

[i]             Dieses absolute wie auch relative Wachstum im Öffentlichen Verkehr wird stattfinden müssen, trotz und wegen Entwicklungen und Maßnahmen wie Verteuerung der Energiekosten, Teilzeit, Heimarbeit, Stärkung des Radverkehrs und verbreiteter Nutzung von Videokonferenzen.

[ii]        Kurzlink-URL: https://t1p.de/hrb2+ (Stand 17.4.2024).

[iii]        Kurzlink-URL: https://t1p.de/xmpr+ (Stand 20.2.2020, nicht mehr abrufbar).

[v]         Deutsche Bahn (Hrsg): Digitale S-Bahn Hamburg: Referenzprojekt für die Anwendung neuer Technologien auf der Schiene. Presseinformation vom Juli 2018. URL: https://www.deutschebahn.com/resource/blob/3184414/145ce8cd5bad76aa15e7a03fd333cddb/20180712-TD-Digitale-S-Bahn-data.pdf (Stand 16.11.2019, nicht mehr abrufbar).

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