Situationen mit absolut überfüllten Zügen

Absolut überfüllte Züge, in denen sich für die meisten Menschen echtes Unbehagen und deutlicher Stress einstellt, kommen weniger im Regelverkehr in den üblichen Hauptverkehrszeiten, sondern eher in anderen Situationen vor, nämlich während oder im Nachgang von Störungen und zu Großveranstaltungen:

  • Bei einem ICE zur Hauptverkehrszeit, der normalerweise in Doppeltraktion fährt, fehlt ein Zugteil.
  • Ein Zug fällt zur Hauptverkehrszeit ersatzlos aus und alle Reisenden wollen mit dem folgenden Zug fahren.
  • Eine Schule macht ihren Schulausflug und alle wollen mit einem Zug in die nahegelegene Großstadt.
  • Großveranstaltungen ziehen Massen von Menschen an. Besonders spannend, wenn es einen festen Start- oder Endtermin gibt und der Weg zwischen Veranstaltungsort und Bahnhof nur kurz ist.

Extrem überfüllte Züge sind ein Sicherheitsrisiko, denn im Gefahrenfall ist eine Räumung nicht mehr zeitgerecht und sicher zu gewährleisten. Die Räumung eines solchen übervollen Zuges im Bahnhof durch die Polizei ist glücklicherweise die absolute Ausnahme. Die Vorstufe ist der Appell des Personals, aus dem Zug auszusteigen, weil er ansonsten nicht weiterfahren kann.[i] Der Grund dafür ist in der Regel, dass Türen sich nicht mehr schließen lassen oder dass die Fluchtwege auf Tunnelstrecken auf Hochgeschwindigkeitsstrecken nicht mehr sicher begehbar sind. Hier geht es also aus einem Komfortthema hinaus in eine potenziell sicherheitsgefährdende Lage.

Natürlich spekulieren viele Fahrgäste in solchen Situationen darauf, dass die anderen aussteigen. Doch diese Rechnung wird nicht aufgehen: Selbst wenn der Zug dann irgendwann mit sehr großer Verspätung weiterfährt, haben Sie sich mit mehreren Umständen zu arrangieren:

  • Die Verspätung wird unterwegs mit einiger Wahrscheinlichkeit noch größer, als sie ohnehin schon ist.
  • Der Zug ist so voll und die Atmosphäre vermutlich emotional so aufgeladen, dass die Fahrt eher keinen Spaß macht.

Wenn niemand der Aufforderung zum Aussteigen nachkommt, bleibt der Zug einfach stehen, bis die Polizei kommt und die undankbare Aufgabe der Räumung übernimmt.

Empfehlung deswegen: Vor der Räumung durch die Polizei aussteigen und dann entweder den nächsten Zug nehmen (sofern zu erwarten ist, dass er leerer ist) oder die Fahrt abbrechen oder eine andere Strecke wählen, selbst wenn diese länger oder langsamer ist. In solchen Fällen gibt das Personal auch Hinweise auf Fahrtalternativen, sofern vorhanden. Ticketbedingte Zugbindungen sind dann mit ziemlicher Sicherheit aufgehoben, entweder weil das Personal andere Züge freigegeben hat oder weil die Verspätung über 20 Minuten beträgt.

 

Anmerkung

[i]         Der Fall, dass Reisende nicht in einen Fernverkehrszug einsteigen konnten bzw. dass wieder welche wegen Überfüllung aussteigen mussten, kam 2018 in normalen Monaten in 0,1 % aller Fahrten vor, bei besonderen Ereignissen stieg dieser Wert auf bis zu 0,7 % der Fahrten. Quelle: Deutscher Bundestag (Hrsg): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der FDP. In: Drucksache 19/15246 vom 15.11.2019, Seite 3.

Nach oben scrollen