Was Sie als Fahrgast bei überfüllten Zügen tun können

Maßnahmen vor der Fahrt

  • Im Fernverkehr sollten Sie zumindest dann einen Platz reservieren, wenn eine hohe Auslastung zu erwarten ist.
  • Sie sollten eine andere Verbindung wählen, wenn in der Reiseauskunft im Internet oder im DB Navigator für Fernverkehrszüge der Hinweis erscheint, dass der gewünschte Zug vermutlich sehr voll sein wird. Eine andere Verbindung bedeutet:
    • Früher Zug früher oder später fahren.
    • Eine andere Strecke wählen.
    • An einem anderen Bahnhof umsteigen.
    • Einen anderen Zugtyp nutzen.
    • Einen anderen Anbieter wählen.
  • Vereinzelt gibt es auch für Nahverkehrszüge Hinweise, dass bestimmte Züge besonders stark ausgelastet sind.
  • Es kann auch besser sein, auf eine Reise zu verzichten, wenn Sie keine Spielräume für sich finden können, als einige Stunden in einem überfüllten Zug zu stehen.
  • Während und unmittelbar nach Störungen sollten Sie nach Möglichkeit nicht mit dem nächsten Zug fahren, sofern er überfüllt ist, sondern eine spätere Verbindung wählen.
  • Auch bei geplanten Bauarbeiten kann es voll werden, wenn gleichzeitig das Zugangebot deutlich eingeschränkt wird.

 

Planen

  • Verkehrsstarke Zeiten und Strecken sollten Sie nach Möglichkeit vermeiden. Diese Zeiten werden hauptsächliche durch Tages- und Wochenendpendlerinnen und -pendler sowie durch Schülerinnen und Schüler bestimmt. Folgende Zeiten und Strecken sind normalerweise besonders gut nachgefragt:
    • Im Nahverkehr wie auch im Fernverkehr die Strecken zwischen Ballungsräumen oder in Richtung auf Großstädte zu morgens zwischen etwa 6 und 9 Uhr mit einer Spitze um halb acht Uhr herum. Nachmittags wird es zwischen etwa 15.30 und 19 Uhr recht voll, jedoch in der Regel etwas weniger als morgens.
    • Im Fernverkehr sind der Freitag und Sonntag ab der Mittagszeit oft durch Wochenendpendlerinnen und -pendler sehr gut ausgelastet. Auch der Donnerstag ist tendenziell stärker nachgefragt.
    • Nachmittags und abends vor Brückentagen ist der Fernverkehr ebenfalls sehr stark nachgefragt, das Gleiche gilt zu Ferienbeginn.
    • Im Nahverkehr sind an Wochenenden auf den großen touristischen Strecken beispielsweise in Richtung Bodensee, Alpen oder Nordsee und außerdem in einigen Mittelgebirgstälern mit florierendem Tourismus kaum noch Plätze frei. Dies gilt ebenfalls für die Strecken in Richtung der großen, touristisch nachgefragten Städte, auch der samstägliche Einkaufsverkehr dorthin ist nicht zu unterschätzen.
    • Im Umfeld von Großveranstaltungen wie Bundesligaspiele, Kölner Karneval, Oktoberfest oder Bundesgartenschau wird es immer eng.
  • Umgekehrt werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit genügend freie Plätze finden, wenn Sie folgendermaßen unterwegs sind:
    • In den Nebenverkehrszeiten im Nahverkehr ganz früh morgens vor 6 Uhr oder später abends ab etwa 19 Uhr und zwischen 9 und 16 Uhr sollte die Platzfrage zumeist kein Problem darstellen, außer für kurze Zeit mittags auf kleinen Nebenstrecken, wenn die Schule zu Ende ist.
    • Montags, dienstags, mittwochs und samstags ist der Fernverkehr außerhalb der Hauptverkehrszeiten morgens und abends gut nutzbar.
    • Werktags zu den Hauptverkehrszeiten entgegen der Lastrichtung, d. h. morgens aus der Stadt heraus, nachmittags/abends wieder hinein: Wer beispielsweise werktags um 7.30 Uhr von München Hbf nach Mühldorf, Kempten oder Passau will, wird Platz finden.
    • Auch in S-Bahnen ist werktags entgegen der Lastrichtung in aller Regel viel Platz, wobei dies erst außerhalb des erweiterten Citybereichs gilt. Denn große, arbeitsplatzintensive Büro- und Gewerbegebiete liegen manchmal eher am Rande der City.
    • Auf Nebenstrecken außerhalb der Ballungsräume ohne touristische Bedeutung an Wochenenden.
    • Alle Bahnlinien im Nahverkehr, die keine direkte Verbindungsfunktion zwischen zwei Ballungsräumen oder Großstädten haben, sind beinahe jederzeit, außer zu Schulbeginn und Schulschluss, eher ohne Platzprobleme nutzbar.

Diese Zusammenhänge gelten in der Regel, wenn nicht gerade Sonderbedingungen herrschen wie Großveranstaltungen, Bauarbeiten oder Störungen.[i]

Achten Sie auch auf indirekte Hinweise: Wenn Reservierungen nicht mehr möglich sind und nur sehr teure Fernverkehrsfahrkarten erhältlich sind, dann können Sie ableiten, dass diese Verbindungen sehr stark ausgelastet sind.

 

Unterwegs

Wenn Sie trotzdem zu den Hauptverkehrszeiten und in vollen Zügen unterwegs sein sollten, gibt es ein paar kleinere Tricks, mit denen Sie, wenn Sie nicht reserviert haben, die Wahrscheinlichkeit auf einen Sitzplatz oder zumindest auf einen komfortableren Stehplatz erhöhen können:

  • Oft ist in Zügen im ersten oder letzten Wagen mehr Platz, weil die meisten Fahrgäste längere Fußwege am Bahnsteig vermeiden.
  • Das gilt insbesondere für Kopfbahnhöfe: Im ersten Wagen, der am weitesten vom Querbahnsteig entfernt ist, sind die Chancen am größten.
  • Auch bei Flügelzügen sind die Zugteile oft nicht gleich stark ausgelastet.
  • Manchmal verkehren Entlastungszüge. Diese sind oft deutlich geringer ausgelastet, wenn sie hinter dem regulären Zug fahren oder eine geringere Komfortklasse haben (also: IC statt ICE) oder langsamer sind.
  • Manchmal kann es sich lohnen, mit einem Fahrausweis der 2. (überfüllten) Klasse den Aufpreis für die 1. Klasse zu bezahlen, sofern dies vom Tickettyp her gesehen möglich ist.
  • Und umgekehrt: Manchmal ist die 2. Klasse leerer als die 1. Auch wenn Sie Ihr Geld bei einem solchen Wechsel nicht zurückbekommen, kann das eine gute Option sein, sofern es die Fahrkarte zulässt.
  • Wenn die Einstiegsbereiche schon sehr voll sind, sind in der Mitte eines Wagens oft noch Stehplatzflächen frei.
  • Bei S-Bahnfahrten zur Früh-Hauptverkehrszeit auf eine Großstadt zu können Sie ggf. auch versuchen, einen Bahnhof früher zuzusteigen, sofern Sie die Möglichkeit haben.
  • Manchmal wird ein Zug in einem Bahnhof um einen Zugteil verstärkt, d. h. aus einer Einfachtraktion wird eine Doppeltraktion oder aus der Doppeltraktion eine Dreifachtraktion. Auch wenn der erste Zugteil längst am Bahnhof steht und alle Fahrgäste zusteigen – warten Sie in Ruhe ab, bis der andere Zugteil kommt. Woher Sie wissen, ob ein Zugteil hinzukommt? Oft wird es am Bahnsteig durchgesagt oder Sie schauen sich den Wagenstandanzeiger an. Manchmal ist es aber tatsächlich nur Erfahrung.
  • Wenn auf längeren Strecken alle Sitze belegt und Sie unbedingt auf diesen Zug angewiesen sind, nutzen Sie Ihr Gepäck als Sitzplatz. Auch auf dem Boden mit einer geeigneten Unterlage gibt es manchmal Platz, insbesondere in den Einstiegsbereichen der Fernverkehrszüge kann das eine Option sein – allerdings sollten Sie die Wege freilassen.

Um alles zusammenzufassen: Es gibt in vielen Fällen Möglichkeiten, vollen Zügen aus dem Weg zu gehen (was zumeist die beste Wahl ist) oder dort noch einen Platz zu finden. Wenn Sie etwas flexibel sind, entsprechend planen und handeln, werden die meisten Fahrten recht bequem verlaufen.

 

Anmerkung

[i]         Weitere interessante Zusammenhänge können Sie einigen Grafiken entnehmen, die in der „WELT“ erschienen sind. Kurzlink-URL: https://t1p.de/g3w6+ (Stand 17.4.2024). Die Daten sind zwar schon einige Jahre alt, doch vom Grundsatz her weiterhin gültig.

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