Was machen Sie ganz persönlich daraus?

In diesem Kapitel stehen Sie im Mittelpunkt. Völlig unabhängig davon, wie andere Menschen zur Bahn stehen: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, welche wollen Sie machen, wie sehen Sie die Situation, welche Konsequenzen haben Sie gezogen oder werden Sie vielleicht ziehen?

 

Situation analysieren

Wenn Sie eine Linie häufiger nutzen, werden Sie recht schnell feststellen, ob es sich insgesamt um eine stabile und zuverlässige Linie handelt oder ob häufiger oder zu bestimmten Zeiten mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen ist.

Sie können sich auch mittels der je nach Region unterschiedlich detaillierten Qualitätsberichte der Aufgabenträger informieren, wie es um Pünktlichkeit und Ausfälle auf „Ihrer“ Linie bestellt ist. Ebenfalls bietet das Kursbuch eine recht gute Möglichkeit, entsprechende Vorhersagen zu treffen.

Schauen Sie sich zunächst die Situation etwas genauer an und ziehen Sie erst dann Konsequenzen. Es ist nicht möglich, von den Erfahrungen einer einzelnen Fahrt auf das gesamte Bahnsystem zu schließen. Auch alles, was Sie als Pendlerin oder Pendler im Laufe von Jahren auf der immer gleichen Strecke zu immer den gleichen Zeiten erlebt haben, spiegelt nicht unbedingt wider, wie es um die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit insgesamt oder zu anderen Zeiten oder auf anderen Linien bestellt ist.

Wichtig ist auch, dass Sie sich nicht von den oft sehr pauschalen Behauptungen der Medien und den Bewertungen anderer Fahrgäste oder Nicht-Fahrgäste zu sehr beeinflussen lassen. Deren Aussagen können zwar Hinweise geben, doch Ihr eigenes Urteil ist gefragt und letztlich entscheidend.

 

Handeln

Wenn Sie den Eindruck haben, viel zu häufig von Ausfällen und Verspätungen betroffen zu sein und Sie die oben stehenden Zusammenhänge für Ihre Situation überprüft haben, könnten Ihre persönlichen Schlussfolgerungen beispielsweise lauten:

  • Zu anderen Uhrzeiten fahren.
  • Eine andere Strecke fahren.
  • An einem anderen Bahnhof einsteigen, wo mehr oder andere Zuglinien verkehren.
  • Die Bahn nur an bestimmten Tagen oder bestimmten Gelegenheiten, ansonsten aber andere Verkehrsmittel nutzen.

Schauen Sie, welche Möglichkeiten für Sie in Betracht kommen. Es kann durchaus sein, dass Sie die Bahn überhaupt nicht nutzen wollen, wenn die eben genannten Möglichkeiten für Sie nicht infrage kommen, Sie die möglichen oder tatsächlichen Einschränkungen in Bezug auf Pünktlichkeit und Ausfälle nicht hinnehmen möchten und eine Besserung der Situation nicht absehbar ist. Dann gilt es ehrlich zu überprüfen, ob die Alternative (in der Regel das Auto) die bessere Wahl ist. Und wenn beides – Auto oder Bahn – überhaupt nicht passen und langfristig unerträglich erscheinen, ist es an der Zeit nachzudenken, ob eine Verlegung des Arbeitsortes und/oder des Wohnsitzes mit entsprechender Neuausrichtung des Mobilitätsverhaltens nicht die beste Lösung sind.

 

Rückmeldung an das Verkehrsunternehmen geben

Eine weitere Konsequenz kann sein, Rückmeldung an das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen zu geben.

Die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen sind zwingend darauf angewiesen, Rückmeldungen von den Fahrgästen zu bekommen, denn ansonsten haben sie nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich zu verbessern. Etliches lässt sich kaum oder nur langfristig verändern, doch vieles wurde nur deswegen gelöst, weil sich Fahrgäste zu Wort gemeldet haben. Zu den Rückmeldungen, die das Unternehmen registriert, gehören Erstattungsanträge im Rahmen der Fahrgastrechte, Forderungen nach einer kulanten Behandlung angesichts nicht durch die Fahrgastrechte abgedeckter Sachverhalte und Beschwerden.

  • Die Fahrgastrechte in Anspruch zu nehmen, ist Ihr gutes Recht. Dies sollten Sie schon deswegen tun, weil hier ein wirtschaftlicher Druck entsteht, der positive Wirkungen erzielen kann. Außerdem ist es aus Fahrgastsicht erfreulich, eine gewisse Erstattungssumme zu erhalten oder einen anderen, vielleicht sogar attraktiveren Zug nehmen zu dürfen.
  • Auf Kulanz seitens des Unternehmens zu hoffen, ist möglich. Es gibt genügend Situationen, die von den Fahrgastrechten nicht abgedeckt sind, wo dem Unternehmen aber sehr daran gelegen ist, dem Kunden hinterher auf freiwilliger Basis etwas Gutes zu tun: Einen Gutschein oder eine Fahrkarte geben etliche Unternehmen heraus, wenn der Vorfall wirklich gravierend war.
  • Sich zu beschweren, wenn Sie in eine unerfreuliche Situation geraten sind, ist sinnvoll. Wenn Sie etwas bewirken wollen, schildern Sie mit etwas zeitlichem Abstand möglichst sachlich, was geschehen ist, und fragen Sie nach konkreten Gegenmaßnahmen.
  • Eine Schlichtungsstelle können Sie in Anspruch nehmen, wenn alle Ihre vorherigen Bemühungen erfolglos waren.

Schauen Sie jedoch genau, wofür es sich lohnt, sich zu engagieren. Wie wichtig ist es, Recht zu behalten, vier Euro zu erstreiten, sich mitzuteilen, einen Sachverhalt zu recherchieren? Ist es den Aufwand wert? Diese Fragen können Sie nur für sich selbst beantworten.

 

Wählen und sich engagieren

Sie haben in Deutschland viele Möglichkeiten, sich auch über den Stimmzettel und über Verbände, Bürgerinitiativen, Verkehrsclubs, Fahrgastverbände oder Vereine für eine bessere Bahn zu engagieren. Auch hier gilt, dass ein langer Atem erforderlich ist, doch kamen und kommen weiterhin viele Impulse gerade auch auf diesen Wegen.

 

Einige Aufgaben der persönlichen Art

Empfehlenswert ist es nun, dass Sie Ihre persönlichen Schlussfolgerungen ziehen. Sie können sich dabei von folgenden Fragen und Anregungen leiten lassen:

  • Wie viel Zeit haben Sie im Laufe Ihres Lebens für die Mobilität aufgewendet? Wie schätzen Sie die Qualität dieser Zeit ein? Soll sich daran etwas ändern?
  • Notieren Sie sich, beispielsweise auf einer schönen Zugfahrt, die Gründe, weshalb Sie Bahn fahren.
  • Aus welchen Gründen fahren Sie trotz aller Zwischenfälle Bahn? Was sagen Sie dazu Ihren Freundinnen und Freunden, Familienmitgliedern, Arbeitskollegen und -kolleginnen?
  • Was müsste sich ändern, damit sich Ihre Lebensqualität verbessert, wenn Sie unterwegs sind? Was können Sie selbst ändern?
  • Was benötigen Sie persönlich, um sich beim Bahnfahren gut einzurichten und wohlzufühlen?
  • Was wollen Sie konkret angehen, erfahren, ändern?

Es kann sein, dass diese Fragen nicht leicht zu beantworten sind. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken.

Denn es ist Ihre Lebenszeit und Ihre Entscheidung, wie Sie damit umgehen.

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