Den Gleisbereich nie ungesichert betreten

Es sind zwei Faktoren, die das ungesicherte Betreten des Gleisbereichs zu einer potenziell tödlichen Gefahr lassen werden:

  • Züge können nicht ausweichen.
  • Züge haben einen sehr langen Bremsweg.

Weshalb könnte man als Fahrgast überhaupt in Versuchung geraten, ungesichert über die Gleise zu gehen?

  • Der Weg über die Gleise ist eine Abkürzung. Bei schlecht erschlossenen Bahnhöfen mit zu wenigen oder umständlichen Zugängen stellt der Weg über die Gleise eine Versuchung dar, Minuten einzusparen.
  • Um einen Zug in letzter Sekunde zu erwischen, nehmen manche Menschen jedes Risiko auf sich.

Abgesehen davon, dass es verboten ist, gibt es gute Gründe, den Gleisbereich nicht ungesichert zu betreten:

  • Sie mögen sich sicher fühlen, jedoch hören Sie einen Zug in der Regel nicht, wenn er sich Ihnen nähert; auf Ihr Gehör können Sie sich beim Überqueren nicht verlassen.
  • In Kurven sehen Sie den Zug nicht, und auch Vegetation kann die Sicht auf den Zug versperren. Wenn es dunkel, neblig oder diesig ist, werden Sie den Zug optisch ebenfalls nicht oder zu spät erkennen.
  • Es gibt zwar gewisse Erfahrungswerte, wie schnell Autos sind. Aber Sie haben keine für den Zug und werden diese auch nicht machen – denn Sie werden diese Erfahrung nicht oder nur schwer verletzt überleben. Normalerweise wird die Geschwindigkeit von Zügen deutlich unterschätzt.
  • Sie können das Überqueren eines Bahndamms nicht mit dem Überqueren einer flachen, geteerten Straße vergleichen. Bei der Bahn ist das motorisch sehr anspruchsvoll:
    • Das Schotterbett hochklettern.
    • Auf unebenem, scharfkantigem, beweglichem Schotter einen Schritt machen.
    • Auf einer Schwelle Halt finden, die fest, aber rutschig ist.
    • Über die Schiene steigen – diese ist mit 15 bis 17 cm so hoch wie eine Treppenstufe. Oben ist sie schmal und rutschig und nicht geeignet, sicheren Stand zu verleihen.
    • Alternativ drübersteigen, ohne sie zu berühren: ein ernstes Hindernis.
    • Auf der anderen Seite befindet sich ebenfalls entweder eine rutschige Schwelle oder unebener scharfkantiger Schotter.
    • Danach kommt die zweite Schiene und– bei einer eingleisigen Strecke – der Abstieg vom Schotterbett.
    • Bei zweigleisigen Strecken wiederholt sich das Ganze noch einmal.
  • Insgesamt dauert das Überqueren eines Bahnkörpers mindestens dreimal, eher viermal länger als bei einer gleich breiten Straße. Das Risiko, zu stürzen oder sich den Fuß zu verstauchen, ist zusätzlich ungleich größer.
  • Wer glaubt, problemlos über die Gleise gehen zu können, weil ganz sicher erscheint, dass kein Zug kommt und Trittsicherheit vorhanden ist: Dennoch das Gleis nicht illegal überqueren. Denn jeder Mensch ist auch Vorbild für andere (nicht nur Kinder), die die Situation nicht einschätzen können oder weniger sportlich sind.

Wie groß das Risiko ist, verdeutlicht diese Zahl: Von den 157 Todesopfern im Bahnbereich im Jahre 2017 waren 93 unbefugt im Gleisbereich unterwegs.[i]

Es gibt nur drei Fälle, in denen Sie den Gleisbereich betreten dürfen:

  • Einige Bahnhöfe ohne Unterführung haben ebenerdigen Zugang zu einem Mittelbahnsteig. Hier existiert eine der folgenden Sicherungen:
    • Der Fahrplan und/oder der Fahrdienstleiter sorgen dafür, dass kein Zug einfährt, während Sie auf den Schienen sind.
    • Betrieblich ausgebildetes Personal sorgt für Ihre Sicherheit.
    • Es gibt eine Schranken- und Signalanlage für Fußgänger.
  • Bei der Evakuierung von Zügen werden Sie vom Personal gesichert, außerdem ist in solchen Fällen die Strecke vollständig gesperrt.
  • Sie nutzen als Straßenverkehrsteilnehmer einen offiziellen Bahnübergang. Diese gibt es in verschiedenen Bauweisen mit unterschiedlichen Sicherungssystemen: Beispielsweise nicht technisch gesichert, unbeschrankt mit Lichtzeichen, beschrankt mit Voll- oder Halbschranken. Abhängig ist die Sicherungsart von der Art der Bahnstrecke und des querenden Weges/der Straße, den Kreuzungs- und Sichtverhältnissen, der Intensität des Autoverkehrs und den Zuggeschwindigkeiten.

 

Anmerkung

[i]         EBA (Hrsg.): Bericht des Eisenbahn-Bundesamts gemäß Artikel 18 der Richtlinie über Eisenbahnsicherheit in der Gemeinschaft 2017,
Anhang A 1.2. Bonn 2018.

Ein Bahndamm ist ein ernst zu nehmendes Hindernis – nicht umsonst ist das Überqueren abseits der Bahnübergänge verboten. Steile Böschungen, kein fester Untergrund und Stolperfallen sind nur einige der auftretenden Hindernisse. Das Gefährlichste aber ist der Zug, der – wie hier im Beispiel einer Nebenstrecke in der Oberpfalz – wegen der eingeschränkten Sicht durch Vegetation und Kurvenlage nicht rechtzeitig bremsen könnte.

 

Schrankenanlagen mit Lichtzeichen auf einem Bahnsteig kommen gelegentlich vor und bilden bei Nichtbeachtung eine unmittelbare Gefahrenquelle. Im Bild eine Sondersituation im Bahnhof Oberstaufen im Allgäu, wo der Bahnsteig direkt in einen Bahnübergang der Straße übergeht.
Hier ein offizieller Übergang über die Gleise. Gesichert durch den Fahrplan und bei Bedarf durch das Betriebspersonal (den Fahrdienstleiter) vor Ort.
Ein weiterer offizieller Gleisübergang, ebenfalls gesichert durch den Fahrplan.
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