Verhalten bei Gefahr im Bahnhof

In Bahnhöfen ist die 3-S-Zentrale für die Sicherheit zuständig. „3 S“ steht für Service, Sicherheit, Sauberkeit. Alle Bahnhöfe von DB InfraGO AG sind in dieses Konzept eingebunden, in den 3-S-Zentralen laufen alle Informationen u. a. zur Sicherheit zusammen.

In größeren Bahnhöfen gibt es auch eigene Mitarbeiter vor Ort und Streifen durch Mitarbeiter der DB Sicherheit GmbH. Etliche Bahnhöfe stehen unter zusätzlicher Live-Videoüberwachung. Die meisten Bahnhöfe hingegen verfügen weder über Personal noch über Videoüberwachung. Sie können deswegen deren Mitarbeiter auch telefonisch erreichen – leider gibt es jedoch keine einheitliche Nummer.

Alternativ können Sie selbstverständlich bei Gefahr auch die Bundespolizei unter 112 oder noch besser, direkt unter 0800 6 888 000 benachrichtigen.

Folgende Schritte sind im Gefahrenfall sinnvoll:

  • Generell sollten Sie – wie auch im Zug – bei jeglicher Gefahr unmittelbar Kontakt mit dem Personal vor Ort aufzunehmen, da dort das Wissen über die effektivsten Meldewege und die notwendigen Schritte vorhanden ist.
  • Wenn kein Personal direkt in Sicht oder vor Ort ist: Bundespolizei oder 3-S-Zentrale anrufen.

Einige gefährliche Situationen, denen Sie im Bahnhof begegnen könnten:

Geldbeutel, Schlüssel oder Handy fällt ins Gleis. Maßnahme: Personal informieren oder 3-S-Zentrale anrufen. Auf keinen Fall selbst ins Gleis steigen, auch wenn alles sicher erscheint. Denn erstens wissen Sie nicht, ob und wann ein Zug kommt, außerdem ist der Rückweg wesentlich schwieriger: Bahnsteigkanten sind bis zu 96 cm über der Schienenoberkante hoch, hinzu kommt die Gleishöhe und der unebene Untergrund. Das schafft nicht jeder und schon gleich gar nicht schnell. Abgesehen davon ist es schlicht verboten. Und was vielen nicht bekannt ist, sollte man eine solche Aktion überleben: Wenn der Bahnverkehr deswegen angehalten werden muss, weil jemand auf eigene Faust ins Gleis klettert, kann das extrem teuer werden. Regressforderungen sind in solchen Fällen wahrscheinlich. Letztlich ist der Verlust von derartigen Gegenständen harmlos gegenüber der Gefahr, in die man sich begibt.

Ein Mensch stürzt vom Bahnsteig ins Gleis oder hält sich im Gleisbereich auf. Das kommt immer mal wieder vor, durch Drängelei, Unaufmerksamkeit, bei Betrunkenen, Menschen unter Drogeneinfluss nach Partys, es kann sich um eine Mutprobe Jugendlicher handeln oder um eine orientierungslose Person – in all diesen Fällen besteht unmittelbare Lebensgefahr. Es sind dann mehrere Dinge zu tun, und das geht am effektivsten mit mehreren Menschen in Arbeitsteilung:

  • Person sehr deutlich und energisch ansprechen und – sofern möglich – zum schnellen Aufsuchen eines sicheren Platzes auffordern. Vielleicht gibt es einen Schutzraum unter dem Bahnsteig, vielleicht kann sie noch den Bahnsteig hochklettern.
  • Sofort die Bundespolizei anrufen oder das Personal vor Ort informieren, je nachdem, was möglich und erfolgversprechender ist.
  • Einen in Kürze ein- oder durchfahrenden Zug anhalten. Dazu laufen Sie an den Bahnsteiganfang und geben das Nothaltsignal: „Eine rot-weiße Signalfahne, ein Gegenstand, der Arm oder nachts eine möglichst rot abgeblendete Laterne wird im Kreis geschwungen.“ Dieses sogenannte Kreissignal können Sie auch mit einer Taschenlampe oder dem hellen Smartphone durchführen: Hauptsache, Sie werden gesehen, ohne sich in Gefahr zu bringen.

In Bezug auf eine direkte Hilfeleistung müssen Sie davon ausgehen, dass in Kürze ein Zug einfährt. Deswegen gilt es unbedingt, den Grundsatz des Selbstschutzes zu beachten, und Sie dürfen keine unüberlegten Dinge tun: Bleiben Sie auf dem Bahnsteig, halten Sie den Sicherheitsabstand ein. Ansonsten droht Ihnen selbst ebenfalls unmittelbare Lebensgefahr.

Manchmal ist in der Zeitung zu lesen, dass ein Helfer ins Gleis springt und die hilfebedürftige Person gerade noch so vor dem einfahrenden Zug rettet. Es ist vielleicht möglich, dass es klappt, aber genauso möglich, dass es dann zwei Todesopfer oder Schwerverletzte gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es gut geht, ist größer, wenn der Zug weit weg ist, wenn er langsam genug fährt, wenn ein anderer Helfer das Kreissignal gibt, wenn der Helfer sportlich und kräftig ist, wenn keine Panik im Spiel ist. Sehr viele „Wenns“, und leider ist es kaum wahrscheinlich, dass alles gegeben ist. So schwer es fällt: Die Methode, direkt zu helfen, ist extrem gefährlich und leider nicht empfehlenswert.

Sollte es tatsächlich der Fall sein, dass der Zug gerade einfährt und Sie sich – weil Sie gestürzt sind oder als Helfer – im Gleis aufhalten: Es gibt manche Bahnsteige mit Schutzraum, in dem Sie liegend Platz finden. Hier ist die Bahnsteigkante so gestaltet, dass sich darunter ein Hohlraum befindet, den Sie vom Gleis aus erreichen können. Wenn ein solcher nicht vorhanden ist, haben Sie noch gewisse Überlebenschancen, wenn Sie ganz platt neben den Gleisen liegen. Aber eine Garantie gibt es dafür nicht, denn einerseits braucht es dafür Nerven wie Drahtseile, andererseits hängt es von der Bauart des Fahrzeugs ab, wie nahe es dem Untergrund kommt.

Gleisquerer: Es gibt auch die (häufigere) Situation, dass Fahrgäste (in der Regel Pendler oder Betrunkene) hinter dem Zug die Gleise queren, um abzukürzen. Sie wissen nun bereits, dass es sich hierbei um die häufigste Todesursache in Zusammenhang mit dem Bahnverkehr handelt. Sie sollten in solchen Fällen durchaus die Bundespolizei rufen, auch wenn der/die Betreffende bei deren Eintreffen vermutlich längst verschwunden ist. Dennoch hilft das durchaus, denn derartige Stellen werden von der Polizei genauer beobachtet und gelegentlich werden dann Kontrollen durchgeführt und Bußgelder verhängt.

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