Pünktlichkeit von S-Bahnsystemen

Generell sind S-Bahnsysteme deutlich pünktlicher als der Fernverkehr – allen Medienberichten zum Trotz.

Das erste Beispiel ist die S-Bahn München. Hier fahren die Züge im Berufsverkehr teils im 10-Minuten-Takt pro Linie, auf der zentralen Strecke in der City, wo sich mehrere Linien treffen, sogar im 2-Minuten-Takt. Die Linien verkehren bei der S-Bahn München teilweise eingleisig und teils im Mischverkehr mit Güter- und Regionalverkehr. Dort sind die Jahrespünktlichkeiten je Linie sehr unterschiedlich: Auf der S-Bahnlinie S1 lag sie 2012–2016 im Schnitt bei 93,2 % und auf der S3 Ost im gleichen Zeitraum bei 96,2 %. Dieser Unterschied von immerhin drei Prozentpunkten erklärt sich damit, dass die S1 eine sehr dicht befahrene Mischverkehrsstrecke ist, und die S3 im Gegensatz dazu teilweise eigene Gleise hat. Wenn man sich von den jährlichen Durchschnittswerten löst, so findet man den schlechtesten Monatswert von 92,1 % ebenfalls auf der S1, und den besten mit 98,6 % auf der zweigleisigen S2 West, auf deren Gleise nur S-Bahnzüge fahren.[i]

Ein weiterer Blick in die Pünktlichkeitsaufzeichnungen macht deutlich, dass der Zugverkehr der S-Bahnen in den Hauptverkehrszeiten (werktags 6–9 Uhr und nachmittags) spürbar unpünktlicher ist als in den Nebenverkehrszeiten. Hier liegen auf alle S-Bahnsysteme Deutschlands bezogen ein bis zwei Prozentpunkte Unterschied. Auch die bereits erwähnte S1 der S-Bahn München fuhr 2018 zur Hauptverkehrszeit um 2,3 Prozentpunkte unpünktlicher als in den Nebenverkehrszeiten (92,3 % zu 94,6 %).[ii]

Bei der S-Bahn Stuttgart sind die Unterschiede zwischen den Linien und den Verkehrszeiten noch deutlicher ausgeprägt: zwischen 99,1 % auf der S60 zur Nebenverkehrszeit und 91,3 % auf der S3 zur Hauptverkehrszeit.[iii]

Die Hamburger S-Bahn bewegte sich je nach Monat im Jahre 2023 zwischen 92 und 96 % – aber auf 3 Minuten berechnet. Bei der 6 Minutenpünktlichkeit lagen die Werte zwischen 96 und 99 %. Die Werte sind deswegen sehr hoch, weil die S-Bahn Hamburg vollständig eigene Gleise nutzt – im Gegensatz zu den meisten anderen S-Bahnsystemen.

Abschließend geht es um die S-Bahn Rhein-Ruhr im Bereich des Aufgabenträgers VRR. Hier fuhr die S4 im Jahre 2018 mit einer Verspätung von durchschnittlich lediglich 15 Sekunden pro Zugfahrt, bei der S68 waren es über 1,5 Minuten.[iv] 

 

Anmerkungen

[i]         Bayerischer Landtag (Hrsg.): Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Markus Rinderspacher SPD vom 18.09.2017: Zugausfälle und Verspätungen der S-Bahn München. In: Drucksache 17/19224, S. 2 und 3.

[ii]        Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage […] der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Pünktlichkeit der S-Bahnen in Deutschland. In: Drucksache 19/4761 19. Wahlperiode 05.10.2018, S. 29 und weitere.

[iii]        DB Regio AG (Hrsg.): Qualität der S-Bahn Stuttgart 2016, S. 6. URL: https://www.s-bahn-stuttgart.de/resource/blob/663930/c615202c35eb4d4176c9d655ca18bc83/Praesentation-S-Bahn-Stuttgart-data.pdf (Stand 30.4.2019).

[iv]        Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (Hrsg.): Qualitätsbericht SPNV 2018, S. 10. Gelsenkirchen 2019.

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