Verspätungsursachen

Die Ursachen für Verspätungen sind sehr vielfältig. Hier nur der Überblick, Näheres dann im Kapitel „Einflüsse auf die Bahn“.

Bei der S-Bahn Nürnberg beispielsweise gab es 2018 eine ungefähre Dreiteilung der Verspätungsursachen:[i]

  • Ein Drittel der verspäteten Züge kommt deswegen zu spät, weil es mit der Infrastruktur Probleme gibt: Bauarbeiten oder Stellwerksstörungen sind die Hauptgründe dafür.
  • Bei einem weiteren Drittel sind es Wettereinflüsse oder menschliche Einwirkungen der unterschiedlichsten Art.
  • Und das letzte Drittel der verspäteten S-Bahnen ist deswegen zu spät, weil das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen Probleme hatte: Das Fahrzeug war defekt oder die Personaleinteilung hat nicht funktioniert[ii].

Im Regional- und S-Bahnverkehr in Bayern gab es zwischen 2021 und 2023 folgende Ursachen für Verspätungen:

Bei den im Diagramm genannten Ursachen fehlt eine: die sogenannten Folgeverspätungen – und die machen die Hauptursache aus (rund 60 % der Verspätungsminuten). Doch dabei handelt es sich nicht um den eigentlichen Auslöser, sondern um eine Kettenreaktion – eine Verspätung sorgt auch bei anderen Zügen für Verspätungen (längeres Warten bei eingleisigen Strecken, außerplanmäßige Überholungen, Anschlüsse).

Beim Fernverkehr der Deutschen Bahn gab es im Jahre 2018 unter anderem folgende Ursachen für Verspätungen:[iii]

  • 18 %: Netz (ohne Signale und Weichen)
  • 12 %: Fahrzeugstörungen
  • 7 %: Störungen an Signalen und Weichen
  • 4 %: Bauarbeiten
  • 2,9 %: Warten auf Anschlusszüge

Zu den 18 % netzbedingten Ursachen: Dahinter verbergen sich zum Beispiel Langsamfahrstellen, wenn durch Wettereinflüsse, nicht rechtzeitig erfolgte Instandhaltung oder Änderung von bisherigen Rahmenbedingungen

  • Brückenschäden, Oberbau- oder Untergrundmängel vorliegen,
  • Bahnübergänge nicht mehr sicher befahrbar sind,
  • behördliche Anordnungen erlassen wurden oder
  • signaltechnische Mängel aufgetreten sind.

Die normale Streckengeschwindigkeit wird dann herabgesetzt, bis der Schaden oder Mangel behoben wurde.[iv] Das dauert in der Regel mehrere Monate und je nach Ursache und räumliche Ausdehnung können Verspätungen im Minutenbereich entstehen – für jeden Zug, der dort fährt, und eventuell auch mit Übertragung der Verspätung auf andere Züge und Anschlussverlust.

Ähnlich gelagert sind kurzzeitige Anordnungen, dass Züge langsamer fahren müssen, weil sich Personen im Gleisbereich aufhalten. Hier kommt es zu teils gravierenden Verspätungen, jedoch ist die Ursache in der Regel nach einer halben oder ganzen Stunde behoben. In solchen Fällen bekommen die Lokführer beispielsweise einen schriftlichen Befehl vom Fahrdienstleiter, mit welcher Geschwindigkeit sie maximal fahren dürfen.

 

Anmerkungen

[i]         Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (Hrsg.): S-Bahn Nürnberg: Bessere Pünktlichkeit trotz höherer Anforderungen.
In: Newsletter April/Mai 2019, S. 3.

[ii]            Wenn die Dienstplanung nicht aufgeht, liegt es in seltenen Fällen daran, dass tatsächlich ein Planungsfehler vorgekommen ist. Häufiger hingegen sind plötzliche Erkrankungen oder Folgeverspätungen: Ein Lokführer/eine Lokführerin kommt zu spät zum Zug, weil der vorherige bereits Verspätung hatte und der Übergang nicht mehr schnell genug möglich war.

[iii]        Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung vom 15.3.2019 auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
In: Drucksache 19/8483, S. 2-3. Dort werden weitere Ursachen genannt, die jedoch nicht in Prozentwerten aufgeschlüsselt sind.

[iv]        Es gibt eine Beschreibung im Internet mit etlichen Fotos, wo Sie die Einrichtung einer Langsamfahrstelle nachvollziehen können. Kurzlink-URL: https://t1p.de/hae1+ (Stand 20.2.2020).

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