Was die Bahn tut

Es macht einen Großteil der täglichen Arbeit der Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und der Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen aus, Verspätungen zu vermeiden, Fahrgäste und Betriebspersonal darüber zu informieren und deren Folgen und Wechselwirkungen gering zu halten.

Die Maßnahmen sind so vielfältig wie die Ursachen, die zu Verspätungen führen.

Wenn Sie als Fahrgast eine Verspätung erleben, dann arbeiten im Hintergrund immer mehrere Menschen daran, diese zu beheben oder zumindest darüber zu informieren und weitere negative Folgen abzuwenden. Und viele Verspätungen sind erst gar nicht entstanden, weil vorbeugende Maßnahmen wirksam waren.

Information der Fahrgäste

Alle Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen sammeln ständig die Informationen zu jeder gerade stattfindenden Zugfahrt und bereiten diese – häufig ganz oder teilweise automatisiert – für verschiedene Informationsmedien auf. Konkret geht es bei verspäteten Zügen um die derzeitige Verspätung und die Prognosen für die weiteren Bahnhöfe und um den Grund der Verspätung. Im Endergebnis erhalten die Fahrgäste im Zug, im Bahnhof, im Internet und über entsprechende Apps für die meisten aktuell verkehrenden Züge Echtzeitinformationen – je nach Möglichkeit sowohl optisch als auch akustisch.

Disposition der Züge und Personale

Ein verspäteter Zug birgt immer das Risiko, dass er zusätzlich andere Züge verspätet. Deswegen arbeiten die Disponenten daran, dass diese Folgewirkungen möglichst selten eintreten: Sie setzen je nach Höhe der Verspätung zusätzliches Personal ein, tauschen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus, legen ggf. zusätzliche Züge ein, und manchmal lassen Sie verspätete Fahrten ganz oder teilweise ausfallen, um das Gesamtsystem wieder pünktlicher werden zu lassen oder alternativ keine Unpünktlichkeit auf andere Fahrten zu übertragen.

Betriebliche Spielräume nutzen

Auf Strecken, deren Fahrplan relativ großzügig geplant werden konnte, bestehen gewisse Spielräume, Verspätungen wieder einzuholen. Lokführer setzen im Falle von Verspätungen alles daran, diese Spielräume zu nutzen und wieder pünktlicher zu werden. Konkret reizen sie dann nach Möglichkeit zulässige Höchstgeschwindigkeiten aus, verkürzen Aufenthalte in Bahnhöfen und wenden an Endbahnhöfen zügiger.

Verspätungsursache beheben

Je nach Ursache ist es möglich und notwendig, die Verspätungsursache möglichst schnell zu beheben, damit sich nicht noch weitere Züge verspäten. Wenn beispielsweise eine Signalstörung die Ursache ist, dann kümmern sich ganz unterschiedliche Personale des Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmens darum, die Leit- und Sicherungstechnik schnellstmöglich wieder funktionsfähig zu machen. Wenn Personen im Gleisbereich gesichtet wurden, arbeiten Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen, Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen und Bundespolizei gemeinsam daran, dass diese aufgegriffen werden, sodass die Strecke wieder mit normaler Geschwindigkeit befahren werden kann.

Vorausschauend planen

Vorbeugend lassen sich durch eine vorausschauende Planung etliche Verspätungen minimieren oder gar vermeiden. Dies gilt beispielsweise für einen Hauptverspätungsgrund – die Baustellen. Je nach Konzept erweisen sich Baustellenfahrpläne als sehr störanfällig – und das kann ein Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen zusammen mit dem Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen oft schon vorher abschätzen und entsprechend anders planen, sofern die Spielräume gegeben sind.

Reserven einsetzen

Manche, zumeist große Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen, haben sich gewisse Reserven an Fahrzeugen und Bereitschaften beim Fahrpersonal aufgebaut. Diese können dann im Bedarfsfall eingesetzt werden. So einfach es klingt: In der Praxis ist dies wesentlich schwieriger umzusetzen. Das liegt nicht nur an der Frage, ob der Standort dieser Fahrzeuge und Personale günstig gelegen ist, sodass für einen verspäteten Zug ein Ersatz im regulären Fahrplan fahren kann. Noch wesentlich schwieriger ist es, über diese Fahrzeuge und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überhaupt zu verfügen. Das ist eine eindeutig finanzielle Frage, da Ausschreibungen solche Reserven nur in Ausnahmefällen vorsehen.

Aufklärung über Verspätungsursachen

Die Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen führen je nach Notwendigkeit teils aufwendige Kommunikationsmaßnahmen durch, um fahrgastbedingte Verspätungen nicht entstehen zu lassen.

Analysieren und Maßnahmenpläne erarbeiten

Alle Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen führen Statistiken über Verspätungsursachen und -folgen. So ist es möglich, bestimmte Situationen zu simulieren, deren Ergebnisse – zusammen mit dem Sachverstand von Fahrpersonal, Disponenten, Fahrdienstleitern und Datenanalytikern – letztlich in Maßnahmenplänen münden, die im Idealfall gute Wirkung zeigen. Beispiele hierfür sind der Einsatz von Einstiegslotsen in bestimmten S-Bahnsystemen, der leuchtende Bahnsteig, Aufkleber zum Verhalten beim Ein- und Aussteigen, Engpass-Management, dispositive Regeln bei Verspätungen, Anschlussregelungen, Wendezeitregelungen, der planmäßige Einsatz von zwei Fahrpersonalen oder die Durchführung „überschlagener“ Wenden bei knappen Wendezeiten, Schulung und Sensibilisierung des Personals, Einsatz von Pünktlichkeitsmanagern, geänderte Winterdienstpläne und einige mehr.

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